Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.01.2017


Innsbruck land

Stolpersteine auf dem Weg zum gemeinsamen Wasser

Beim geplanten Leitungszusammenschluss zwischen Oberhofen und Flaurling gibt es noch Differenzen bei Preisgestaltung und Wassermenge.

Oberhofen möchte die Wasserversorgung im Ort mit einer Zuleitung aus Flaurling verbessern.

© iStockphotoOberhofen möchte die Wasserversorgung im Ort mit einer Zuleitung aus Flaurling verbessern.



Oberhofen, Flaurling – Um die Trinkwasserversorgung im Dorf zu verbessern, strebt die Gemeinde Oberhofen schon seit Längerem einen Wasserleitungszusammenschluss mit dem Nachbarort Flaurling an. Prüfungen hätten gezeigt, dass die Quellen auf Oberhofer Gemeindegebiet – gelegen auf 1900 m Seehöhe – nicht ergiebig genug seien und ihre Ableitung viel zu aufwändig wäre, erklärt BM Peter Daum (Gemeinsam für Oberhofen). Flaurling verfüge dagegen über ausreichend Wasser, zudem sei im Zusammenhang mit dem Bau des Trinkwasserkraftwerks die Wasserleitung zur Flaurlinger Alm runderneuert und deren Dimension vergrößert worden. „So entstand die Idee, Wasser aus Flaurling zu beziehen.“

Geplant wäre, dass das Flaurlinger Wasser jenem aus Oberhofen in einem bestimmten Verhältnis beigemischt wird, führt Daum aus. So soll zum einen das sehr harte, kalkhaltige Oberhofer Wasser weicher und für Elektrogeräte verträglicher werden. Zum anderen wolle man „ein zweites Standbein“, um die – grundsätzlich ausreichende – Trinkwasserversorgung weiter abzusichern, auch für etwaige Notsituationen, so Daum.

Der Grundsatzbeschluss, dass Wasser geliefert werden soll, liegt in beiden Gemeinden vor, an den Details spießt es sich jedoch: Konkrete Zahlen wollen im TT-Gespräch weder Daum noch seine Flaurlinger Amtskollegin Brigitte Praxmarer (Gemeinsam für Flaurling) nennen. Beide bestätigen jedoch, dass die Vorstellungen der Gemeinden noch auseinanderliegen, vor allem im Hinblick auf die Wasserpreisgestaltung, aber auch bei der vertraglich zuzusichernden Wassermenge: Die Oberhofer fordern mehr Sekundenliter ein, als ihnen die Flaurlinger fix zusichern wollen.

„Wir müssen im Gemeinderat unsere preislichen Vorstellungen definieren und eine Grenzlinie festlegen.“ Peter Daum
(BM Oberhofen)
„Wir müssen im Gemeinderat unsere preislichen Vorstellungen definieren und eine Grenzlinie festlegen.“ Peter Daum
(BM Oberhofen)
- Die Fotografen

Der Leitungsbau nach Flaurling wäre mit geschätzten Investitionskosten von 500.000 Euro verbunden, die man fremdfinanzieren müsste, betont Daum, „dafür brauchen wir eine gewisse Absicherung“. Nun gelte es, „im Gemeinderat unsere preislichen Vorstellungen zu definieren und eine Grenzlinie festzulegen, wie weit wir gehen können“. Die Gesprächsbasis sei intakt, so Daum, er sei „guter Dinge“, was eine Einigung betrifft. „Aber beide Seiten werden sich bewegen müssen.“

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„Wir haben uns schon ein bisschen angenähert, aber noch keine Einigung erzielt“, sagt auch Bürgermeisterin Praxmarer. Flaurling verfüge normalerweise über genügend Wasser (jetzt im Winter seien es ca. 19 Sekundenliter), es gehe aber auch um die zukünftige Versorgung. Die Flaurlinger Interessen hätten für sie als Bürgermeisterin jedenfalls „immer Vorrang“.

Praxmarer sieht jetzt die Oberhofer am Zug: „Wir haben ihnen unsere Vorstellungen dargelegt, nun warten wir, was der Oberhofer Gemeinderat entscheidet.“ Gegebenenfalls sei die Angelegenheit dann noch einmal dem Flaurlinger Gemeinderat vorzulegen. Sie sei „noch optimistisch, dass wir zusammenkommen“.

Auch der Oberhofer Vizebürgermeister Manfred Lintner (Unabhängig für Oberhofen), der an den bisherigen Verhandlungen ebenfalls teilnahm, rechnet noch mit einer Einigung, „es ist derzeit ein Abtasten“. Was ihn störe, sei zum einen, dass die Preisgestaltung auf Basis des Endverbraucherwasserzinses erfolgen solle – und zum anderen, „dass es für solche Fälle keine übergeordnete Regelung durch das Land Tirol gibt“. (md)