Letztes Update am So, 13.10.2019 07:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste

Ausweg aus der Krise in Ecuador: Indigenen-Vertreter suchen Dialog

Angesichts der anhaltenden Unruhen in Ecuador hat Staatschef Lenin Moreno eine Ausgangssperre für die Hauptstadt und umliegende Gegenden verhängt. Das Gebiet werde überdies unter Militärkontrolle gestellt.

Indigene Gruppierungen haben federführend die Beteiligung an den Demonstrationen übernommen.

© AFPIndigene Gruppierungen haben federführend die Beteiligung an den Demonstrationen übernommen.



Quito – Nach tagelanger Gewalt wollen Indigenen-Vertreter und Regierung in Ecuador einen Ausweg aus der Krise suchen. Für Sonntagnachmittag (22.00 Uhr MESZ) seien die ersten Gespräche zwischen beiden Seiten geplant, teilten die UNO und die katholische Kirche, die in dem Konflikt vermitteln, am Samstag mit.

Die Dachorganisation der Ureinwohner (CONAIE) hatte den von Präsident Lenin Moreno geforderten Verhandlungen am Freitag noch eine Absage erteilt. Am Samstag erklärte sie dann, sich nach Beratungen mit ihren Mitgliedern für Gespräche entschieden zu haben. Die Indigenen-Organisation steht an der Spitze der Proteste, die das Land seit elf Tagen erschüttern. Bei den Ausschreitungen wurden sieben Menschen getötet und rund 2.000 weitere verletzt.

Am Wochenende waren die Proteste in Quito und anderen großen ecaudorianischen Städten erneut eskaliert.
Am Wochenende waren die Proteste in Quito und anderen großen ecaudorianischen Städten erneut eskaliert.
- AFP

Auslandsösterreicher: Polizei geht brutal vor

Trotz Ausgangssperre sind „Zigtausende Personen“ in der Hauptstadt Quito und vielen anderen Orten auf die Straße gegangen und haben den Rücktritt von Präsident Lenin Moreno gefordert. Die Polizei gehe teilweise „sehr brutal“ gegen die Demonstranten vor, berichtete der Auslandsösterreicher Erich Preiss in der Nacht auf Sonntag (MESZ) der APA.

Preiss teilte in Sozialen Medien unter anderem ein Video, in dem zu sehen war, wie eine Gruppe aus mehreren Polizeibeamten mit Schlagstöcken und Fußtritten einen Protestierenden gewaltsam zusammenschlug. Allerdings versuche die Regierung, derartige Berichte über Facebook oder andere Kanäle zu unterbinden, schilderte der gebürtige Steirer (54), der in Ecuador das Reisebüro Horizontes Andinos betreibt und Touren durch Lateinamerika anbietet. In weiten Teilen des südamerikanischen Landes sei das Internet lahmgelegt worden. Damit soll den demonstrierenden Gruppen die Kommunikation und Sebstorganisation erschwert werden.

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Schwere Ausschreitungen in Quito

In der Hauptstadt Quito kam es dennoch zu schweren Ausschreitungen. Medienberichten zufolge soll ein Regierungsgebäude verwüstet und auch die Redaktionen der Zeitung El Mercurio und des TV-Senders Teleamazonas angegriffen worden sein. Diese gelten als Sprachrohre der Regierung von Präsident Moreno, dem vorgeworfen wird, mit einer neoliberalen Politik eine reiche Wirtschaftselite zu bedienen und soziale Reformen rückgängig zu machen, wovon besonders die ärmeren Schichten betroffen seien.

Zu den Ausschreitungen sei es offenbar auch gekommen, weil die Demonstranten – federführend sind Indigenen-Organisationen – berichteten, von der Polizei in eine Falle gelockt worden zu sein. So habe es am Samstag in der Früh geheißen, Moreno sei zu Gesprächen bereit. Als die Gruppen dann zum Präsidentenpalast gezogen waren, wurden sie dort von der Polizei attackiert, erzählte der seit 28 Jahren in Ecuador lebende Steirer. Er berief sich dabei auf Berichte von Demonstrierenden, die freilich auch „schwer überprüfbar“ seien, wie Preiss einräumte.

Demonstranten und Polizei gehen gewaltsam gegeneinander vor.
Demonstranten und Polizei gehen gewaltsam gegeneinander vor.
- AFP

Landesweiter Ausnahmezustand seit zehn Tagen

Moreno hatte bereits am 3. Oktober einen landesweiten Ausnahmezustand verhängt. Im Umkreis von Regierungsgebäuden in der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt Quito hatte er zudem bereits eine Ausgangssperre verhängt. Der Regierungssitz wurde in die zweitgrößte Stadt des Landes, Guayaquil, verlegt.

Die Unruhen in dem südamerikanischen Land hatten sich an stark gestiegenen Treibstoffpreisen entzündet. Die Demonstranten geben Moreno die Schuld für den Anstieg der Treibstoffpreise, da er im März ein Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgeschlossen hatte. Ecuador sicherte sich damit milliardenschwere IWF-Kredite. Im Gegenzug wurde Morenos Regierung zur Auflage gemacht, die staatlichen Subventionen für Kraftstoff abzuschaffen. (APA/dpa/AFP)

Demonstranten tragen den Sarg eines Mannes, der bei den Protesten getötet wurde.
Demonstranten tragen den Sarg eines Mannes, der bei den Protesten getötet wurde.
- AFP