Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.10.2017


Olympia-Volksbefragung

Platter steht zu Olympia-Verpflichtung

Landeschef spricht von Frage des Vertrauens und garantiert Einhaltung des Tiroler Angebots bzw. des Budgets.

© Thomas Boehm / TTLandeshauptmann Günther Platter (l.) und Sportreferent Josef Geisler (r.) hoffen, dass die Bevölkerung für eine Olympiabewerbung stimmt.Foto: Böhm



Von Peter Nindler und Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ob Innsbruck/Tirol ab Montag eine Olympiabewerbung für Winterspiele 2026 weiter vorantreiben werden, entscheidet sich in der Volksbefragung am kommenden Sonntag. LH Günther Platter (VP) hofft jedenfalls auf ein Ja. Sollte die Bevölkerung dagegen sein, wird Olympia wohl lange kein Thema mehr sein. Doch Platter verspürt einen positiven Trend. Das war vor einem Monat aus seiner Sicht noch nicht so. Letztlich ist inhaltlich alles gesagt.

Trotzdem rührten Befürworter und Gegner am Freitag noch einmal die Werbetrommel, Platter positionierte die Olympiavolksbefragung auch als Votum darüber, ob man der Politik des Landes vertraut. „Olympia ist keine parteipolitische Frage, aber natürlich geht es um Vertrauen in unser Bemühen, redimensionierte Spiele um 1,175 Milliarden Euro durchzuführen und kein Steuergeld dafür aufzuwenden. Und in wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten haben wir bewiesen, dass wir seriös arbeiten.“ Über die Kandidatur „zu unseren Voraussetzungen ohne neue Sportstätten“ entscheide aber das Internationale Olympische Komitee (IOC), fügte Platter hinzu. Der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees, Peter Mennel, bezifferte die Bewerbungskosten mit rund zwölf Mio. Euro. Wer wie viel davon zahlt, „darüber muss auch mit dem Bund verhandelt werden“, betonte Platter.

Die Frage, ob er nach einer positiven Volksbefragung, einem möglichen Zuschlag für Winterspiele sowie positiven Wahlausgängen für ihn 2026 Olympia-Landeshauptmann sein wolle, umschiffte Platter mit einer Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung: „Vorerst kommt einmal die Landtagswahl im Februar, sollte ich Landeshauptmann bleiben und wir uns für Olympia bewerben, gebe ich mein Wort, dass wir im Vertrag mit dem IOC keinen Millimeter von unseren Bedingungen abrücken.“ Gleichzeitig spricht sich der Landeshauptmann für „mutige Entscheidungen“ für die Weiterentwicklung Tirols aus.

Eine Lanze für Olympia brach gestern nicht nur Olympia-Botschafter Benni Raich („für die Jugend und den Sport“), sondern auch die Bürgermeister der weiteren Austragungsstätten Silz-Kühtai (Helmut Dablander), St. Anton (Helmut Mall), Seefeld (Werner Frießer) und Hochfilzen (Konrad Walk).

Auch wenn letztlich nur das landesweite Ergebnis in die Tiroler Olympiawertung kommen soll – der Landeshauptstadt wird dennoch am Sonntag eine Schlüsselrolle zufallen. Denn hier umweht ein besonders kritischer Geist die Bewerbungsidee. Nicht zuletzt, weil sich die Stadtgrünen im Gegensatz zu den Grünen im Land klar gegen eine Bewerbung ausgesprochen haben. Die Frage ist, ob eine Bewerbung wirklich erfolgreich sein kann, wenn sich die designierte Host City womöglich dagegen ausspricht?

Zumindest Vizebürgermeister Christoph Kaufmann (Für Innsbruck) und VP-Stadtrat Franz Gruber ließen gestern erneut nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass dem Stadtergebnis kein wie immer geartetes Olympia-Veto zukommen wird. Dazu verwiesen beide Stadtpolitiker auf einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss. Wobei sowohl Kaufmann als auch Gruber erst gar nicht davon ausgehen, Innsbruck könnte sich – wie in den Befragungen 1993 und 1997 – erneut gegen den olympischen Gedanken aussprechen. Die Stimmung sei gut, jedoch legte Gruber der Bevölkerung auch zwei Tage vor dem Urnengang noch einmal eindringlich ans Herz, „sich zu informieren“. Kaufmann gestand zwar ein, dass die Vermittlung der Machbarkeitsstudie nicht einfach gewesen sei. Innsbruck sei aber nun einmal Innsbruck – gerade eben wegen der Spiele.

Liste Fritz gegen Olympiamillionen, grünes Geld für Nein-Kampagne

Die Liste Fritz vergleicht sich in der Olympia-Debatte mit den unbeugsamen Galliern. Als einzige Partei ist sie gegen eine Kandidatur. Parteiobmann Fritz Dinkhauser und Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider kritisieren die Steuerverschwendung. „Die Olympiakampagne ist eine Farce und hat nichts mit ausgewogener Information zu tun", wettert Dinkhauser. Für Haselwanter-Schneider wird nur ein Teil der Kosten genannt. „Aufwendungen für Infrastruktur, Olympisches Dorf oder Sicherheit wurden bis heute nicht beziffert." Insgesamt sollten die Millionen für die Olympiabewerbung besser für die Kinderbetreuung, die Pflege, Kulturpolitik oder für Sport-Infrastruktur verwendet werden. Gestern wurde bekannt, dass die Innsbrucker Grünen eine Anti-Olympia-Facebook-Seite der Bürgerinitiativen Innsbruck personell wie finanziell unterstützen. Georg Willi, Bezirkssprecher und Bürgermeisterkandidat 2018, bestätigte das. Demnach seien rund 250 Euro der Grünen in die Schaltung eines Beitrages geflossen. Willi sieht das als „Anerkennung" für den Einsatz dieser Gruppe als „Gegenpol zur Pro-Kampagne des Landes". Persönlich tue er sich aber mit den handelnden Personen der Initiative schwer. Selbige haben die grüne Politik (StR Gerhard Fritz) in der Stadt stets scharf kritisiert. FI-Klubobmann Lucas Krackl fragt sich deshalb, ob man sich nun „mehr über die Grünen oder die ach so unabhängigen Bürgerinitiativen wundern soll". (pn, mami)