Letztes Update am Mi, 24.07.2019 13:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikt um Atomprogramm

Rouhani: Iran bereit zu Austausch von Tankern und Verhandlungen

Der Iran schlug Großbritannien vor, die beschlagnahmten Tanker auszutauschen. Indes gibt es erstmals Kontakt zur Crew des britischen Tankers.

Die Sanktionen der USA setzen dem Iran zu.

© AFPDie Sanktionen der USA setzen dem Iran zu.



Teheran – Der Iran ist nach den Worten seines Präsidenten Hassan Rouhani zu Verhandlungen bereit. „Solange ich die Verantwortung für die Exekutive des Landes trage, sind wir vollkommen bereit zu angemessenen, legalen und ehrlichen Verhandlungen“, erklärte Rouhani, der als gemäßigter Politiker in der Islamischen Republik gilt, am Mittwoch auf seiner Webseite.

Sein Land werde aber nicht verhandeln, wenn dies nichts anderes bedeuten würde, als sich zu ergeben. Welcher Art solche Gespräche wären, ließ Rouhani zwar offen. Er bezog sich aber wahrscheinlich auf mögliche Beratungen mit den USA. Deren Präsident Donald Trump hatte vor gut einem Jahr das 2015 in Wien geschlossene Iran-Atomabkommen einseitig aufgekündigt und will den Iran durch harsche Wirtschaftssanktionen zu einer weiter reichenden Vereinbarung über sein Atom- und Raketenprogramm zwingen.

Trump hatte sich bereit erklärt, Gespräche mit dem Iran zu führen. Die anderen Unterzeichnerstaaten des Abkommens – Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und China – wollen den Deal erhalten.

Iran bestreitet Abschuss von Drohnen durch USA

Der Iran hat unterdessen die Angaben des US-Militärs über den Abschuss einer zweiten iranischen Dohne dementiert. „Keine einzige unsere Drohnen wurde abgeschossen oder zerstört und alle sind weiterhin im Einsatz“, sagte Verteidigungsminister Amir Hatami am Mittwoch. Falls die Amerikaner wirklich eine Drohne oder sogar zwei abgeschossen haben, sollen sie die Videos dazu veröffentlichen, sagte der Minister laut Nachrichtenagentur ISNA.

Das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando CENTCOM des US-Militärs hatte laut Fox News am Dienstag behauptet, dass vergangene Woche zwei Drohnen in der Straße von Hormuz ins Visier genommen worden seien. Eine sei vom Marineschiff „USS Boxer“ definitiv zerstört worden, für die zweite gebe es jedoch keine Bestätigung.

Iran vermutet, USA hätten eigene Drohne abgeschossen

Der Iran hatte schon vergangene Woche die Angaben von US-Präsident Trump zurückgewiesen, wonach das Schiff eine iranische Drohne zerstört habe. Vizeaußenminister Abbas Araghchi äußerte die Vermutung, dass die Amerikaner aus Versehen eine eigene Drohne abgeschossen hätten.

Die iranischen Revolutionsgarden hatten letzten Monat eine US-Drohne des Typs „Global Hawk“ abgeschossen und später die Trümmer präsentiert. Nach iranischen Angaben erfolge der Abschuss im iranischen Luftraum bei Kuh-e Mobarak am Golf von Oman in der südiranischen Provinz Hormozgan, die USA sprachen von internationalem Luftraum.

Iran schlägt Tanker-Austausch vor

Zur Beilegung des Tankerstreits mit Großbritannien hat der iranische Präsidentindes einen Austausch der festgesetzten Öltanker beider Länder in Aussicht gestellt. „Wir wollen keine Spannungen, und wenn sich alle an die Vorschriften halten, auch an die in Gibraltar, dann werden sie (die Briten) von uns eine geeignete Antwort erhalten“, sagte Rouhani bei einer Kabinettssitzung am Mittwoch.

Der Iran sei weder stur, noch wolle er einen Konflikt am Persischen Golf, aber der Iran werde auch nicht auf Druck und Drohungen klein beigeben, so der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Die jüngste Eskalation des Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar ein Supertanker mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Am vergangenen Freitag stoppten die Iranischen Revolutionsgarden dann den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker „Stena Impero“ in der Straße von Hormuz. Das Schiff habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten sie. Außerdem soll die „Stena Impero“ ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben. Großbritannien sprach von einem Akt „staatlicher Piraterie“.

Reederei hat erstmals Kontakt mit Tanker

Die Reederei des vom Iran beschlagnahmten britischen Öltanker „Stena Impero“ hat nun erstmals mit der Besatzung des Schiffs sprechen können. Man habe am Dienstagabend zum ersten Mal seit dem Vorfall in der Straße von Hormuz direkt mit der Crew des Tankers kommuniziert, teilte das schwedische Schifffahrtsunternehmen Stena Bulk am Mittwoch mit.

Der Kapitän habe die Reederei benachrichtigt, dass jedes der Besatzungsmitglieder in Sicherheit sei und gut mit dem iranischen Personal an Bord kooperiert werde.

„Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen“, erklärte Reedereichef Erik Hanell. Er handle sich um ein erstes Zeichen, dass man bald weiteren Fortschritt vonseiten der iranischen Behörden sehen werde. Der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ sagte Hanell, der Kapitän habe davon berichtet, dass die Crew zwar gut behandelt werde und körperlich unversehrt sei, die Situation aber eine große psychische Belastung für sie sei. An Bord befinden sich 23 Besatzungsmitglieder aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen. (TT.com, APA, Reuters, dpa)