Letztes Update am Do, 20.10.2016 18:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2026

Politik uneins: Volksbefragung zu Olympia noch offen

Land und Stadt Innsbruck bezeichnen die Olympiabewerbung als große Chance. Ob die Tiroler zu einer Bewerbung befragt werden sollen oder nicht, lassen Platter und Oppitz-Plörer noch offen. Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob sich die Winterspiele verkleinern lassen.

© thomas boehmOlympische Ringe beim Park im olympischen Dorf O-Dorf Neu-Rum.



Innsbruck – Es wird ein intensives olympisches Jahr für Land Tirol und Stadt Innsbruck: Die mit Ausnahme von der Liste Fritz von allen Tiroler und Innsbrucker Parteien unterstützte Machbarkeitsstudie (300.000 Euro) über eine Bewerbung von Tirol/Innsbruck für die Winterspiele 2026 soll im Frühsommer vorliegen. Danach erfolgt eine Bewertung. Und dann? LH Günther Platter (VP) und Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer forcieren zwar einen breiten Bürgerbeteiligungs- und Informationsprozess; ob die Tiroler zu einer Bewerbung befragt werden sollen oder nicht, lassen sie aber noch offen.

Entscheidung im Spätherbst 2017

Für Platter und Oppitz-Plörer stellt sich diese Frage derzeit nicht, außerdem gebe es verschiedene Möglichkeiten. „Angst“, so Platter, „haben wir vor direkter Demokratie aber nicht. Doch von der Politik ist auch ,Leadership‘ bei der Aufbereitung zentraler Themen gefragt.“ Eine Frage in der Machbarkeitsstudie wird allerdings die Volksbefragung sein.

Im Spätherbst 2017 müsse Tirol aber Ja oder Nein zu einer Bewerbung sagen, erklärte gestern Österreichs Olympia-Präsident Karl Stoss. Er verweist darauf, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Volksbefragung nicht zwingend vorschreibe. Für den Koalitionspartner der ÖVP, die Grünen, wäre diese jedoch eine logische Konsequenz, sollte das Pendel nach der Bewertung der Machbarkeitsstudie in Richtung Bewerbung ausschlagen. Klubchef Gebi Mair beurteilt den Diskussionsprozess grudnsätzlich positiv, die Politik als Gesamtes habe Fortschritte gemacht. Standards an Transparenz und demokratischer Einbindung seinen allgemeiner Konsens. „Das betrifft etwa eine Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie und die Befragung der Bevölkerung vor einer allfälligen Bewerbung“, sagt Mair.

SPÖ, FPÖ und Impuls unterstützen die Olympiaprüfung. Für LA Thomas Pupp (SP) ist dazu eine Volksbefragung notwendig. FP-Klubchef Rudi Federspiel fordert, dass die Bevölkerung in jedem Stadium der Entscheidungsfindung eingebunden wird. „Ob mit einer Volksbefragung, muss man sehen.“ (pn)

Kleiner, billiger, verträglicher: Tirol will Olympia schrumpfen

Innsbruck – Olympia verbindet: LH Günther Platter und Innsbrucks BM Christine Oppitz-Plörer rücken für dieses Projekt eng zusammen. Schließlich drängt die Zeit, die Vergabe für die Winterspiele 2026 erfolgt bereits 2019, zwei Jahre davor muss die Bewerbung abgegeben werden. Auf Zahlenspielereien wollen sich Platter und Oppitz-Plörer noch nicht einlassen, zu viele Unbekannte gibt es in der Olympiagleichung. Doch für Platter ist klar: „Die Spiele müssen auf ein finanziell bewältigbares sowie ökologisch und sozial verträgliches Maß redimensioniert werden.“

Das stellt auch die Innsbrucker Stadtchefin in den Vordergrund. „Wir haben aber mit der breiten politischen Information bereits einen guten Prozess eingeleitet. Darauf können wir aufbauen.“ Transparenz soll gelebt werden, mit der Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie wurde ein Pflock eingeschlagen. ÖOC-Präsident Karl Stoss und Generalsekretär Peter Mennel forcierten im Vorfeld das deutsche Planungsbüro „Proprojekt“, das u. a. die Bewerbungskonzepte für die Fußball-WM in Katar sowie für die Olympiabestrebungen von Hamburg und München ausgearbeitet hatte. Das wollte man in Tirol aber nicht. Der 350.000-Euro-Auftrag wird ausgeschrieben. Der Bund beteiligt sich mit 100.000 Euro an den Kosten, Stadt und Land finanzieren 200.000 Euro aus dem bestehenden Topf der Jugendspiel-Nachfolgegesellschaft und das ÖOC zahlt 50.000 Euro.

Für Stoss bringt Tirol sportlich die besten Voraussetzungen mit, er glaubt auch, „dass eine Bewerbung dem neuen olympischen Gedanken und dem Reformprozess entspricht“: weg vom Gigantismus hin zu normalen Spielen. Mennel betonte, dass das Internationale Olympische Komitee dem Veranstalter ein Budget von rund einer Milliarde Dollar zur Verfügung stelle.

Das Eishallenproblem – sieben Hallen werden für die Eissportbewerbe benötigt – könnte durch eine Einbeziehung von Bozen, Salzburg oder Inzell gelöst werden. Einmal mehr stellte Sportreferent LHStv. Josef Geisler klar, dass sich Tirol nur für Spiele mit Maß und Ziel bewerben würde. Insgesamt fielen bei der gestrigen gemeinsamen Pressekonferenz sehr oft Begriffe wie ökologisch, ökonomisch sowie sozial nachhaltig.

Auf die Marke Olympia als touristische Komponente verweist Innsbrucks Tourismusstadtrat Franz Xaver Gruber (VP). Sich der Herausforderung Olympia zu stellen, beweist für ihn Mut.