Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.06.2016


Tirol

Diskussion um Müllpreise bleibt weiter aufgeheizt

Innsbruck, Innsbruck-Land und Schwaz zahlen doppelt so viel für die Müllentsorgung wie Reutte. Die Landesregierung mischt sich nicht ein.

© thomas boehmDer weltweite Müllberg wächst drastisch.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Je nachdem in welchem Bezirk man sitzt, zahlt die Gemeinde für die Müllentsorgung 95 Euro oder 193 Euro an den Abfallverband. Der wiederum entsorgt den Müll im Müllofen oder lässt Teile davon verwerten. Eine einheitliche Mülllösung haben Tiroler Landesregierungen nicht zustande gebracht, heute fühlt man sich nicht mehr zuständig. Umweltlandesrätin Ingrid Felipe (Grüne) verweist auf die Gemeindeautonomie. Der Müll gehört tatsächlich den Gemeinden und die müssen bestimmte Abfallverbände beliefern. Ob des unterschiedlichen Preisniveaus in Tirol regt sich jetzt Widerstand bei den Bürgermeistern in den drei teuren Bezirken. Der Kemater Bürgermeister, Rudolf Häusler, sucht Verbündete. Er will günstigere Preise für seine Bürger erwirken. Ziel von Häuslers Kritik ist die ATM, die Abfallwirtschaft Tirol Mitte. Sie gründete zusammen mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) eine Betreibergesellschaft für das Ahrental. Dort wurde vor fünf Jahren um rund 30 Millionen Euro eine Müllsortieranlage für Restmüll gebaut. Mit dem heraussortierten Kunststoff lasse sich Geld verdienen, hatte ein Versprechen der Betreiber gelautet. Geworden sei daraus bis heute nichts, klagte Häusler.

„Es war schon immer klar, dass der Betrieb dieser Anlage sehr kostentreibend sein wird“, sagt Hans Lindenberger, heute Klubobmann von Impuls, damals zuständiger Umweltlandesrat für die SPÖ. „Die Realität mit der Situation bei den Entsorgungskosten hat uns leider eingeholt.“ Um annähernd gleiche Entsorgungspreise zu erzielen, müsse man wohl beim Abfallverband ATM abspecken oder zumindest die Kalkulation für die 193 Euro offenlegen, meint Lindenberger. Eine einheitliche Mülllösung sei nach jahrelangen wechselnden politischen Zuständigkeiten in Tirol nicht zustande gekommen, „auch weil man den Erfolg des jeweils zuständigen Landesrates nicht wollte“. Klientelpolitik der Ahrentalbetreiber habe die 30 Millionen schwere Anlage im Ahrental erst möglich gemacht. „Die Rechnung für die politische Fehlentscheidung im Jahr 2007 zahlen wieder einmal die Bürger.“

Lindenberger wollte einen Müllofen in Kundl. Dort hätte Sandoz die produzierte Energie nützen können. „In Tirol redet man gerne von Hightech, nützt aber aufgelegte Vorteile nicht, um Unternehmen besser an den Standort zu binden.“

Ganz anders sieht es die heute zuständige Umweltlandesrätin. Tirol habe sich völlig zu Recht gegen einen Müllofen und eine weitere Luftbelastung im Luftsanierungsgebiet und für „eine effiziente Trennung des Mülls“ entschieden, sagt Felipe.