Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.06.2016


Osttirol

Streit um Natura-Gelder und Standortagentur Lienz

Die Natura-Förderung wird de facto gekürzt, die Standortagentur-Filiale Lienz soll mit einer Privatgesellschaft verschmelzen. Es hagelt Proteste.

Damals war alles noch eitel Wonne: Leiterin Manuela Gritzer und Harald Gohm bei der Eröffnung der Standortagentur-Filiale Lienz 2011.

© OblasserDamals war alles noch eitel Wonne: Leiterin Manuela Gritzer und Harald Gohm bei der Eröffnung der Standortagentur-Filiale Lienz 2011.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Obwohl die Natura-2000-Ausweisung an zehn Osttiroler Iselgemeinden formell noch nicht in trockenen Tüchern ist, gibt es schon wieder grobe Unstimmigkeiten zwischen dem Land und dem Bezirk. Grund ist das liebe Geld. Konkret geht es um die 10 Millionen Euro Sonderförderung, die das Land den zehn von Natura betroffenen Gemeinden für die nächsten zehn Jahre zugesagt hat. Die Millionen sollen in Projekte fließen, die Natura-kompatibel sind und Osttirols Wirtschaft vorantreiben.

Für die Verwaltung dieses Sonderförderprogramms wird nämlich über das Regionsmanagement Osttirol (RMO) ein eigener Manager bzw. eine Managerin angestellt, informiert RMO-Obmann Dietmar Ruggenthaler. Er ist zugleich Bürgermeister der Gemeinde Virgen, die ebenfalls in der künftigen Natura-Zone liegt. 30 Personen haben sich beworben, fünf kamen in die engere Auswahl. Im Juli soll der oder die Neue beginnen.

Damit ist indirekt der Zwist zwischen Land und den Iseltaler Bürgermeistern verbunden. Die Entlohnung dieser neuen Kraft soll nämlich unter dem Titel „Verwaltungskosten“ von den ursprünglich zugesagten 10 Millionen Euro Fördersumme abgezogen werden, schildert Ruggenthaler. Die Rede ist von 700.000 Euro, wenn man anderen Verwaltungsaufwand dazuzählt. Um diese Summe würden die Natura-Fördergelder de facto also gekürzt.

Damit nicht genug: „Außerdem sollen die zehn Natura-Gemeinden Eigenmittel dafür aufbringen, einen gewissen Prozentsatz dieser 700.000 Euro plus Sachleistungen“, führt der RMO-Obmann weiter aus. Das will Ruggenthaler nicht so stehen lassen. „Ich werde das mit meinen Bürgermeisterkollegen besprechen und dann beim Land unsere Meinung kundtun“, kündigt er an.

Für Wirbel sorgt auch die Gesellschaft „Innos GmbH“, die sich zurzeit in Gründung befindet. Sie basiert auf der Initiative „Vordenken für Osttirol“. Das Stammkapital von 100.000 Euro liefern das Land Tirol, Osttiroler Unternehmen, die Osttiroler Invest GmbH und die Wirtschaftskammer. Ziel ist es, Osttirol zu einer innovativen grenzüberschreitenden Cluster-Region in den Sektoren Mechatronik, Holz und gesundheitsfördernde Lebensmittel zu machen. Ansprechpartner ist die Wirtschaftskammer Lienz.

Das Land Tirol, das zu 35 Prozent an der Innos beteiligt ist, hofft, dass die Innos wichtige Impulse setzen wird, um zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen und Unternehmensgründungen voranzutreiben. „Der Bezirk Lienz hat eine überalternde Bevölkerung, weil die Leute weggehen und erst in der Pension nach Osttirol zurückkehren. Mit dem Mechatronikstudium und der Innos könnte man erreichen, dass mehr junge Menschen in der Region bleiben“, sagt Bernhard Müllegger, Pressesprecher von Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Zurzeit sucht die Innos einen Innovationsmanager.

Vorgesehen ist auch, dass das Lienzer Büro der Standort­agentur, die einzige Bezirksstelle der Tiroler Agentur, aufgelassen wird, bzw. heißt es im Regierungsbeschluss für die Innos dazu: „Die Standort­agentur hat gemeinsam mit der Innos GmbH ein Konzept zur Verknüpfung [...] beider Organisationen vorgelegt.“ Das kritisiert der Matreier Bürgermeister und VP-Bundesrat Andreas Köll: „Hoheitliche Aufgaben des Landes werden damit privatisiert. Das Land soll sich in Osttirol nicht aus der politischen Verantwortung zurückziehen.“