Letztes Update am Sa, 02.04.2016 21:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge

Hitzige Debatten bei Demo gegen Traglufthalle in Innsbruck-Arzl

Gleich zwei Demos in Sachen Flüchtlinge gab es am Samstag in Innsbruck: in Arzl gegen die Traglufthalle, vor der Annasäule gegen geschlossene Grenzen.

Kundgebung der Interessensgemeinschaft Arzl.

© zeitungsfoto.atKundgebung der Interessensgemeinschaft Arzl.



Von Michael Mader

Innsbruck – Gegensätzlicher hätten die beiden Demonstrationen in der Landeshauptstadt nicht sein können. Während die Interessengemeinschaft (IG) Arzl gegen den geplanten Einzug von 240 Flüchtlingen in die Traglufthalle protestierte, wurden nur wenige Stunden später vor der Annasäule Flüchtlinge unter anderem von der Plattform Bleiberecht und der Kommunistischen Jugend Österreichs ausdrücklich willkommen geheißen sowie gegen die geplanten Grenzkontrollen am Brenner demonstriert.

Heiß her ging es jedenfalls schon am Vormittag, als sich vor der Traglufthalle in Arzl der Innsbrucker Grünen-Gemeinderat Mesut Onay mit einem „Flüchtlinge-willkommen-Schild“ den Kundgebungsteilnehmern entgegenstellte. Ein Schupfer hier, ein Rempler da, und von der Bühne wurde Onay schließlich heruntergepfiffen. Lieber hätte IG-Arzl-Sprecherin Daniela Härting die zuständige Landesrätin Christine Baur (Grüne) zu Wort kommen lassen, doch diese ließ sich laut Härting entschuldigen, weil sie zeitgleich im Haus der Begegnung sei, wo unter anderem darüber diskutiert werde, wie man mit Asylwerbern in der Zahnpflege umgehe. „Die Zähne von Asylwerbern sind also wichtiger als unsere Anliegen“, ätzte Härting und erntete tosenden Applaus von ein paar hundert Anwesenden.

„Wir trauen uns nicht mehr auf die Straße, bewaffnen uns mit Pfefferspray und Elektroschockern und müssen Selbstverteidigungskurse belegen. Wer kümmert sich denn um uns?“, fragt sich Härting.

„Wir haben Sorge um unsere Familien“, bekräftigte auch ihr Kollege Wolfgang Schöpf. Flüchtlingen müsse und solle geholfen werden, aber nicht so.

Die IG Arzl befürchtet nach wie vor, dass zu ihnen die männlichen Asylwerber vom Paschbergweg kommen könnten. 240 Asylwerber seien zu viel, maximal 70 könne man sich vorstellen, bei einer Polizeiüberwachung rund um die Uhr.

Schöpf frage sich, wo das Machtwort aus dem Landhaus bleibe: „Wo ist die Solidarität der 150 Gemeinden, die keine Flüchtlinge aufgenommen haben?“

Unterstützung hat die IG Arzl, die sich als überparteilich bezeichnet, von der FPÖ/Liste Federspiel und von der Liste Fritz bekommen. Sowohl Rudi Federspiel als auch Fritz Dinkhauser und der Innsbrucker Stadtrat Franz Xaver Gruber traten mehr oder weniger erfolgreich als Redner auf. Federspiel und Dinkhauser wurden beklatscht, bei Gruber gab es Buh-Rufe.

„Sollte die Demo nichts bewirken, war das mit Sicherheit nicht das letzte Treffen. Das sollte nicht als Drohung verstanden werden, sondern als Versprechen“, hieß es bei der Kundgebung in Arzl.

„Refugees welcome, Flüchtlinge willkommen“ war hingegen eine der zentralen Botschaften bei der Demonstration am Nachmittag bei der Annasäule. „Wir kämpfen gegen Rassismus und unfaire Asylpolitik“, ließ ein Sprecher wissen.

Rassismus vertreiben, Flüchtlinge bleiben, propagierte die Kommunistische Jugend Österreichs. „Die Schließung der Grenze am Brenner bedeutet Stahlschranken, Stacheldraht auf den Wegen, Kontrollen, Militärpatrouillen und Container für Flüchtlinge“, stand auf einem Zettel, der an Passanten verteilt wurde, ehe sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte und über die Museumstraße zum Bahnhof und wieder zurück zog.