Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.01.2016


Osttirol

Lienz: Asylwerber-Frage trennt die Bürgermeisterkandidaten

Zu manchem herrscht Einigkeit, über die Aufnahmekapazität für Flüchtlinge gehen die Meinungen der Bewerber um den Lienzer Bürgermeistersessel aber auseinander.

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Von Claudia Funder

Lienz – Rund 185 Asylwerber finden aktuell in Lienz ein Zuhause auf Zeit. Es waren zwischenzeitlich schon über 200. Fakt ist aber, dass sich die Zahl im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hat.

Vizebürgermeister Meinhard Pargger (Wir Lienzer) lobt die gute Arbeit des Betreuungsteams, sieht diese aber aufgrund der steigenden Zahlen in Gefahr. Er initiierte einen Sicherheitsdialog – die TT berichtete. „Integration ist nur bis zu einer bestimmten Größenordnung möglich und diese ist in Lienz erreicht“, erteilt Pargger einer grenzenlosen Willkommenskultur eine klare Absage. Für eine positive Integration sei es unerlässlich, von den Asylwerbern die Akzeptanz unserer gesellschaftlichen Werte und die strikte Einhaltung der Rechtsordnung einzufordern. „Wer das nicht akzeptiert, hat bei uns keinen Platz“, stellt Pargger unmissverständlich klar.

In puncto Aufnahme­kapazität sieht auch Josef Blasisker (FP) den Plafond erreicht. „Die aktuelle Anzahl ist noch zu handhaben, aber mehr nicht. Ich bin gegen ein­e zusätzliche Aufnahme von Asylwerbern. Ihre Präsenz ist da, man sieht sie überall in der Stadt.“ Er beobachte das ehemalige Konvikt, das die BIG dem Bund als mögliche Unterkunft angeboten hat, ganz genau, sagt Blasisker: „Dagege­n haben wir uns zu wehren. Das ist denkunmöglich und das wollen auch die Leute nicht.“

BM Elisabeth Blanik (SP) erklärt: „Wir erfüllen die Quot­e und es ist unser Aufgabe, diese auch zu halten. Es gibt in Lienz eine gute Kultur im Umgang mit Asylwerbern und es funktioniert, bleibt aber eine Herausforderung. Die Polizei ist einmal pro Woche präventiv vor Ort, um Präsenz zu zeigen.“ Bei 185 Leuten könne man aber nicht garantieren, dass es nie Probleme gibt. Blanik: „Trotzdem ist es wichtig, sich nicht in Emotionen hetzen zu lassen.“

Uwe Ladstädter (Liste Stadt Lienz) gefällt die Trennlinie zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen nicht: „Die ganze Welt besteht aus Wirtschaftsflüchtlingen, sie haben auch in Österreich zur Befruchtung beigetragen“, erklärt er und stellt klar, dass dies seine private Meinung sei. „Man kann es jemandem nicht verübeln, nach einer sicheren Existenz zu suchen.“ Lienz habe noch Kapazitäten, glaubt Ladstädter: „Die Stadt ist nicht betroffen von den ganz starken Zuzügen. Solang­e es uns so gut geht, ist auf jeden Fall noch Platz.“

Am kommenden Dienstag, 26. Jänner, findet ein TT-Forum mit allen Lienzer Bürgermeisterkandidaten im Kolpingsaal statt. Start der mit Spannung erwarteten Veranstaltung ist um 19.30 Uhr. Moderation: TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern.