Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.03.2017


Bezirk Imst

Kritik an Umwidmungsplänen

Sowohl Bürgerinitiative als auch der Umweltbeauftragte sehen die beabsichtigte Umwidmung zum Gewerbegebiet im Haiminger „Forchet“ äußerst kritisch.

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© Dorn



Von Agnes Dorn

Haiming – Die vom Gemeinderat Haiming geplante Umwidmung weiteren Föhrenwaldgebiets stößt beim Naturschutzbeauftragten für den Bezirk Imst, Werner Schwarz, ebenso auf Missfallen wie bei der Bürgerinitiative „Schützt das Forchet“, die dazu aufruft, die Möglichkeit der Stellungnahme gegen die Umwidmung, die noch bis 24. März möglich ist, in Anspruch zu nehmen. Das Gebiet, das nun als zukünftiges Industrie- und Gewerbegebiet gehandelt wird und sich östlich der Motorsportarena ausdehnt, ist genau jenes, das bei einer Unterschriftenaktion im Jahr 2015 von 1300 Menschen als Standort für eine Betriebsansiedlung von Handl abgelehnt wurde. Durch den Protest wurde zwar der Speckbetrieb an einen anderen Ort verlegt, doch der ursprünglich anvisierte Wald war dadurch nicht vor weiteren Zugriffen geschützt, wie sich nun zeigte.

Dass zur Einlösung des Versprechens, einen Ausschuss zur Unterschutzstellung des restlichen Forchets zu gründen, noch kein Schritt unternommen wurde, bedauert Marianne Götsch von der Bürgerinitiative: „Das Forchet ist wertvoller Lebensraum für viele geschützte Tier- und Pflanzenarten. Genau solche schützenswerten Lebensräume werden im Haiminger Forchet jedoch laufend vernichtet. Es ist an der Zeit, das Haiminger Forchet als Naturschutzgebiet auszuweisen, um diesen einzigartigen Wald für die Natur und für kommende Generationen zu erhalten“, erläutert Götsch die Dringlichkeit der Unterschutzstellung. Noch seien allein zehn verschiedene gänzlich geschützte Orchideenarten und viele weitere teilweise geschützte Pflanzenarten im Forchet zu finden.

Auch Werner Schwarz sieht eine neuerliche Verkleinerung des in den letzten Jahrzehnten bereits um große Gebiete geschrumpften Föhrenwalds mit Bedenken: „Wenn man das Naturgebiet weiter einschränkt, ist die Trittsteinwirkung aufgehoben, weil die Abstände zwischen den einzelnen Lebensräumen zu groß werden.“ Auch das vor zwei Jahren von der Gemeinde selbst in Auftrag gegebene Gutachten über den Haiminger Forchet lässt aufhorchen. So wird genau jenes Gebiet, das die Gemeinde nun gerne umwidmen würde, als besonders artenreich ausgewiesen. Schwarz: „Innerhalb des Waldbestandes besteht eine unterschiedlich hohe Vielschichtigkeit, wobei die höchste Diversität entlang der bestehenden Freileitungs­trassen und im Waldbestand nordöstlich von Ötztal-Bahnhof gegeben ist.“

BM Leitner dagegen bezeichnete gerade dieses Gebiet bei der Sitzung im Dezember wörtlich „als nicht so wertvoll“, obwohl ihm dort die von ihm in Auftrag gegebene Bewertung bereits seit über einem Jahr bekannt war. Auch das Argument, man müsse „Reserven“ an Gewerbegebiet schaffen, um den weiteren Ansuchen um Betriebsansiedlungen Genüge zu tun, wird von Experten wie Schwarz hinterfragt: „Es stellt sich mir die Frage, ob kurzfristige ökonomische Interessen wirklich höher zu stellen sind als die Lebensqualität der Menschen in der Region auf längere Sicht.“ Im Vergleich mit anderen Gemeinden kann Haiming schon seit Langem auf hohe Einnahmen an Kommunalsteuer verweisen: Bereits vor über zehn Jahren war deren Gesamtsumme höher als die jetzige der ähnlich großen Gemeinde Längenfeld. Haiming ist mit 1,5 Millionen Euro allein im Jahr 2015 nach Imst und Sölden ganz vorne bei der Höhe der jährlich eingenommenen Kommunalsteuer.

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