Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.12.2016


Kitzbühel

Bald billiges Wohnen in Kitzbühel

Ein Wohnprojekt mit einem Quadratmeterpreis von fünf Euro soll im kommenden Jahr in Kitzbühel starten. Möglich wurde dies durch einen Baurechtsvertrag der Stadt für ein städtisches Grundstück in Einfang.

Bürgermeister Klaus Winkler, Wohnbaulandesrat Johannes Tratter und Walter Soier (v. l.) präsentierten das 5-Euro-Projekt gestern bei einer Pressekonferenz. Dem Gemeinderat wurde es bereits am Montagabend gezeigt.

© Harald AngererBürgermeister Klaus Winkler, Wohnbaulandesrat Johannes Tratter und Walter Soier (v. l.) präsentierten das 5-Euro-Projekt gestern bei einer Pressekonferenz. Dem Gemeinderat wurde es bereits am Montagabend gezeigt.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Die Stadt gilt als das teuerste Pflaster Tirols. Vor allem bei den Grundstücks- und Wohnungspreisen steht Kitzbühel auf den Listen ganz oben, nun will sich die Stadt auch ganz unten eintragen. Der Wohnbauträger Wohnungseigentum (WE) möchte im kommenden Jahr in Zusammenarbeit mit dem Land Tirol und der Stadt Kitzbühel so genannte „5-Euro-Wohnungen“ im Stadtteil Einfang errichten.

Mit einem Baurechtsvertrag hat der Kitzbüheler Gemeinderat am Montagabend den Weg dafür frei gemacht. Das Grundstück gehört seit 2007 der Stadt und wird an die WE mittels Baurecht für 65 Jahre vergeben, die WE errichtet darauf dann 32 Wohnungen, davon 14 3-Zimmer-Wohnungen und 18 2-Zimmer-Wohnungen. Die 2-Zimmer-Wohnungen habe eine Größe von 65 m2 und einen Mietpreis von 325 Euro inkl. Betriebskosten, Heizkosten, Instandhaltung, Verwaltungskosten, Pkw-Abstellplatz und Mehrwertsteuer. Dazu kommen noch 38 Pkw-Stellplätze. „Gerade Kitzbühel gilt als Ort der Reichen, aber in den letzten zehn Jahren wurden für über 700 Kitzbüheler leistbare Wohnungen geschaffen. Einen Mietpreis von fünf Euro pro Quadratmeter gab es in Kitzbühel aber noch nicht“, freut sich Bürgermeister Klaus Winkler über das Vorhaben.

„Der Preistreiber bei Wohnanlagen ist hauptsächlich der Grundstückspreis. Durch den Baurechtszins von 1 Euro durch die Stadt ist es uns möglich, so günstig zu bauen“, schildert Walter Soier, Geschäftsführer der WE. Es werde günstig, aber nicht billig gebaut, betont Soier weiter. Zudem wurde auf einen Keller und eine Tiefgarage verzichtet, das würde weitere Kosten sparen.

„Kitzbühel ist für die hohen Grundstückspreise bekannt. Es ist ein tolles Signal, wenn die Stadt nun hier das Heft in die Hand nimmt. Wenn es sogar Kitzbühel schafft, weiß man, was in ganz Tirol möglich ist“, sagt der zuständige Wohnbaulandesrat Johannes Tratter zu dem Projekt. Das Zusammenspiel von Land, Gemeinde und Bauträger würde bei den „5-Euro-Wohnungen“ besonders wichtig sein. Die Vergabe der Wohnungen liegt bei der Stadt Kitzbühel, das Land Tirol gibt aber Rahmenbedingungen vor, die für diesen Wohnungstyp noch einmal verschärft wurden. So wurde die Einkommensgrenze um ein Drittel tiefer angesetzt als bei den normalen, geförderten Wohnungen und zudem gibt es eine um 200 Euro höhere Wohnbauförderung. Bevorzugt sollen Alleinerzieher und junge Kitzbüheler zum Zug kommen.

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Wie lange der Preis von fünf Euro garantiert werden kann, war eine der Fragen zu dem Projekt im Gemeinderat. „Die Finanzierung erfolgt über ein Bankdarlehen und die Wohnbauförderung. Wenn die Bankzinsen so bleiben, ist frühestens in sieben Jahren mit einer Erhöhung der Wohnbauförderung von 77 Cent zu rechnen“, versicherte der WE-Geschäftsführer.

Derzeit befindet sich auf der Fläche ein Ersatzparkplatz. Hier fordert Thomas Nothegger (UK) eine Lösung der Parkplatzfrage vor der endgültigen Zweitbeschlussfassung. „Nur wenn das geklärt ist, stimmen wir auch dem Zweitbeschluss zu“, sagt Nothegger bei der Gemeinderatssitzung. Hier handelt es sich um Grundstücksverhandlungen über ein nahegelegenes Grundstück. Diese seien laut Bürgermeister Winkler schon weit fortgeschritten. „Das Wohnprojekt hat aber eine so hohe Priorität, dass es sicher auch ohne die Lösung für die Parkfläche umgesetzt wird“, lässt Winkler wissen. Der Gemeinderat stimmte einstimmig für den Baurechtsvertrag und den Bebauungsplan.

33 Mio. Euro Budget wurden abgesegnet

Die Zahlen standen am Montagabend bei der jüngsten Kitzbüheler Gemeinderatssitzung im Mittelpunkt. Zum einen galt es, für die Gemeinderäte die Voranschlagsabweichungen für das laufende Jahr zu genehmigen, und zum anderen, das Budget für 2017 zu verabschieden.

Beim heurigen Budget soll eine Überschreitung von zwei Millionen Euro genehmigt werden. Den Mehrausgaben stehen Mehreinnahmen, aber auch Minderausgaben gegenüber, erklärt Finanzreferent und Bürgermeister Klaus Winkler (VP) bei der Sitzung. Es handle sich also um ein ausgeglichenes Budget. Nachfragen gab es zum Beispiel zu Überschreitungen beim Sportpark in der Höhe von 122.000 Euro. Dies seien nicht einbringbare Mieten aus 2013 gewesen, erklärt Winkler. Thema der Unabhängigen Kitzbüheler (UK) waren auch die Vergaben durch den Stadtrat. Dieser kann bis zu 50.000 Euro ohne Gemeinderatsbeschluss genehmigen, im heurigen Jahr seien es ingesamt fast 600.000 gewesen, kritisieren UK und FPÖ. Die Überschreitungen wurden letztendlich mit 13 Ja- und fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung bestätigt.

Im Budget für das kommende Jahr sind 33 Millionen Euro vergesehen. Wünsche von den Referaten hätte es in der Höhe von 36 Millionen Euro gegeben. Die Stadt rechnet im kommenden Jahr mit Steuereinnahmen in der Höhe von fast 9,5 Millionen Euro. Für Diskussionen sorgten 400.000 Euro für einen weiteren Teil der Innenstadtpflasterung. Diese wird über ein Darlehen finanziert. „Ich verstehe nicht, warum wir hier ein Darlehen aufnehmen müssen, wenn es uns doch so gut geht", sagt Thomas Nothegger von der UK. Er würde deshalb dem Budget nicht zustimmen. Eine solche Darlehensaufnahme sei vielleicht auch nicht notwendig, sagt dazu Winkler. Sie sei zur Sicherheit eingeplant.

Auch gab es wieder eine Stellungnahme eines Kitzbühelers zum Budget. Er kritisierte darin unter anderem, dass die Gebühren in Kitzbühel zu hoch seien und auch, dass die Stadt Schulden bei den Stadtwerken hätte. Dies ist laut Winkler nicht der Fall.