Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.05.2016


Landeck

Diözese bereitet sozialen Wohnbau in Zams vor

Derzeit sind 50 „Fünf-Euro-Wohnungen“ in der Unterengere geplant. Die Gemeinde Zams will das Projekt genau prüfen, Anrainer sind alarmiert.

Auf diesem rund 4000 Quadratmeter großen Grund (rot) will die Diözese mitten im Wohngebiet einen Komplex mit 5-Euro-Wohnungen errichten. Anrainer protestieren.

© ZangerlAuf diesem rund 4000 Quadratmeter großen Grund (rot) will die Diözese mitten im Wohngebiet einen Komplex mit 5-Euro-Wohnungen errichten. Anrainer protestieren.



Zams – Die Diözese bereitet derzeit ein großes Bauprojekt für Zams vor – und das sorgt momentan in Zams auch für Irritationen. Auf einem 4000 Quadratmeter großen Baugrund in bester Lage, umgeben von Einfamilienhäusern im Ortsteil Unterengere nahe der Venet-Bahn, sollen Fünf-Euro-Wohnungen (fünf Euro Mietzins pro Quadratmeter) für sozialen Wohnbau mit rund 50 Wohneinheiten errichtet werden. Derzeit leben dort 33 Anrainerfamilien, die Zahl würde sich auf einen Schlag fast verdoppeln.

Die Gemeinde sieht das Projekt mit Skepsis, die Anrainer ebenfalls. Projektbetreiber Diözese und Planer sind für Informationen nicht erreichbar und die örtliche Pfarre hat als lokaler Grundeigentümer nichts zu sagen. „Ich will nichts mehr dazu sagen, ich habe damit nichts mehr zu tun, es wurde von Innsbruck so geregelt“, sagte Pfarrer Herbert Traxl kryptisch zur TT. Auch Bürgermeister Siggi Geiger ist verwundert: „Vergangenes Jahr wurde uns ein Projekt vorgelegt, das so nie die Zustimmung der Gemeinde bekommen hätte, weil es nicht verträglich gewesen wäre. Darauf wurde es wieder zurückgezogen und das nun scheinbar überarbeitete Projekt durch die Wohnungseigentum WE wird am 17. Mai dem Bauausschuss präsentiert.“

Sehr wohl wurde dieses Projekt aber nach Recherchen von Anrainern und der TT dem örtlichen Pfarrkirchenrat und Obmann Otmar Stark vergangene Woche vorgestellt. „DI Andreas Falch (mit der Verwertung der Grundstücke der Diözese in Tirol und Vorarlberg beauftragt, Anm.) hat gemeinsam mit dem Planer das Vorhaben gezeigt, aber ich darf nichts sagen.“ Falch war für die TT trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar, ebenso der in der Sache zuständige Finanzkammerdirektor der Diözese.

Für die Gemeinde ist klar, „dass nur ein Projekt umgesetzt werden kann, das auch den Vorgaben des örtlichen Raumordnungskonzeptes entspricht. Und da wird sich die Gemeinde nach Einreichung der Unterlagen genauestens ansehen, ob das Vorhaben auch für die Anrainer verträglich ist. Und diese werden dann prompt von der Gemeinde informiert. Die Auswirkungen des Vorhabens geben auf jeden Fall zu denken. Ortsbild, Wohnqualität, zusätzlicher Verkehr, Infrastruktur, Kindergarten und Schulen – all das würde betroffen sein, wenn auf einen Schlag rund 50 neue Familien in die so genannten Fünf-Euro-Wohnungen einziehen würden“, sagt Bürgermeister Geiger.

Die Gemeinde hat für den besagten Bereich im Ortsteil Unterengere stets eine klare Vorgabe in Sachen Wohnbau für Einfamilienhäuser im Auge gehabt. „Besagtes Vorhaben, das mittels 25- bis 30-jährigem Baurecht ausgestattet sein soll, passt daher meiner Ansicht nach nicht in dieses Wohngebiet mit hochpreisigem Baugrund. Vielmehr sollte sich die Diözese überlegen, ob sie nicht in anderen Orten der Inntalfurche – so ihr Ansinnen – weniger wertvolle und sensible Grundstücke für sozialen Wohnbau bereitstellen könnte“, sagt Andreas Grüner, Obmann des Flächenwidmungsausschusses in der Gemeinde Zams im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. (za)