Letztes Update am Fr, 11.10.2019 09:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Explosion

Ministerium: Raketenangriff auf iranischem Öltanker im Roten Meer

Laut dem iranischen Ölministerium haben zwei Raketen auf dem Tanker eingeschlagen. Die Explosion habe entgegen erster Meldungen keine großen Schäden angerichtet.

In sozialen Medien kursierten Fotos eines Öltankers, von dem eine schwarze Rauchsäule aufsteigt.

© ScreenshotIn sozialen Medien kursierten Fotos eines Öltankers, von dem eine schwarze Rauchsäule aufsteigt.



Teheran – Im Roten Meer vor Saudi-Arabien ist es nach Angaben des iranischen Ölministeriums zu einer Explosion auf einem iranischen Öltanker gekommen. Dem Ministerium zufolge wurde das Schiff am Freitag in der Früh 60 Seemeilen (rund 110 Kilometer) von der saudi-arabischen Hafenstadt Jeddah entfernt von zwei Raketen getroffen.

Es habe jedoch keine Verletzten gegeben und alle Besatzungsmitglieder seien wohlauf, so das Ministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA. Die Schäden seien gering und die Crew habe das Schiff wieder unter Kontrolle, hieß es. Die halbamtliche Agentur ISNA dagegen berichtete von schweren Schäden. Öl laufe aus.

Experten untersuchen Ursache

Experten untersuchen weiterhin die Ursache der Explosion, vermuten aber einen Terroranschlag. Zu dem angeblichen Raketenangriff gab das Ölministerium keine weiteren Details bekannt. In sozialen Medien kursierten Fotos eines Öltankers, von dem eine schwarze Rauchsäule aufsteigt.

Um welches Schiff es sich handelte, war zunächst unklar. Die nationale Tankergesellschaft NITC teilte mit, am Rumpf der „Sabiti“ habe es zwei Explosionen gegeben. Dem auf Schiffsverkehr spezialisierten Internetportal „Marine Traffic“ zufolge befand die „Sabiti“ sich zuletzt allerdings im iranischen Hafen von Bandar Abbas. Seit Mitte August hat das Schiff keinen aktuellen Standort mehr mitgeteilt und das System dafür offenbar abgestellt.

Zudem gab es Vermutungen, ob es sich um den unter iranischer Flagge fahrenden Öltanker „Sinopa“ handeln könnte. Zum Zeitpunkt der Mitteilung des Ölministeriums hatte die „Sinopa“ ebenfalls seit rund zehn Stunden keinen aktuellen Standort mehr geschickt. Davor hatte das Schiff seine Position zuletzt am 19. August übermittelt, teilte „Marine Traffic“ bei Twitter mit. Das letzte Standortsignal sei dann kurz vor der Explosion gekommen.

„Schiff ist völlig stabil“

Die Explosion seien „wahrscheinlich durch Raketenangriffe verursacht worden“, erklärte NITC. Der Betreiber dementierte Medienberichte, wonach es an Bord des Tankers brenne. „Es gibt kein Feuer an Bord des Schiffes und das Schiff ist völlig stabil.“ Es laufe aber Öl aus.

Das Rote Meer, das Saudi-Arabien von Ägypten, dem Sudan und dem Horn von Afrika trennt, ist eine wichtige Schifffahrtsroute. Im Norden mündet der Suezkanal in das Meer, das im Süden vom Bab al-Mandab begrenzt wird. Diese Meeresstraße ist wie die Straße von Hormuz ein wichtiges strategisches Nadelöhr für den internationalen Seehandel und den Öltransport aus dem Persischen Golf über das Arabische und das Rote Meer ins Mittelmeer.

Zwischen dem Iran und mehreren westlichen Staaten schwelt seit Monaten ein Streit, allen voran mit den USA, der auch auf internationalen Schifffahrtswegen ausgetragen wird. Dabei kam es zu mehreren Zwischenfällen vor allem in der Straße von Hormuz, die zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman liegt. Sie zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meeresenge verschifft. Die USA machten den Iran für diverse Attacken auf Handelsschiffe in dem Seegebiet verantwortlich. Der Iran bestreitet das vehement.

Nach den Anschlägen auf saudi-arabische Ölanlagen Mitte September sind die Beziehungen zwischen den Erzfeinden Iran und Saudi-Arabien besonders angespannt. Zu den Angriffen hatten sich die vom Iran unterstützten jemenitischen Houthi-Rebellen bekannt. Die USA, Saudi-Arabien und mehrere europäische Regierungen machten dagegen den Iran verantwortlich. Teheran weist jede Verantwortung für die Angriffe zurück. (APA/dpa/Reuters)


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