Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.08.2016


Landespolitik

6350 Asylwerber sind in 154 Gemeinden untergebracht

2000 Asylwerber sind unter 18 Jahre, Integration als Schwerpunkt. Für LR Baur waren Verzögerungen bei Traglufthalle nicht politisch motiviert.

© APADer Druck hat etwas nachgelassen, trotzdem trifft das Land Vorsorge für ausreichend Asylquartiere.



Innsbruck – Für die FPÖ symbolisieren die Traglufthallen und zuletzt die Verzögerungen mit der Halle in Innsbruck/Arzl das Scheitern in der Asylpolitik. Aussagen, die der zuständigen Landesrätin Christine Baur (Grüne) zwar nicht weh tun, „weil ich in den vergangenen Jahren gelernt habe, Ruhe zu bewahren. Dass hier jedoch etwas politisch missbraucht wird, kann ich nicht akzeptieren“. Für Baur geht es um eine vorausschauende Politik, bei der Traglufthalle in Innsbruck habe es leider länger gedauert. Politisch motiviert sei das aber nicht gewesen, will sie allerdings keine Spekulationen aufkommen lassen. Großquartiere seien nach wie vor notwendig. „Und im Notfall sind Traglufthallen immer noch besser als manch andere Übergangsquartiere in Garagen.“

Die Aufgabenstellungen bezeichnet Baur als komplex, „die Herangehensweise ist deshalb unterschiedlich“. Genügend Plätze zu haben sei kein Fehler, Investitionen in die Vorsorge seien allemal besser. „Sollten die Flüchtlingszahlen wieder ansteigen, wollen wir uns nicht den Vorwurf gefallen lassen, wir hätten strukturell nichts gelernt. Derzeit kann niemand sagen, wie es sich entwickelt.“ Letztlich habe sie aber wie bei den Tiroler Sozialen Diensten, die die Flüchtlingsbetreuung in Tirol durchführen, das Gefühl, dass einige politische Kräfte im Land einfach nicht wahrhaben wollten, „wenn etwas funktioniert“.

6350 Flüchtlinge sind aktuell in 213 Einrichtungen untergebracht, in den Gemeinden hat sich die Situation leicht gebessert. In 154 von 279 Tiroler Kommunen leben Schutzsuchende entweder privat oder in organisierten Unterkünften. 2000 von ihnen sind unter 18 Jahre. „Sprache, Bildung und Schule“ sind für Baur der Schlüssel für eine erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft.

Im Auftrag des Landes Tirol und der TSD bieten etwa mehr als 50 Lehrerinnen an 56 Standorten Deutschkurse an. Die Organisation erfolgt über die GemNova des Tiroler Gemeindeverbands. „Ich kann nur allen Gemeinden empfehlen, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen“, betont auch Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf.

Sind aktuell rund 400 Plätze in Asylquartieren frei, so sieht es am privaten Wohnungsmarkt für anerkannte Flüchtlinge mit Asylstatus nicht rosig aus. Es gibt massive Engpässe, berichten auch Wohnungsinitiativen. (pn)