Letztes Update am Sa, 03.08.2019 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handelsstreit

USA exportieren künftig mehr Rindfleisch in die EU

Die EU-Kommission hatte dazu bereits Mitte Juni angekündigt, dass künftig Teile des globalen EU-Einfuhrkontingentes von jährlich 45.000 Tonnen fest für US-Anbieter reserviert werden sollen.

US-Präsident Donald Trump.

© AFPUS-Präsident Donald Trump.



Washington, Brüssel – US-Präsident Donald Trump hat am Freitagabend europäischer Zeit verkündet, dass die USA künftig mehr Rindfleisch - „das beste auf der Welt“ - in die EU exportieren werden. Er wird noch am heutigen Freitag ein entsprechendes Abkommen mit der EU unterzeichnen, sagte er in einem Statement, das etwa auf BloombergTV live übertragen wurde.

Die EU-Kommission hatte dazu bereits Mitte Juni angekündigt, dass künftig Teile des globalen EU-Einfuhrkontingentes von jährlich 45.000 Tonnen hormonfreiem Beef fest für US-Anbieter reserviert werden sollen. Innerhalb von sieben Jahren könnte der US-Lieferanteil so auf 35.000 Tonnen pro Jahr steigen.

Nur noch 10.000 Tonnen würden dann aus den anderen Hauptlieferländern Argentinien, Uruguay und Argentinien kommen. Sie konnten sich nach Angaben aus Kommissionskreisen bisher rund zwei Drittel des Einfuhrkontingents teilen.Die EU muss dem Abkommen noch zustimmen. Dem Pressestatement im Weißen Haus folgten US-Farmer, die dort zu Gast waren. Die meisten von ihnen trugen ganz typische Cowboy-Hüte.

„Eskalation verhindern“

Das Einlenken der EU bei dem Thema gilt als ein Grund, warum sich Trump im vergangenen Sommer bereiterklärte, den Handelskonflikt mit der EU vorerst ruhen zu lassen – und auch zusagte, vorerst keine weiteren Sonderzölle auf Autos oder andere Waren aus der EU einzuführen. Der damals ausgehandelte Deal sieht auch vor, dass die EU den Import von Soja und Flüssiggas aus den USA fördert.

Die Handelsexpertin der deutschen Grünen, Katharina Dröge, erklärte, „es ist gut, dass die EU versucht, eine weitere Eskalation des Handelskrieges zu verhindern“. Damit erreiche sie immerhin eine Atempause. Doch mit den immer neuen Zugeständnissen betreibe die Kommission ein gefährliches Spiel: „Mehr Rindfleisch-Exporte werden nicht Trumps letzte Forderung gewesen sein, und Europa wird Trumps Irrsinn auf Dauer nicht stoppen können“, sagte Dröge.

US-Autozölle „ante portas“

Es gibt verschiedene Streitigkeiten in den Handelsbeziehungen der USA mit der EU. So hat Trumps Regierung mit Strafzöllen für aus Europa eingeführte Autos gedroht, was besonders deutsche Hersteller träfe. Dieser Konflikt sollte jedoch eigentlich während laufender Verhandlungen zu einem umfassenderen Handelsabkommen bis November auf Eis gelegt sein. Im Juli hatte Trump Frankreich wegen der Einführung einer Digitalsteuer, die unter anderem amerikanische Internetkonzerne betrifft, mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht. Zudem gibt es seit Jahren Streitigkeiten wegen angeblich unzulässiger Subventionen für den europäischen Luftfahrtkonzern Airbus, der mit Boeing konkurriert.

Das Handelsvolumen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten, inklusive Dienstleistungen, betrug nach US-Angaben 2018 rund 1,3 Billionen Dollar. Für die USA sind die EU-Länder zusammengenommen der wichtigste Exportmarkt. Die EU wiederum ist laut US-Handelsbehörde der zweitgrößte Importeur von Waren und Dienstleistungen in die USA. (APA, TT.com)