Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.10.2015


Exklusiv

Das nächste Kraftwerk ist ruhend gestellt

An der oberen Isel haben Virgen und Prägraten ihre Kraftwerkspläne ausge-setzt. Keine Einigung gibt es für das geplante Natura-2000-Gebiet in Ischgl.

© FunderDie Isel wird zum politischen Symbol. Dass sie unter Natura-2000-Schutz gestellt wird, lässt die Wogen hochgehen.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Lienz – Gegen die Nominierung der oberen Isel im Virgental als Natura-2000-Gebiet regt sich nach wie vor heftiger Widerstand in den Gemeinden Virgen und Prägraten. Zwischenzeitlich hat die Landesregierung die potenziellen Schutzgebiete aber nach Brüssel gemeldet, im nächsten Jahr dürfte die Europäischen Union die Ausweisung bestätigen. Unabhängig davon hat das Land bereits mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, dass die zwei Gemeinden ihr geplantes Kraftwerk Obere Isel nicht weiterverfolgen sollten. Schließlich fiel auch die Bewertung nach dem Kriterienkatalog Wasserkraft negativ aus. Mit je 50.000 Euro haben sich Virgen und Prägraten an der Kraftwerksgesellschaft Obere Isel (WKOI) beteiligt.

Die Gemeinden und allen voran die Bürgermeister Anton Steiner (Prägraten) und Dietmar Ruggenthaler (Virgen), die auch Geschäftsführer der Kraftwerksgesellschaft sind, ließen sich bisher nicht von ihrem Vorhaben abbringen und haben es konsequent weiterbetrieben. Vor wenigen Tagen erfolgte allerdings ein Meinungsumschwung. Wie es in einem Schreiben an die Gemeinderäte heißt, hätten weitere Gespräche mit der Behörde gezeigt, „dass nicht mit – für solche Untersuchungen ausreichender – Sicherheit festgestellt werden kann, wie sich die rechtlichen Rahmenbedingungen nach Ausweisung der Gebiete gestalten werden“.

Um nicht Gefahr zu laufen, „unnötig die Projektaufwände zu erhöhen und gegebenenfalls unbrauchbare Untersuchungsergebnisse zu erzielen“, hat die Geschäftsführung der WKOI die Behörde ersucht, das Verfahren ruhend zu stellen. „Sobald Klarheit über die nötigen Rahmenbedingungen herrscht, kann das Verfahren ohne Weiteres mittels eines entsprechenden Antrages wieder fortgesetzt werden“, teilen die Geschäftsführer mit. Dritter Partner ist die Projektgesellschaft Infra. Dass das Verfahren nach der Entscheidung der EU wieder aufgenommen wird, ist jedoch unwahrscheinlich.

Mit dem jetzigen Schritt dürfte eine gewisse Entspannung in der Natura-2000-Diskussion in Osttirol eintreten. Offenbar hat es auch politische Gespräche mit der Landesspitze über mögliche alternative Entwicklungsprogramme für die Region bzw. Beteiligungen an anderen Kraftwerken gegeben.

Kaum realisierbar ist jedoch aus heutiger Sicht ein Natura-2000-Gesamtpaket aus Tirol mit dem Vesil- und Fimbatal in Ischgl. In der Vorwoche gab es Gespräche von LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) mit dem Ischgler Bürgermeister, Vertretern der Bergbahnen und den betroffenen Grund­eigentümern. Die Fronten sind weiter verhärtet, eine Einigung zeichnet sich nicht ab.

Gelassen reagiert indessen im Stubaital der Neustifter Bürgermeister Peter Schönherr auf die Kritik von Tiwag-Vorstand Bruno Wallnöfer. Er bezeichnete Neustift als schlimmste Kraftwerksgegnerin. „Es ist legitim, dass wir im Verfahren Fragen stellen, Neustift hat schon einen großen Beitrag für Sellrain/Silz geleistet“, sagt Schönherr. ­Außerdem habe die ­Tiwag sich nie wirklich um einen Dialog mit der Gemeinde und der Bevölkerung bemüht. „Wir wurden vom Vorhaben informiert – mehr nicht.“