Letztes Update am Di, 29.10.2019 17:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien

Türkei will Abzug der Kurdenmiliz YPG durch Patrouillen überprüfen

Die bewaffnete Kurdenmiliz YPG ist nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu aus Nordsyrien vorzeitig abgezogen.

Die Türkei unterstützende syrische Soldaten in Ras al-Ain.

© AFPDie Türkei unterstützende syrische Soldaten in Ras al-Ain.



Tall Abyad – Die Türkei will den durch Moskau verkündeten Abzug der Kurdenmiliz YPG aus Nordsyrien durch Kontrollen mit Russland überprüfen. „Wir werden durch gemeinsame Patrouillen feststellen, ob sich die Terroristen tatsächlich zurückgezogen haben oder nicht“, teilte der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, am Dienstag auf Twitter mit.

Russland: YPG vorzeitig aus Nordsyrien abgezogen

Der russische Verteidigungsministers Sergej Schoigu hatte zuvor erklärt, die YPG sei vorzeitig abgezogen. Syrische Grenztruppen und die russische Militärpolizei hätten die Kontrolle übernommen. Eine mit Russland vereinbarte Waffenruhe und eine Frist zum Abzug der YPG endete offiziell am Dienstag um 18.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr MEZ).

Das türkische Militär war mit verbündeten Rebellen am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert und hatte eine Offensive gegen die YPG begonnen, die sie als Terrororganisation betrachtet.

Russland als Schutzmacht des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und die Türkei hatten sich dann vergangene Woche darauf verständigt, nordsyrische Grenzgebiete zur Türkei gemeinsam zu kontrollieren. Sie gaben der YPG zudem eine Frist von 150 Stunden, um sich zurückzuziehen. Während dieser Zeit galt eine Feuerpause. Nach dem Ablauf der Frist waren Patrouillen mit Moskau vereinbart.

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Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Montag gedroht, sollte die YPG sich nicht aus einem Grenzstreifen von 444 Kilometern Länge und 30 Kilometern Breite zurückziehen, „also vom Fluss Euphrat bis zur irakischen Grenze“, dann werde die Türkei das Gebiet dort selbst von „Terroristen säubern“. (APA/dpa)

Welternährungsprogramm: Humanitäre Lage in Syrien verheerend

In Nordostsyrien sind Hunderttausende Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Von den 180.000 Menschen, die nach dem türkischen Einmarsch am 9. Oktober vertrieben worden waren, seien 106.000 weiter auf der Flucht, berichtete das UN-Welternährungsprogramm (WFP) am Dienstag in Genf. Die Hilfsorganisation habe seitdem in der Region mehr als 300.000 Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt.

"Die humanitäre Situation ist verheerend", sagte WFP-Sprecher Hervé Verhoosel in Genf. "Viele Menschen mussten fliehen und ihr ganzes Hab und Gut zurücklassen. Sie sagen, sie brauchen vor allem Nahrung, Medikamente, Garderobe und andere nötige Dinge des täglichen Bedarfs."

In Genf beginnen nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg am Mittwoch die ersten direkten Verhandlungen zwischen Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft über eine neue Verfassung.

Das WFP hat nach eigenen Angaben im Nordosten schon vor der jüngsten Krise mehr als eine halbe Million Menschen mit Essen versorgt. Im Nordwesten des Landes würden jeden Monat fast 600.000 Menschen versorgt.

Das WFP verteilt unter anderem Pakete im Wert von 50 Dollar (45 Euro) mit Trockennahrung wie Linsen, Reis, Öl, Kichererbsen, Zucker, Salz und Mehl, mit dem sich eine fünfköpfige Familie einen Monat ernähren kann. Um die Versorgung im ganzen Land aufrecht zu erhalten, fehlen dem WFP bis März 2020 noch rund 241 Millionen Dollar an Spenden (217 Millionen Euro). Die Nahrungsmittelproduktion im Land selbst habe sich zwar in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Sie mache aber nur 60 Prozent des Niveaus vor Beginn des Konflikts aus.