Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.10.2015


Exklusiv

Tiwag sieht kein Geschäft bei Wind- und Solarenergie

Für eine erfolgreiche Energiewende brauche es auch den Ausbau von Wind- und Solarenergie, meint Schwarz-Grün. Die Tiwag meint das nicht.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Scharfer Wind bläst den Regierungsparteien ÖVP und Grüne aus der landeseigenen Tiwag entgegen. Der Landesenergieversorger teilt in einer Stellungnahme mit, was er von Wind- und Solarenergie als neue Geschäftsfelder hält: Nichts, oder wenn man es optimistischer sehen will, muss der Eigentümer noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

„Die Tiwag sieht keine Möglichkeit, von ihrer Strategie abzugehen und sub­stanzielle Photovoltaik- und Windkraftaktivitäten in Form neu einzurichtender Kompetenzfelder zu verfolgen“, lautet die Schlussfolgerung von Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer. Wallnöfer ist noch bis Ende des Jahres Vorstandsvorsitzender, die Strategie, die der Aufsichtsrat abgesegnet hat, gilt bis 2018. Das ist alles andere als Wasser auf die Mühlen der Energiewende.

Vor allem die Grünen waren im Mai stolz als sie, die zusammen mit der ÖVP einen Antrag im Landtag eingebracht hatten. Der Landeshauptmann sollte demnach dem landeseigenen Unternehmen auftragen, zu prüfen, was die Geschäftsfelder Tisolar und Tiwind zur Energiewende beitragen könnten. Bis 2050 will es die Landesregierung schaffen, Tirol energieautonom zu machen. Dazu brauche es einen ökologisch verträglichen Ausbau der Wasserkraft. „Zur erfolgreichen Energiewende ist aber auch der Ausbau anderer erneuerbarer Energieträger notwendig. Dazu gehört vor allem auch die Nutzung der Wind- und Sonnenenergie“, hieß es in dem Antrag.

„Für die Photovoltaik gilt, dass ein Engagement in Tirol ohne hohe Ökostrom-Förderbeiträge von vornherein mit strukturellen Verlusten verbunden wäre, wobei das Fördervolumen gering ist“, hält Tiwag-Chef Wallnöfer entgegen. Für Windkraft gelte in etwa dasselbe. Noch dazu käme, dass nur wenige attraktive Windkraftstandorte zur Verfügung stehen würden. Das gehe aus dem „Kriterienkatalog Windkraft“ hervor. Ebender ist noch nicht veröffentlicht. Der Startschuss dafür fiel 2012 unter dem damaligen Umweltlandesrat Hannes Gschwentner (SPÖ).

„Es ist schwer vorstellbar, dass substanzielle Aktivitäten in die Stromerzeugung aus Photovoltaik und Windkraft für die Tiwag betriebswirtschaftlich erfolgreich sein würden“, lässt Wallnöfer ausrichten. Es sei auch noch unklar, ob das übrige Österreich oder das Ausland auf die „neuen Kompetenzfelder“ setzen würde. Die Finanzierungs- und Investitionsfähigkeit der Tiwag seien keineswegs unbegrenzt und würden in die Realisierung der großen Wasserkraftprojekte fließen. Im Mai freute sich neben den Grünen auch die Tiwag, nämlich über ein „höchst erfolgreiches Geschäftsjahr 2014“, wie Aufsichtsratschef Ferdinand Eberle meinte. Die Umsatzerlöse lagen bei 968,7 Millionen Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag bei 108,2 Millionen Euro.

In der Stellungnahme Wallnöfers sieht die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, „einen Schlag mitten in das Gesicht der Regierungsparteien ÖVP und Grüne“. Im Landesunternehmen regiere eine Handvoll Leute. „In der Tiwag schaffen Wallnöfer und Eberle an, die Regierungsparteien kuschen und der Landtag hat null Einfluss.“ Haselwanter-Schneiders Befund: „Der Schwanz wedelt mit dem Hund.“