Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.12.2015


Tirol

Bei Kraftwerken kracht es in Tirol gewaltig

Unter Strom ist derzeit die Tiroler Energiepolitik. Der Kraftwerksausbau und der Wasserrahmenplan sorgen für Debatten.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen könnten im schlimmsten Fall Kraftwerke und Leitungsnetze lahmgelegt werden.

© BöhmNach Angaben aus Sicherheitskreisen könnten im schlimmsten Fall Kraftwerke und Leitungsnetze lahmgelegt werden.



Innsbruck – Nach außen gibt sich die schwarz-grüne Landesregierung gelassen, wenn es um den Ausbau der Wasserkraft geht. Im Hintergrund gibt es allerdings heftige Debatten. Auf mehreren Ebenen ist das Koalitionsklima in der Wasserkraftfrage getrübt. Zum einen geht es um den Rahmenplan Wasserkraft, dann um die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die Erweiterung des Kraftwerks Sellrain/Silz, und letztlich um die geplanten Tabustrecken bzw. die freie Fließstrecke am Inn zwischen Haiming und Kirchbichl. Zuletzt soll es dazu eine koalitionsinterne Runde gegeben haben.

Bei Sellrain/Silz würde die ÖVP das ergänzende Ermittlungsverfahren nach Vorliegen aller Stellungnahmen gerne schließen, damit bis Februar ein UVP-Bescheid ausgefolgt werden kann. Im Stubaital regt sich jedoch Widerstand, die Amtsgutachten über die Auswirkungen der Wasser­überleitungen ins Kühtai werden bezweifelt. Dort wird auf eine Ausweitung des Untersuchungsraums auf die Sill gedrängt. Auch die Grünen sympathisieren damit, das würde allerdings das Verfahren um mindestens ein Jahr verzögern. Nachdem das UVP-Verfahren für den Ausbau des Kaunertalkraftwerks wegen des Streits um das Ötztaler Wasser derzeit ruhend gestellt ist, setzt die ÖVP in ihrer Energiestrategie aktuell voll auf Sellrain/Silz.

Dass Umweltschutzorganisationen wie der WWF den Wasserrahmenplan für die Kraftwerksvorhaben des Landesenergieversorgers Tiwag im Oberland beim Verfassungsgerichtshof angefochten haben, sorgt ebenfalls für Irritationen. Der von Umwelt­minister Andrä Rupprechter (VP) verordnete Rahmenplan soll das öffentliche Interesse an den Kraftwerken dokumentieren. Rupprechter ist überzeugt, dass die Verordnung der Prüfung durch die Höchstrichter standhalten wird. „Das sehe ich sehr gelassen. Wer sich kalt­e Füße holen will, der soll sie sich holen“, sagt er an die Adresse des WWF.

Am Rahmenplan hängen allerdings die geplanten 450 Kilo­meter an Tabustrecken. U. a. soll der Inn zwischen Haiming und Kirchbichl eine freie Fließstrecke werden. Wird der Rahmenplan aufgehoben, wird es auch mit den Tabu­strecken nichts, heißt es ganz klar. Die Grünen sind hier in der Zwickmühle: Den Wasserrahmenplan haben sie geschluckt, die Tabustrecken verbuchen sie jedoch auch als ihren Erfolg. Wenngleich es derzeit vor allem im Bereich Schwaz/Rotholz Diskussionen gibt.

Mit einem 27 Kilometer langen Stollen will bekanntlich der Verbund Hydro Powe­r sein Mayrhofner Kraftwerk mit dem Inn verbinden, um mit einem Schwallausgleich der Wasserrahmenrichtlinie zu entsprechen. Ob dieses Vorhaben mit der freien Fließstrecke Inn vereinbar ist, wird noch geprüft. Energiereferent LHStv. Josef Geisler (VP) ist allerdings optimistisch: „Das dürfte kein Problem sein.“ Die Tabustrecken seien jedoch mit dem Wasserrahmenplan verknüpft, fügt er hinzu. (pn)