Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.12.2017


Bezirk Innsbruck-Land

Arztpraxis im Sozialzentrum Kematen bleibt leer

Die Kemater Kassenärztin und die Neue Heimat konnten sich nicht einigen. Die Ärztin wird der Gemeinde aber erhalten bleiben.

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Von Denise Daum

Kematen – Ein monatelanger Streit in Kematen ist nun zu Ende – ohne Einigung. Wie berichtet, hätte die Kemater Kassenärztin Birgit Mihalovics in das neue Sozialzentrum übersiedeln sollen. Mit der Neuen Heimat gab es zuletzt allerdings Unstimmigkeiten rund um Mehrkosten, die durch Umplanungen – gewünscht von der Ärztin – entstanden. Nach längerem Hin und Her und mehreren runden Tischen ist nun fix: Birgit Mihalovics übersiedelt mit ihrer Praxis nicht ins Sozialzentrum, da sie die Mehrkosten nicht bezahlen könne. „Ich werde aber in Kematen bleiben“, betont die Ärztin. Sie habe neue Räumlichkeiten gefunden, Details könne sie erst nächste Woche nennen.

„Ich freue mich trotz allem für Dr. Mihalovics, wenn sie andere Praxisräumlichkeiten gefunden hat.“ Rudolf Häusler
 (Bürgermeister)
„Ich freue mich trotz allem für Dr. Mihalovics, wenn sie andere Praxisräumlichkeiten gefunden hat.“ Rudolf Häusler
 (Bürgermeister)
- Andreas Rottensteiner / TT

Bei Bürgermeister Rudolf Häusler ist die Enttäuschung groß. Er habe stets Interesse daran gehabt, dass Mihalovics im Sozialzentrum einzieht. Das Argument der Ärztin, dass sie die durch Umplanung entstandenen Mehrkosten nicht bezahlen könne, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Die Miete für 255 Quadratmeter Ordination, 65 Quadratmeter Terrassenfläche, Autoabstellplätze und Keller lag bei 3163 Euro inklusive Betriebskosten. „Nachdem alles nach ihren Wünschen umgeplant wurde, entstanden Mehrkosten von ca. 100.000 Euro“, erklärt der Bürgermeister. Trotz dieser beachtlichen Summe sei die Neue Heimat mit der Miete nur marginal nach oben gegangen und habe der Ärztin die Ordination um 3400 brutto pro Monat angeboten. Für Häusler ein äußerst verträglicher Mietzins. Auch wenn das Verhältnis zur Ärztin zerrüttet ist – der Bürgermeister spricht von „absolutem Vertrauensverlust“ –, freue er sich für sie, „wenn sie andere Räumlichkeiten gefunden hat“.

Gelassen zeigt sich nach dem monatelangen Wirbel NHT-Chef Hannes Gschwentner. Er schreibt die Ordination nun neu aus und sucht einen Allgemeinmediziner bzw. einen Facharzt als Mieter. Auf jeden Fall wird es ein Privatarzt, denn eine weitere Kassenstelle bekommt die Gemeinde Kematen nicht – das wurde von Seiten der Tiroler Gebietskrankenkasse und Ärztekammer Tirol bereits klargestellt. Findet sich in den nächsten Monaten kein Interessent, wird die Neue Heimat die Praxis in Wohnungen umbauen. Unter Druck fühlt sich Gschwentner nicht. „Wir haben durch die Adaptierungen, die wir in gutem Glauben umgesetzt haben, sowieso schon Geld verloren. Jetzt kommt es auf ein paar Monate Mietausfall auch nicht mehr an“, erklärt Gschwentner nüchtern.