Letztes Update am Mi, 22.06.2016 06:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Kritik am Hallenleben für Asylwerber in Kirchbichl

Die Freiheitlichen in Kirchbichl verlangen das Aus für das Asylwerberquartier im ehemaligen Lebensmittelgeschäft. Tiroler Soziale Dienste wehren sich: Das Heim sei nicht top, aber von guter Qualität.

© OtterGR Sandra Priewasser und NR Carmen Schimanek vor der Kirchbichler Asylwerberunterkunft.



Von Wolfgang Otter

Kirchbichl – Vor dem Asylwerberheim im Gebäude des ehemaligen Lebensmittelmarktes dominiert das Grau des Asphalts, ein paar alte Bänke stehen zum Sitzen bereit, für die Kinder finden sich alte Schulstühle und Tische im Freien. Einen Blick ins Innere verweigern die Tiroler Sozialen Dienste (TSD) mit dem Hinweis auf die Wahrung der Privatsphäre. Sandra Priewasser, seit der jüngsten Kommunalwahl FPÖ-Gemeinderätin und Obfrau des Sozialausschusses, weiß, wie es innen aussieht: Die derzeit dort untergebrachten 36 Asylwerber leben in offenen Kojen, die ganze Unterbringung sei „menschenunwürdig“, ist Priewasser überzeugt. Von Privatsphäre sei keine Rede, durch die offenen Kojen gebe es eine Lärmbelästigung, aber auch das zentrale Licht in der Nacht sei problematisch, daher ist es für sie kein Wunder „wenn es von Zeit zu Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den Asylwerbern kommt“, wie die Neo-Lokalpolitikerin anmerkt.

Auch die Wörgler FPÖ-Gemeinderätin und Nationalrätin Carmen Schimanek kann dem zum Heim umfunktionierten ehemaligen Lebensmittelmarkt nicht viel abgewinnen. „Ich bin neulich gegen ein Uhr nachts hier vorbeigefahren, da brannte noch das Licht im Gebäude. Ich frage mich, wie hier kleine Kinder schlafen sollen“, zeigt Schimanek auf.

Um die kleinen Asylwerber machen sich die beiden freiheitlichen Politikerinnen auch noch durch ein anderes Manko Sorgen: Vor dem Gebäude fehlt, hin zur viel befahrenen B171, ein Zaun. „Der wurde eigentlich von den Tiroler Sozialen Diensten versprochen“, sagt Priewasser, die noch durch ein weiteres Vorgehen der Landesgesellschaft deren Handschlagqualität in Frage gestellt sieht: Eigentlich sei, so Priewasser, mit der Gemeinde vertraglich eine Zahl von maximal 50 Asylwerbern in dieser Unterkunft vereinbart. Still und heimlich, will Priewasser wissen, haben die TSD versucht, mehr Personen unterzubringen, was aber letztlich an einem Nein der Gemeinde gescheitert sei.

Für die Ausschussobfrau steht eines fest: „Das Gebäude gehört für die Asylwerberunterbringung geschlossen. Die Menschen müssen in kleineren Einheiten untergebracht werden.“ Wo dies in Kirchbichl möglich sei, wisse sie aber selbst noch nicht. Aber sie bemühe sich, andere, kleinere Quartiere zu finden, wie sie gegenüber der TT erklärt. Und NR Carmen Schimanek appelliert an die zuständige Landesrätin Christine Baur (Grüne), von Großquartieren Abstand zu nehmen. „Solche Heime und Traglufthallen können nicht im Sinne der grünen Landesrätin sein“, glaubt Schimanek. Sie erinnert an das Quartier im Wörgler Bad Eisenstein (Badl), „das einem Fünf-Sterne-Heim gleicht“.

Auch bei den Tiroler Sozialen Diensten räumt man ein, dass es sich in Kirchbichl um kein Top-Heim handle, „aber die Qualität ist gut“, sagt Pressesprecher Georg Mackner auf Anfrage der TT. Und der von den FPÖ-Politikerinnen urgierte Zaun werde in den kommenden Tagen aufgestellt. Es gebe auch keine Beschwerden seitens der Gemeinde oder der Asylwerber. Die Ausnahme mache eine Familie, die sich hier nicht wohlgefühlt habe und daher woanders untergebracht wurde. Derzeit betreuen die TSD 858 Asylwerber in 34 Quartieren im Bezirk Kufstein. Eine Unterbringung in Kojen gebe es aber nur in Kirchbichl.

Kirchbichls Bürgermeister Herbert Rieder (SPÖ) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.