Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.07.2017


Exklusiv

Termin mit EU-Umweltchef wurde „verschoben“

Eigentlich wollte EU-Umweltgeneraldirektor Calleja am Donnerstag in Tirol über Natura 2000 reden. Doch das wollte LH Günther Platter offenbar nicht.

© EU-KommissionUmweltgeneraldirektor Daniel Calleja Crespo hatte sein Kommen bereits für Donnerstag angekündigt.Foto: EU



Innsbruck – Auf einmal ging alles sehr schnell. Für die Landesspitze zu schnell. Es geht um die von der Europäischen Kommission geforderten zusätzlichen Nominierungen von europäischen Natura-2000-Schutzgebieten. Angesichts der Debatten in Tirol – die EU hatte zuletzt 70 weitere Schutzgebiete vorgeschlagen – betonte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dass die EU den Dialog mit den Behörden vor Ort suchen werde. Er kündigte in einem Schrei­ben an Tirols Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer eine Reise des Generaldirektors für Umwelt nach Tirol an, um vor Ort den unmittelbaren Kontakt zu intensivieren.

Gesagt, getan: Anfang der Vorwoche wurde bereits ein Termin avisiert, Daniel Calleja Crespo wollte am 20. Juli nach Innsbruck kommen und mit Vertretern der Wirtschaft sprechen. Die Wirtschaftskammer war allerdings bestrebt, das Land mit einzubinden, schließlich ist Calleja der höchste Umweltbeamte in der Europäischen Kommission. Und wenn er schon nach Tirol kommt, dann sollte dies für einen umfassenden Austausch genützt werden. Also wurde die Landesspitze mit LH Günther Platter (VP), LHStv. Josef Geisler (VP) und Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) dazu eingeladen.

Doch zur Überraschung von Wirtschaftskammerpräsident Bodenseer hatte Platter kein Interesse bzw. keine Zeit. Also wurde das Treffen kurzerhand abgesagt. Eine mehr als delikate Angelegenheit. Aber die ÖVP-Spitze gab dem Wirtschaftskammerpräsidenten deutlich zu verstehen, dass man vor den anstehenden Nationalrats- und Landtagswahlen das Thema „Natura 2000“ nicht auf dem Tapet haben möchte.

Platter hatte bereits im Frühjahr das Ansinnen der EU auf weitere Nominierungen abgelehnt, weil Tirol seine Hausaufgaben gemacht habe. Doch Schwachpunkte sind der Kompromiss am Kalserbach, der nur teilweise unter Schutz gestellt wurde, und das vorläufige Aussparen des Vesil- und Fimbatals im Bereich des Ischgler Piz Val Gronda. In Ischgl stimmten die Grundbesitzer nicht zu, die Politik scheute sich deshalb vor einem Alleingang.

Jetzt wird wohl ein neues Zusammentreffen vereinbart werden. Offenbar war LH Günther Platter schon nicht ganz glücklich über das Vorpreschen der Wirtschaftskammer. Schließlich hat auch er Juncker einen Natura-2000-Brief geschrieben. (pn)