Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.10.2017


Landwirtschaftskammer

Bauern wollen ihren Platz für die Zukunft absichern

Anstatt hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen sollen vermehrt zweitrangige Lagen verbaut werden. Eine Resolution soll dabei helfen.

© HaaserHechenberger, Schweigl und Giner (v. r.) wollen mit einer Petition gegen den Bodenverbrauch eintreten.



Innsbruck – Dem Kampf gegen den Bodenverbrauch hat sich die Landwirtschaftskammer schon vor geraumer Zeit verschrieben. Was auch nicht weiter verwundert. Tag für Tag gehen laut einer Erhebung der Hagelversicherung, wie LWK-Präsident Josef Hechenberger gestern anlässlich einer Pressekonferenz verdeutlichte, 1,4 Hek­tar in Tirol „verloren“. Sprich: Sie werden verbaut und somit versiegelt. Für Wohnungen, Industrieanlagen, Einkaufszentren. Dass sich darunter auch mitunter die Filetstücke landwirtschaftlicher Produktionsflächen befinden – das werten die Bauern als existenzbedrohend. Nicht heute und auch nicht morgen – aber sehr wohl für folgende Generationen.

Ganz besonders prekär, so die Bauernvertreter, sei die Lage im Großraum Innsbruck. Dort seien es an die zwölf Fußballfelder, die Jahr für Jahr einer landwirtschaftlichen Nutzung entzogen würden. „Aktive Betriebe haben Sorgen, ob noch genügend Fläche zur Produktion da ist“, sagt Bezirksobmann Thomas Schweigl. Gerade die Gemüse- und Obstbauern in der Inntalfurche, so Romed Giner, bräuchten diese hochwertigen Flächen, um auch hochwertige Produkte erzeugen zu können. Giner sagt, die Bauern würden sich in die Enge getrieben fühlen. Denn die Lebensmittelproduktion müsse auch in der Zukunft sichergestellt sein.

Aus diesem Grund hat der Bezirksbauernrat in Innsbruck nun auch eine Resolution verfasst. Diese erging an Bürgermeister, die Abteilung Raumordnung im Land, Landtagsabgeordnete und mehr. Das Ziel: ein Umdenken zu erreichen. Hin zu einem sparsamen Umgang mit landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Die Mittel dazu benennt Hechenberger: eine Verschärfung der gesetzlichen Grundlagen in der Raumordnung, ein verstärkter Einsatz der Vertragsraumordnung, eine effizientere Nutzung des Wohnungsleerstandes und ein Fokus in der künftigen Verbauung auf Waldränder und „Ungunstlagen“. In bestehende Widmungen eingreifen – das würde aber auch Hechenberger zu weit gehen. Vielmehr fordert er die Lokalpolitik auf, auch neue Weiler zu erschließen – und im selben Atemzug das Land, also seine eigenen Parteifreunde, hierfür die nötigen Erschließungsmittel bereitzustellen.

Hechenberger und Co. ist aber bewusst, dass die Bauern beim Bodenverbrauch auch vor der eigenen Tür zu kehren haben. Denn verbaut kann nur jener Grund werden, der zuvor auch (gewinnbringend) verkauft wird. Eine strengere Widmungspolitik werde auch den eigenen Stand schmerzen, sagt Hechenberger. Auch diese Schmerzen werde es für ein allgemeines Umdenken brauchen. (mami)