Letztes Update am Mi, 02.11.2016 16:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Wallnöfer-Büste um 130.000 Euro sorgt für Wirbel in Landespolitik

Der Ankauf der von Künstler Rudi Wach angefertigten Statue sorgte am Mittwoch für zahlreiche Reaktionen. Kritik kam von den Oppositionsparteien FPÖ, Liste Fritz, SPÖ und Impuls, aber auch von den Grünen. Die Tiroler VP versteht die Aufregung hingegen nicht.

© ORF TirolDie Büste des ehemaligen Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer soll am Landhausplatz aufgestellt werden.



Innsbruck - Die von Land und den Gemeinden finanziell gespeiste Landesgedächtnisstiftung hat am Montag - wie berichtet - die vom Tiroler Künstler Rudi Wach bereits angefertigte Bronze-Statue des ehemaligen Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer um 130.000 Euro angekauft. Der Beschluss fiel einstimmig, ein Mitglied enthielt sich - nämlich Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer.

Die mit 8,6 Millionen Euro dotierte Landesgedächtnisstiftung empfiehlt außerdem, die Büste am Landhausplatz aufzustellen. Damit hat Kulturlandesrätin Beate Palfrader (VP) kein Problem. Nach einem Beschluss der Landeshauptstadt wurde er 1994 in Eduard-Wallnöfer-Platz umbenannt. Dass die Skulptur dort positioniert werden soll, ist für sie nachvollziehbar. Ihr sei nur wichtig gewesen, dass „angesichts von strikten Sparvorgaben" das Kulturbudget nicht belastet werde.

Laut Landtagspräsident Herwig van Staa (ÖVP), seines Zeichens Vorsitzender des Kuratoriums, habe das Land die Bronze-Statue in Auftrag gegeben: „Im Vorfeld gab es dazu Gespräche mit LH Günther Platter."

Grüne: „Zeit der Statuen vorbei"

Die Grünen, Koalitionspartner der ÖVP, haben damit keine Freude. „Die Zeit der Statuen ist vorbei", so Klubchef Gebi Mair am Mittwoch via Aussendung. Auch wäre der Landhausplatz der „falsche Ort". „Der Landhausplatz wurde sukzessive zu einem Ort des Gedenkens an die Opfer der NS-Diktatur umgestaltet. Dieser Platz verträgt keine 2,70 Meter hohe Statue eines NSDAP-Mitläufers", kritisierte der grüne Klubobmann.

Mair hegte auch Zweifel daran, ob die Finanzierung durch die Landesgedächtnisstiftung dem Gesetz entspricht. Zudem liege seines Erachtens nach kein Auftrag des Landes vor. Ein Auftrag über den Betrag von 130.000 Euro hätte nämlich der Tiroler Landesregierung vorgelegt werden müssen, so die Argumentation.

FPÖ kritisiert „Nacht- und Nebelaktion"

Die Tiroler FPÖ kritisiert die „Nacht- und Nebelaktion" um die Büste als „absolut unwürdig". „So eine Aktion hat Eduard Wallnöfer nicht verdient", meinte FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Wallnöfer werde von den Tirolern immer noch als der „politische Landesvater" wahrgenommen.

Liste Fritz: „Unwürdiges Schauspiel"

Als „unwürdiges Schauspiel" bezeichnete die Liste Fritz den Ankauf der Bronze-Skulptur. „Die Tiroler haben andere Sorgen als Denkmalsorgen", meinte Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Während die schwarz-grüne Landesregierung den Tiroler Sozialvereinen eine Kürzung bzw. das Einfrieren ihrer Finanzmittel in Aussicht stelle, mache sie gleichzeitig 130.000 Euro für ein Bronze-Denkmal locker. „Ein schlimmes politisches Signal", so Haselwanter-Schneider.

SPÖ: "Glorifizierung too much"

Auch SPÖ-Klubobmann Gerhard Reheis meldete sich via Aussendung zu Wort: „Ich finde die Glorifizierung eines Alt-Landeshauptmannes in dieser Form schlichtweg ?too much'. Die Leistungen Wallnöfers wurden durch die Umbenennung des Landhausplatzes ausreichend gewürdigt. Vor dem heutigen Wissensstand ob seiner NSDAP-Mitgliedschaft und seinen schwerwiegenden Fehlentscheidungen im Agrarskandal wäre mehr Demut seitens des Auftraggebers angebracht."

Impuls: "Unprofessionelle Vorgangsweise"

Impuls-Tirol kritisierte die „unprofessionelle Vorgangsweise" der Landesregierung zur Entscheidungsfindung. „Erforderlich wäre in jedem Fall die Einholung einer Akzeptanz im Tiroler Landtag für dieses Vorhaben. Unabhängig von den Kosten für diese Büste, deren Begleichung — auf welchem Weg auch immer - erfolgen soll, stellt sich die Frage, wie es zu einer Kontaktaufnahme und einer allfälligen budgetwirksamen Bestellung durch das Land Tirol über den Landeshauptmann Günther Platter mit dem Hersteller dieser Büste kam", heißt es in einer Aussendung von Impuls.

VP: „Inszenierte Aufregung der Opposition"

Die Tiroler Volkspartei versteht den Wirbel um die Wallnöfer-Büste hingegen nicht. Die Aufregung werde laut VP-Klubchef Jakob Wolf von den Oppositionsparteien inszeniert. „Eduard Wallnöfer war ein Landeshauptmann, für den man sich in Tirol weder schämen noch verstecken muss", sagte Wolf am Mittwoch. Als scheinheilig bezeichnet er das Verhalten der im Landtag vertretenen Parteien, deren Mandatare 1994 im Innsbrucker Gemeinderat für die Umbenennung des Platzes gestimmt haben, nun aber den Präsidenten des Tiroler Gemeindeverbandes dafür kritisieren, dass mit der Skulptur auch alle anderen Tiroler Gemeinden die Möglichkeit haben, die Verdienste des legendären Landeshauptmannes ebenfalls zu würdigen.

In Richtung des Koalitionspartners meinte Wolf, dass die aktuelle Namensgebung für den Platz vor dem Landhaus in den Eduard-Wallnöfer-Platz 1994 auch mit der Stimme des nunmehrigen grünen Stadtrates Gerhard Fritz erfolgt sei. (TT.com)