Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.11.2017


Bezirk Landeck

Wohnprojekt in Landeck ist unerwünscht

Ein Projekt des Siedlerbundes sorgt für Unstimmigkeiten. Die ÖVP sieht keinen Bedarf für die Wohnungen. Kritik gibt’s dafür von der SPÖ.

© Reichle



Von Matthias Reichle

Landeck – Viele Gemeinden haben es sich zum Ziel gesetzt, günstigen Wohnraum zu schaffen. In Landeck schlägt das Pendel derzeit in die andere Richtung aus. Dort hat sich die Stadt gegen ein Wohnprojekt ausgesprochen. Ihm sei so ein Fall noch nicht untergekommen, betont Peter Heiss vom Siedlerbund. Der gemeinnützige Wohnbauträger errichtet derzeit im Land­ecker Stadtteil Bruggen einen weiteren Block mit 26 Mietwohnungen am Mühlkanal – jedoch ohne Wohnbauförderung des Landes. Seitens der Stadt gab es keine Bestätigung für den Wohnungsbedarf, erklärt Heiss, weshalb nicht auf die öffentlichen Mittel zugegriffen werden kann. Ein entsprechender Nachweis ist Fördervoraussetzung. Trotzdem hat man begonnen, einen ersten Schwung der geplanten 60 Wohnungen am Areal umzusetzen, auch weil der Baubescheid ausgelaufen wäre, erklärt er.

Aufgedeckt hat den Fall die SPÖ Landeck. „Ausbaden müssen das die Mieter, die höhere Mieten zahlen müssen“, betont SP-Gemeinderat Manfred Jenewein, für den die Entscheidung unverständlich ist. Die Stadt verliere damit auch das Vergaberecht für die Wohnungen. Das Problem sei am Gemeinderat vorbei von ÖVP-Wohnungsreferent Johannes Schönherr allein entschieden worden, kritisiert Jenewein weiter. Sowohl für Schönherr als auch seinen Vorgänger auf diesem Posten, VP-Gemeinderat Herbert Mayer, gehen die Planungen des Siedlerbundes hingegen am Bedarf der Stadt vorbei.

Inzwischen hat das Projekt mehrere Jahre auf dem Buckel. Der erste Baubescheid stammt vom Oktober 2013. „Geplant waren ursprünglich 60 Wohnungen, davon 24 Vierzimmerwohnungen“, so Mayer. Aber gerade diese gelten als Ladenhüter. 60 Wohnungen seien für die Stadt zu viel, man sauge anderen Gemeinden die Bewohner ab. Wie Schönherr sieht er derzeit keinen „dringlichen“ Wohnbedarf in der Stadt. „Man kann mit öffentlichen Wohnbaumitteln nicht ins Blaue bauen“, so Mayer.

Schönherr ergänzt, dass man sich die Entscheidung nicht einfach gemacht habe. Das Thema sei im Wohnungsausschuss Thema gewesen, weist er die Kritik an einem Alleingang zurück. „Die Tendenz geht in Richtung kleine Wohnungen“, betont auch er. Es habe zahlreiche Besprechungen über Varianten gegeben. Der Siedlerbund sei hier beratungsresistent gewesen, so auch FP-Gemeinderätin Gabi Greuter, die in der vergangenen Gemeinderatsperiode im Wohnungsausschuss saß.

„Ärgerlich“ nennt Heiss die Entscheidung – rede man doch überall von leistbarem Wohnen in Tirol. Er sieht sehr wohl Bedarf für die Wohnungen: „Übergabe ist im Frühjahr 2019, ich bin fast sicher, dass wir sie bis dahin vollbekommen“, erklärt er. Keine der jetzt gebauten Wohnungen sei größer als 100 Quadratmeter, der Großteil seien Dreizimmerwohnungen. Man hätte sehr wohl umgeplant, aber nur mit der schriftlichen Zusicherung der Stadt, dass mit dem neuen Vorschlag gebaut werden dürfe. Von einem „Blanko­scheck“, den man in dieser Form nicht ausstellen wollte, spricht in diesem Zusammenhang Schönherr.

Laut Heiss werden die Mieten nun geringfügig teurer, man kompensiere die Förderung mit mehr Eigenmitteln.