Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.06.2016


Exklusiv

Wie viel Info braucht es zur Patientenverfügung?

SPÖ, FPÖ und Impuls hätten gerne gehabt, dass das Land die Patienten­verfügung und die Vorsorgevollmacht bewirbt. Daraus wird nichts.

© KeystoneÄltere mit Bildung und mehr Einkommen wissen am besten über die Patientenverfügung Bescheid.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Die Mühlen des Landtags mahlen oft langsam. Im September 2015 hatte SP-Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling einen Antrag eingebracht. Die Landesregierung möge eine Info-Kampagne zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht starten. Die FPÖ und Impuls fanden die Idee gut, Schwarz-Grün setzte den Antrag aus. Berichte von der Patientenvertretung, der Ärzte-, der Notariats- und der Rechtsanwaltskammer wurden eingeholt. Die liegen jetzt vor. Der Antrag wurde abgelehnt. Es geschehe schon viel, um die Patientenverfügung zu bewerben, befand VP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Eine zusätzliche Kampagne brauche es deshalb nicht.

Schiessling ärgert das, sie sieht sehr wohl Aufholbedarf. In fünf Jahren haben bei der Patientenanwaltschaft nur 670 Tiroler eine verbindliche Patientenverfügung eingerichtet. Das Service ist gratis. Anders als beim Notar. Dort kosten Patientenverfügungen laut Kammer 100 Euro. 624 wurden insgesamt in Tirol abgeschlossen, In Vorarlberg sind es weit mehr. Der Trend gehe hin zur Vorsorgevollmacht, sagt die Notariatskammer. Deren Anzahl sei von 1665 auf 2133 innerhalb eines Jahres gestiegen. Kostenpunkt pro Vollmacht: 250 Euro. Die Zahlen und die genannten Kosten stammen aus den eingeholten Berichten. Die Ärztekammer argumentiert darin, dass sie viele Info-Veranstaltungen zum Thema mache.

Schiessling sind es trotzdem zu wenig Vollmachten und zu wenig Verfügungen. „Um den Tag der offenen Tür im Landhaus zu bewerben, hat die Landesregierung auch Geld.“ Patientenanwalt Birger Rudisch sieht auch Nachholbedarf. Allerdings gehe es nicht nur um eine Info-Kampagne, sondern vor allem darum, „dass die Patientenverfügung vom Arzt abgefragt werden muss“. Dazu müsse sie in einem Register oder später in der Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) vermerkt werden. „Vor einer Organentnahme muss der Arzt im Register nachschauen. Das braucht es hier auch.“

Mit einer Patientenverfügung können bestimmte medizinische Behandlungen ausgeschlossen werden. Sie ist anzuwenden, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann. Eine Rückfragepflicht des Arztes sei also unumgänglich, meint Rudisch.

Vorsorgevollmacht: Der Vollmachtgeber kann eine Vertrauensperson bestimmen, die ihn im Spital gegenüber Ärzten vertritt. Insbesondere gilt das bei Behandlungen und Operationen, aber auch bei der Unterbringung in einem Pflegeheim. Die Vorsorgevollmacht muss eigenhändig geschrieben und unterschrieben werden.

Patientenverfügung: Damit werden bestimmte medizinische Behandlungen vorweg abgelehnt. Die Erklärung gilt, wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann. Bei der verbindlichen muss sich der Arzt daran halten, bei der bachtlichen, liegt die Entscheidung beim Arzt. Die Patientenvertretung berät kostenlos.