Letztes Update am Fr, 30.05.2014 11:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine-Krise

Russische Propaganda: Fernsehen zeigt falsche Wahlergebnisse

Der wichtigste russische Sender zeigte einen rechten Politiker bei den Wahlen mit 37 Prozent in Führung, obwohl alle drei rechten Kandidaten gemeinsam nur drei Prozent der Stimmen erhielten.

© ReutersKremlchef Putin reist zum ersten Mal seit dem umstrittenen Anschluss der Halbinsel Krim in den Westen.



Kiew – Während die Ukrainer am Wahlsonntag die Kandidaten Oleh Tjahnybok, Chef der rechtsextremen Partei Swoboda, und Dmytro Jarosch, Anführer des Rechten Sektors, mit zusammen (!) unter drei Prozent der Stimmen fallen ließen, bekamen die Russen ein anderes Bild zu sehen.

Der Erste Kanal, der wichtigste russische Fernsehsender, den die Mehrheit der Russen empfängt, zeigte unter Berufung auf eine gefälschte Webseite der ukrainischen Zentralen Wahlkommission, dass Jarosch bei der Präsidentschaftswahl mit 37 Prozent der Stimmen führte, berichtet der Journalist und Dolmetscher aus Lwiw (Lemberg) Juri Durkot im Gespräch mit der APA.

Das russische Fernsehen blendete eine Grafik ein, nach welcher der rechtsextreme Politiker Dmytro Jarosch bei der Präsidentschaftswahl in Führung lag.
- Youtube Screenshot

Russen: Revolution „faschistisch“

Die Russen versuchten die Revolution vom Unabhängigkeitsplatz Maidan seit Anbeginn mit Propaganda einer „faschistischen Junta in Kiew“ und „Banderowzy“ (Anhänger des 1959 vom KGB ermordeten ukrainischen Nationalistenführers Stepan Bandera) zu diskreditieren. Der im Februar gestürzte Präsident Viktor Janukowitsch flüchtete ins russische Exil. Durkot spricht von einer „Spirale des nationalen Wahns, die schwer zu stoppen“ sei.

Der Beitrag im Ersten Kanal habe sich auf die Website der ukrainischen Zentralen Wahlkommission berufen, die wohl manipuliert worden sei, da es diesen Prozentsatz für Jarosch nie gegeben habe. Während der Präsidentschaftswahl am Sonntag waren auf die Online-Seite der Zentralen Wahlkommission der Ukraine (CEC) mehrere Hackerangriffe verübt worden, eine Gruppe von mehr als drei Personen sei festgenommen, hatte der ukrainische Inlandsgeheimdienstes SBU schon am Sonntag wissen lassen.

„Jeden Tag“ wird dem Journalisten Durkot zufolge die russische Propaganda verbreitet. Vor zwei Wochen sei auf einer russischen Website berichtet worden, dass ein Mann in der Ukraine geköpft worden sei und mit seinem Kopf vor einem jubelnden Mob Fußball gespielt wurde.

Subtiler Informationskrieg

„Manchmal ist der Informationskrieg aber nicht so plump“, so der Übersetzer weiter. So gebe es Propaganda, die speziell an die Krim, den Osten oder Westen gerichtet sei. Angeblich sei sogar schon ein Programm erfunden, das manipulierte Leserbriefe schreiben könne.

Abgeordnete des EU-Parlaments würden mit Videos und Textnachrichten angeblicher rechtsextremer Inhalte „bombardiert“, berichtet Durkot. Manches Material sei nachgestellt, anderes zehn Jahre oder älter. Die Quellen seien dabei fragwürdig. So habe es auch ein Bild des ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk in einer Naziuniform gegeben.

Wenige Tage vor der Wahl hatte die russische Botschaft in Wien ein Mail an Journalisten verschickt, in dem sich ein Link auf ein vermeintliches Gräuelvideo des „Rechten Sektors“ befand. Funktionäre der Partei hätten, so schrieb ein hochrangiger Botschaftsvertreter, einen Antifaschisten erhängt. Der angebliche Betreiber der Webseite, eine Organisation namens „Ukrainisches Komitee für Menschenrechte“, ist unbekannt. Kontakttelefonnummern oder einer E-Mail-Adresse fehlten. (APA)




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