Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.11.2016


Landespolitik

Opposition sorgt sich um Patienten

Den guten Ruf der Innsbrucker Uni-Klinik sieht die vereinte Opposition aus SPÖ, FPÖ, Impuls und Liste Fritz in Gefahr. Die Patientenversorgung sei gewährleistet und die Qualität stimme, hält die ÖVP dagegen.

© Thomas Boehm / TT



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Zweimal habe eine 78-jährige Herzpatientin aus Osttirol anreisen müssen, zweimal sei der Termin an der Innsbrucker Klinik verschoben worden. Dies sei kein Einzelfall, sondern symptomatisch für den Zustand der Universitätsklinik. Diesen Befund lieferten gestern bei einer Pressekonferenz in Innsbruck die Parteispitzen von Liste Fritz, Impuls, FPÖ und SPÖ ab. Vieles liege an der Klinik im Argen, schuld daran sei ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Ebenden will die Opposition heute im Landtag ordentlich in die Mangel nehmen. Elf Fragen zu den Zuständen an der Klinik, von der Pathologie bis hin zum Ärztemangel, wollen die Oppositionspolitiker im Plenum beantwortet wissen. Dass es dazu kommt, ist eher nicht anzunehmen. Grüne und ÖVP werden dies wohl zu verhindern wissen.

Für einen Misstrauensantrag gegen Tilg reicht der Zorn der Opposition noch nicht aus. Die FPÖ hatte einen solchen bereits vor Monaten angekündigt. Das Ansinnen war dann allerdings im Sand verlaufen. Dass Tilg via TT ankündigte, seine Amtszeit als Gesundheitslandesrat verlängern zu wollen, hält die Klubobfrau der Liste Fritz „für eine gefährliche Drohung“. Die Klinik sei eine „Riesenbaustelle und auf bescheidenes Mittelmaß abgerutscht“, befindet FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Impuls-Parteichefin Maria Zwölfer sieht „größten Handlungsbedarf“. Gerade für Patienten aus dem ländlichen Raum sei die Innsbrucker Uni-Klinik oft die letzte Hoffnung und Anlaufstelle. Der Kritik angeschlossen hat sich auch Zwölfers ehemalige Parteikollegin und jetzige freie Abgeordnete, Andrea Krumschnabel. Bei der SPÖ hat nach dem Rückzug von Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling Klubobmann Gerhard Reheis diese Funktion übernommen. Das Vorgehen der vereinten Opposition sei „kein populistischer Akt“, vielmehr eine die Parteien die „gemeinsame Sorge“ um die Innsbrucker Klinik.

Anders als in den Bezirksspitälern oder in den restlichen Landeskrankenhäusern gibt es in Innsbruck ein Spezifikum. Es ist zwar nur eine Klinik, aber es gibt zwei Dienstgeber. Die Medizin-Universität ist für Lehre und Forschung und damit für Bundesärzte zuständig, das Land bezahlt etwa 60 Prozent der Ärzte für die Patientenversorgung. Der Patient erkennt keinen Unterschied, die beiden Dienstgeber spüren ihn bei ihren Budgets und bei den aufgeteilten Kompetenzen.

Die Berufung eines Primararztes obliegt der Medizin-Uni. Der bezieht ein Grundgehalt vom Bund und macht das bessere Geschäft mit der Patientenversorgung. Ohne Privathonorare ließe sich wohl kaum ein Professor nach Innsbruck locken. Ein solches Problem habe man jahrelang an der Pathologie gehabt und es jetzt auf Landesseite gelöst, meint Tilg. Die Patientenversorgung sieht der Landesrat gewährleistet. Und was den Ruf der Klinik angeht: Man habe noch Flaggschiffe. „Für Lehre und Forschung, die nach außen strahlen, ist die Medizin-Universität zuständig.“

„Medizin-Test schuld am Ärztemangel“

Innsbruck — Nicht nur die Innsbrucker Klinik-Chefs beklagen das österreichische Ärztearbeitszeitgesetz. „Mit einer 48-Stunden-Woche lässt sich keine qualitätsvolle Ausbildung mehr durchführen", betonte der Direktor der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, Gerald Fleisch, Montagabend bei einer Alumn-i-med-Veranstaltung über die enge Verzahnung der medizinischen Ausbildung und Patientenversorgung in Tirol und Vorarlberg. Fleisch forderte eine Korrektur des Gesetzes, dass überreizt sei und die EU-Richtlinie übererfülle.

Im aktuellen Streit um die Maximalarbeitszeit von Uni-Ärzten in Innsbruck — die Uni wird ab Jänner keine Mehrstunden mehr bezahlen — meinte Rektorin Helga Fritsch, es gehe um die Finanzierung. „Ich bin gesprächsbereit und werde die Zeit bis zum Jahresende nicht ungenutzt verstreichen lassen." Bereits gestern gab es ein solches Gespräch zwischen der Medizin-Uni und Landesrat Tilg. Einig war man sich, dass man mit dem Bund um mehr Geld für weitere Ärzte verhandeln wolle.

Dass vor allem am Land ein Ärztemangel zu beklagen sei, führte der Vorarlberger Ärztekammerchef Michael Jonas Montagabend auf das Auswahlverfahren für Medizin-Studenten zurück. Mit dem Test würden nur hochintelligente, kritische Zeitgeister herausgefiltert, die nichts von der Peripherie wissen wollen. (sta)