Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Bezirk Kitzbühel

Der „neue Stil“ siegte gegen die Bauern in der ÖVP

Vier Stimmen entschieden: Beim Bezirksparteitag in Reith wurde Peter Seiwald vom Wirtschaftsbund zum neuen Obmann gewählt.

LH Günther Platter (2. v. l.) und LR Beate Palfrader (2. v. r.) gratulierten dem neuen Führungsteam mit Christoph Pichler, Peter Seiwald, Andrea Watzl und Andreas Embacher (v. l.).

© AngererLH Günther Platter (2. v. l.) und LR Beate Palfrader (2. v. r.) gratulierten dem neuen Führungsteam mit Christoph Pichler, Peter Seiwald, Andrea Watzl und Andreas Embacher (v. l.).



Von Harald Angerer

Reith b. K. – Das Interesse war groß und die Anspannung zu spüren – der Bezirks­parteitag der ÖVP am Dienstagabend in Reith war kein gewöhnlicher. Denn nach dem Rückzug von Ernst Huber als Bezirksparteiobmann galt es seinen Posten nachzubesetzen. Mit Peter Seiwald und LR Josef Edenhauser standen zwei Kandidaten zur Wahl. Damit trafen auch der Wirtschaftsbund (Seiwald) und der Bauernbund (Edenhauser) aufeinander.

Nicht nur die beiden Kandidaten waren deshalb vor der Wahl angespannt, denn es wurde ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Das zeigte sich auch an der Teilnehmerzahl, nicht weniger als 140 der stimmberechtigten Delegierten aus dem Bezirk waren zu dem Parteitag gekommen. Und sowohl Landesparteiobmann LH Günther Platter als auch LR Beate Palfrader schworen die Parteimitglieder in ihren Ansprachen vor der Wahl auf den Zusammenhalt ein. „Die Interessengemeinschaften in unserer Partei sind wichtig. Aber wir müssen erkennen, dass der politische Gegner außerhalb der Partei zu finden ist und nicht innerhalb“, mahnte Palfrader, die selbst von 2009 bis 2014 Bezirksparteiobfrau war, und Platter betonte, dass es wichtig sei, nach der Wahl wieder an einem Strang zu ziehen.

Edenhauser ging in seiner Vorstellungsrede dann darauf ein, dass es Sinn machen würde, wenn der Bezirksparteiobmann auch im Landtag säße. „Ich sehe auch eine wichtige Aufgabe darin, die Funktionäre vor Ort zu unterstützen“, sagte Edenhauser. Er würde sich als Vertretung des Bezirks im Land sehen. Kämpferischer ging es dann Seiwald in seiner Rede an. „Es geht bei der Wahl heute nicht nur um den neuen Obmann, sondern darum, welchen Stil wir in Zukunft an den Tag legen wollen“, sagte Seiwald. Es sei deshalb nicht eine Wahl zwischen einem Bauern und einem Wirtschaftstreibenden, „sondern ob wir einen neue­n Stil wollen oder den alten beibehalte­n wollen“.

Die Wahl fiel dann wie erwartet sehr knapp aus, doch mit dem Überhang auf Seiwalds Seite. Er konnte 70 Delegierte und damit 51,5 Prozent der Partei überzeugen, auf Edenhauser entfielen 66 Stimmen und damit 48,5 Prozent. Vier Stimmen waren ungültig. Stellvertreter bleibt Andreas Embacher (Bauernbund), neue Stellvertreter wurden Andrea Watzl (AAB) und Christoph Pichler (JVP). „Ich bedanke mich für das Vertrauen und werde einen intensiven Dialog mit jenen 48 Prozent führen, die mich heute nicht gewählt haben“, sagte Seiwald in einer ersten Stellungnahme. Er sei bemüht, einen gemeinsamen Weg aller Bünde zu finden.