Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.07.2016


Bezirk Reutte

Reaktion von Asylwerber-Gruppe verärgert Landespolitiker

© Tschol Simone



Tannheim, Innsbruck – „Wenn Kriegsflüchtlinge endlich an einem sicheren Ort angekommen sind, wo ihnen nichts mehr passieren kann, und sie diesen Ort ablehnen, weil er ihnen zu wenig städtisch ist, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis. Übrigens auch für die Tiroler Sozialen Dienste, die diesem Verlangen auch noch nachkommen. Das ist falsche Toleranz“, sagt die Lermooser Landtagsabgeordnete Maria Zwölfer. Sie spricht damit einen Vorfall in Tannheim an, wo eine Gruppe von afghanischen Asylwerbern die Zuteilung zum Ort ablehnte. Ihnen war Tannheim zu abgelegen, sie wurden nach Hall zurückgebracht (die TT berichtete).

Impuls-Chefin Zwölfer wundert sich, „dass Asylwerber sich schon europaweit aussuchen können, in welches Land sie kommen und dann bei uns auch noch jede einzelne Ortschaft, so wie es aussieht.“ Und andererseits werde in Tirol schon länger gejammert, dass der Raum Innsbruck die Hauptlast bei der Flüchtlingsaufnahme zu tragen habe. Wieso bringe man Flüchtlinge dann „aus dem schönsten Hochtal Tirols“ dorthin zurück?

„Das ist eine bodenlose Sauerei“, sagt ÖVP-Landtagsklubobmann Jakob Wolf dazu. „Wir stehen dazu, dass wir Menschen, die vor Terror, Krieg und Verfolgung fliehen, unsere Hilfe anbieten. Was aber nicht sein kann, ist, dass Asylwerber glauben, sich Ort und Form der Unterbringung wie aus einer Speisenkarte aussuchen zu können. Ein solches Verhalten ist ein absolutes No-Go.“ Wolf weiter: „Ich habe Verständnis dafür, wenn die Einheimischen angesichts einer solch offen zur Schau getragenen Arroganz die Hilfsbedürftigkeit mancher Asylwerber in Frage zu stellen beginnen. Damit wurde allen, die wirklich Schutz und Hilfe brauchen und über jede angebotene Unterstützung dankbar sind, ein Bärendienst erwiesen.“ (hm)