Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.08.2016


Exklusiv

Behörde untersagte Benko und Gusenbauer Flug mit dem Heli

Wegen eines dringenden Geschäftstermins wollte René Benko mit dem Hubschrauber von seiner Hütte in Scharnitz nach Eppan geflogen werden.

© Jan HetfleischSymbolbild



Von Peter Nindler

Innsbruck – Außenlandungen und Außenabflüge mit Hubschraubern sind in Tirol eine heikle Sache. Vor allem in Naturschutzgebieten. Insgesamt benötigt es eine Bewilligung, in geschützten Landschaftsbereichen eine Naturschutzgenehmigung. Seit 2010 ist die Anzahl der erlaubten Außenlandungen und -abflüge zurückgegangen. Waren es 2010 noch 202, so verringerte sich die Anzahl im Vorjahr auf 151. Heuer durfte 96-mal abgehoben werden. Ein zuletzt abgelehnter Fall – in den vergangenen zwei Jahren gab es je drei negative Bescheide – sorgt jetzt in Tirol hinter den Kulissen für Gesprächsstoff. Denn es betraf den Innsbrucker Immobilien-Unternehmer René Benko und seinen Beirat und Aufsichtsratsvorsitzenden einer seiner Tochtergesellschaften, Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

Anfang August hatte ein Münchner Helikopter­unternehmen nämlich um die Durchführung einer Außenlandung und eines Außenabflugs angesucht. Dafür hätte es eine naturschutzrechtliche Genehmigung gebraucht, denn der Flug sollte von Benkos Berghütte in Scharnitz nach Eppan in Südtirol führen. Benkos Hütte befindet sich allerdings im Naturschutzgebiet und in der Natura-2000-Zone im Karwendel. Aber wieso musste es unbedingt der Hubschrauber sein?

Laut Informationen der Tiroler Tageszeitung führte der Immobilieninvestor gewichtige Gründe für den Hubschrauberflug an. Auf die Erkundigung, warum kein alternativer Landeplatz außerhalb des Schutzgebiets infrage komme, sei darauf verwiesen worden, dass Benko, Gusenbauer und Co. von einer dringenden Besprechung in der Berghütte zu einem wichtigen Geschäftstermin nach Eppan geflogen werden müssten. Aufgrund der Zeitknappheit sei es verkehrstechnisch nicht anders möglich. Auch mit einem großen wirtschaftlichen Schaden argumentierte man, sollte der wichtige Termin in Eppan platzen. So weit, so gut.

Obwohl Hubschrauber bei Landungen viel Lärm verursachen, sah der Amtssachverständige für Naturkunde keine Auswirkungen auf das Schutzgebiet. Auch der Landesumweltanwalt hatte keinen Einwand erhoben, weil er von einer einmaligen Notwendigkeit ausging: Allerdings hat die Prüfung ergeben, dass Benkos Berghütte verkehrstechnisch gut erschlossen und eine Hubschrauberlandung außerhalb des Schutzgebiets gut möglich sei. Schon im Vorjahr hat das Münchner Heliunternehmen um eine Außenlandung im Schutzgebiet angesucht und ist dann ausgewichen.

Die Umweltabteilung sah deshalb sehr wohl Alternativen und lehnte den Hubschrauberflug ab. Letztlich wurde damit argumentiert, dass der Zeitverlust ohne Hubschraubertransport aus dem Schutzgebiet lediglich 40 Minuten betrage. Die Termine sollten deshalb besser koordiniert werden. Einzig das Fehlen von Alternativen wäre die Voraussetzung für eine Bewilligung.

Insgesamt wollte das Land Tirol hier kein Schlupfloch für künftige Ansuchen eröffnen und kein Musterbeispiel schaffen.