Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.10.2017


Bezirk Schwaz

Geringes Echo auf große Pläne

Bei der Gemeindeversammlung in Mayrhofen wurde klar: Es heißt weiter warten aufs Bahnhofsprojekt. Unterdessen entstehen viele neue Wohnungen, während manche bestehende an Urlauber vermietet werden.

© DählingGeringes Interesse herrschte an der Gemeindeversammlung (oben), bei der BM Monika Wechselberger (u. r.) über das Gemeindegeschehen informierte. Auch das Bahnhofsprojekt samt Verkehrslösung war einmal mehr Thema (u. l.). Ein Begleitdamm (rot markiert) ist neuerdings geplant.Fotos: Dähling



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Desinteresse? Politikverdrossenheit? Schlechte Kommunikation? Oder geht’s den Mayrhofnern einfach zu gut? Das fragte man sich bei der Gemeindeversammlung der Marktgemeinde im Europahaus am Mittwochabend. Denn aus der 3800 Einwohner zählenden Tourismusmetropole ließen sich lediglich 55 Zuschauer (inkl. Gemeinderat) von Bürgermeisterin Monika Wechselberger über die laufenden Großprojekte im Ort informieren.

Und da gibt es einige. Etwa die Tiefgarage der Gemeinde im neuen Seniorenheim des Altenheimverbandes, das vor der Eröffnung steht. Der Gemeinderat beschloss in seiner jüngsten Sitzung, dass während der ersten Stunde gratis geparkt werden darf und jede weitere 1,80 Euro und die Jahreskarte 1100 Euro kosten soll. Geld, das die Gemeinde braucht, denn jährlich sind 300.000 Euro für die Ratenzahlung zu berappen, hinzu kommen Betriebskosten von geschätzten 50.000 Euro. Viele Fragen rund um Werbeeinnahmen, Betreuung und die Auslastung sind noch offen.

Apropos Parken: Die Parkplatzverordnung wird schärfer kontrolliert, insbesondere was externe Parkplätze betrifft. Wer vor seinem Haus bzw. Geschäftslokal keine ausreichende Zahl von Stellplätzen nachweisen kann, kann bekanntlich im Umkreis von 300 Metern welche anmieten. „Wir werden planlich festhalten, wer wo welchen externen Parkplatz hat“, sagte BM Wechselberger. Mehrfachvermietungen eines Stellplatzes sollen so vermieden werden und zudem fordert die Gemeindechefin Mietverträge mit mindestens zehnjähriger Laufzeit.

Seit Jahren ein Dauerbrenner: der geplante Bahnhofsumbau samt Verkehrslösung. Wie es ausschaut, kommt man über die Planungsphase auch in nächster Zeit nicht hinaus. „Die Zillertalbahn hat ihr mittelfristiges Investitionsprogramm für 2020 bis 2025 beim Bund eingereicht, aber da ging zuletzt auch wegen der Nationalratswahlen nichts weiter“, erklärte der zuständige Referent GV Markus Bair. Auch wenn ein international ausgeschriebener Architekturwettbewerb mit Preisgeldern von bis zu 25.000 Euro im November starten soll, ist daher der Baustarttermin ungewiss. „Das hängt davon ab, wie wichtig den Politikern in Wien das Projekt ist und ob es vielleicht eine Sonderfinanzierung vorab gibt“, sagt Bair. Für den Baustart der Verkehrslösung nennt er 2019/20 ein „ambitioniertes, aber realistisches Ziel“. Ein so großes Projekt habe es in Mayrhofen schon lange nicht mehr gegeben. Unzählige Gutachten seien nötig, die sich auf die Detailplanung und auf den Grundbedarf auswirken. Daher seien die Gespräche mit den Grundeigentümern noch immer nicht abgeschlossen.

Wegen der Flutungsgefahr des Richtung Norden zu verlegenden Kreisverkehrs seien am Ziller nun Begleitdämme nötig. Zudem habe man südlich des Bahnhofs die Busspur mit der Trasse der B169 getauscht, um einen kreuzungsfreien Zugang in den Ort zu ermöglichen. Wie berichtet, müsste laut Gesetz die Eisenbahnkreuzung am Bahnhof zur Schwendaustraße 2018 geschlossen werden. „Die Anrainer rebellierten und der Bescheid wird von der Eisenbahnbehörde aufgehoben. Die Gemeinde hat nun bis 2020 Zeit, Teile der Verkehrslösung umzusetzen, damit die Schließung dann erfolgen kann“, informierte Bair.

Groß ist das Interesse der Mayrhofner an neuem Wohnraum. „Wir haben 40 Anträge für die von der WE geplanten Reihenhaussiedlung in Hollenzen“, sagte BM Wechselberger. Im Bereich Zillerlände baute die Neue Heimat 18 Mietwohnungen zum Mietpreis von 5,80 €/m², die Vergabe durch die Gemeinde ist bereits abgeschlossen. „In den nächsten Jahren entstehen insgesamt rund 200 Wohnungen in Mayrhofen, während wir parallel mit den Freizeitwohnsitzen zu kämpfen haben. Und der TVB bewirbt auch noch im großen Stil, Privatwohnungen via Airbnb zu vermieten. Wir belügen uns da alle selbst“, so GV Markus Bair kritisch. Bekanntlich gibt es offiziell keinen Freizeitwohnsitz in Mayrhofen, doch BM Wechselberger will mithilfe von Rechtsanwälten den tatsächlichen Stand ermitteln und offene Anträge bearbeiten. Einige dürften so auch legalisiert werden, jenen in Wohnanlagen sagt Wechselberger aber den Kampf an.