Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.07.2016


Kitzbühel

Aufregung in Kitzbühel um Bauvorhaben an Skipiste

Die Erweiterung der Mockingstube stößt auf Widerstand der Anrainer. Im Gemeinderat gab es aber eine knappe Mehrheit für das Projekt.

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© Harald Angerer



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Einigkeit war gestern – inzwischen geht es im Kitzbüheler Gemeinderat hitziger zu. So mussten am Montagabend die Mandatare über zwei Umwidmungen in der Hahnenkammstraße entscheiden. Es geht um eine Erweiterung des Gasthauses Mockingstube mit einer Tiefgarage und einem angrenzenden neuen Wohnhaus.

Die Art der Widmung für das Wohnhaus gefiel dabei vielen Gemeinderäten nicht. Es soll als Tourismusgebiet gewidmet werden, nicht als Wohngebiet. „Natürlich soll der Besitzer ein Haus bauen können, aber mit Wohnwidmung“, sagte zum Beispiel GR Jürgen Katzmayr (SPÖ), und auch von GR Bernhard Schwendter (FPÖ) gab es Bedenken: „Mit dieser Widmung ist auch ein Hotel nicht ausgeschlossen.“ Bürgermeister Klaus Winkler (ÖVP) verwies darauf, dass es hier bereits im Vorfeld Gespräche mit dem Land Tirol gegeben habe. „Laut dem Leiter der Raumordnungsabteilung des Landes, Peter Hollmann, ist die Tourismuswidmung die einzig mögliche“, sagte Winkler. Hollmann war gestern für eine Anfrage der TT nicht zu erreichen.

Insgesamt gab es vier Stellungnahmen aus der Bevölkerung zu den beiden Bauvorhaben. Vor allem wird aber die angrenzende Skipiste ins Treffen geführt. Direkt unterhalb der Mockingstube verläuft die Zufahrt der Skipiste von der Streif zur Hahnenkammbahn. Ein Kritikpunkt ist, dass die Skipiste im Raumordnungsplan falsch eingezeichnet sei, somit würde die Beurteilung des Raumplaners auf falschen Tatsachen beruhen. Weiters befürchtet man durch die Baumaßnahmen bei der Mockingstube eine Verschmälerung der Skipiste um bis zu zehn Meter. „Jeder sonstige Bürger muss die eingereichten Pläne bei der Baubehörde auf den Zentimeter genau darstellen“, sagt einer der Beschwerdeführer gegenüber der TT. Auch GR Manfred Filzer (UK), ehemaliger Vorstand der Bergbahn, sieht die Zufahrt gefährdet. Demgegenüber gibt es eine Stellungnahme der Bergbahn Kitzbühel, dass es aus ihrer Sicht keine Einwände gegen das Bauvorhaben gebe. Dieser Stellungnahme misstrauen die Anrainer aber, sie befürchten, dass diese Stellungnahme aufgrund einer Weisung positiv ausgefallen sein könnte.

„Die Stellungnahmen der Anrainer wurden unserem Raumordner vorgelegt“, schilderte GR Georg Wurzenrainer, Obmann des Raumordnungsausschusses (ÖVP). Der Raumordner empfahl, den Stellungnahmen nicht zu entsprechen. Aus seiner Sicht bleibe trotz der Baumaßnahmen ausreichend Platz für die Skiabfahrt. Die sonstigen Einwände bewertete er als nicht stichhaltig.

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Vom Grünen-GR Rudi Widmoser kam dann noch der Antrag, eine Abstimmung auf Wohnwidmung durchzuführen, dieser Antrag wurde von FPÖ und UK unterstützt, kam aber nicht zur Abstimmung. Denn die Tourismuswidmung für das Wohnhaus wurde vorher mit den zehn Stimmen der ÖVP verabschiedet, demgegenüber standen acht Gegenstimmen und eine Enthaltung. Dadurch sei eine Abstimmung über den Grünen-Antrag nicht mehr notwendig, diese sei „obsolet“, wie Winkler betonte. Ein ähnliches Bild dann bei der Widmung für die Mockingstube. Die zehn Ja-Stimmen kamen von der VP, demgegenüber standen sieben Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.