Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.01.2018


Bezirk Reutte

Wirbel um Platter-Plan am Fernpass

„100-Mio.-Euro-Risiko“ oder „aus Fehlern nichts gelernt“: Platters Zeitplan für den Scheiteltunnel am Fernpass wird scharf kritisiert.

Reiseverkehr am Fernpass. (Archivbild)

© TT/Thomas BöhmReiseverkehr am Fernpass. (Archivbild)



Von Simone Tschol

Biberwier – Die von LH Günther Platter neu entfachte Debatte um den Bau des Fernpass-Scheiteltunnels sorgt für Wirbel. Laut Platter soll der Spatenstich 2021 erfolgen, die Röhre 2025 fertig sein. Kostenpunkt: zirka 100 Millionen Euro (die TT berichtete).

„Ein Straßentunnel bringt keine Entlastung, sondern öffnet Tür und Tor für eine neue Transitroute durch Tirol“, kritisiert Grünen-Gesundheitssprecherin Gabriele Fischer. Sie beruft sich dabei auf eine Studie des Landes, in der das Risiko für die Öffnung der Strecke für den Schwerverkehr mit 30 bis 40 Prozent eingeschätzt wird. Für Fischer 40 Prozent zu viel. „Das ist ein 100-Millionen-Euro-Risiko, das keine Entlastung, sondern die Gefahr von noch mehr Verkehr bringt“, so Fischer. Das sei eine Rechnung, die für die Tiroler Grünen in keinster Weise nachvollziehbar sei. „Auch das Zeitersparnis-Argument ist Augenauswischerei: Gerade einmal 13 Minuten sind im Idealfall möglich. Mit der Öffnung für den Schwerverkehr wird das schnell gegen null schwinden“, argumentiert Fischer und legt nach: „Selbst alle Tunnel-Fans schränken ein, dass der Scheiteltunnel nur dann sinnvoll sei, wenn es die klare Finanzierungszusage für den Tschirganttunnel gebe.“ Asfinag und Bund lehnten bisher jegliche Finanzierung ab. Die Grünen wollen die 100 Millionen Euro daher in die Öffi-Attraktivierung investieren.

Auch LA Maria Zwölfer (Impuls) schüttelt den Kopf. „Die Verantwortlichen des Landes haben aus den Fehlern der Vergangenheit, große Probleme mit einem Fleckerlteppich von teuren, völlig ineffizienten Kleinmaßnahmen lösen zu wollen, nichts gelernt. Der Scheiteltunnel verhindert keine Staus. Er verschärft die Situation durch eine zusätzliche Blockabfertigung.“ Gefragt sei ein Konzept, das die Außerferner Bevölkerung vom Moloch Verkehr befreit, aber keine Wettbewerbsnachteile für die Wirtschaft bringt. Zwölfer: „Eine solche Verkehrslösung kann nur eine Untertunnelung des Fernpasses darstellen.“ Das Thema Tschirganttunnel lässt bei Zwölfer die Alarmglocken schrillen: „Die Aussagen eines früheren Asfinag-Chefs, dass sich der Tschirganttunnel aufgrund fehlender Lkw nicht rentiere, und daher nicht gebaut werde. Das heißt doch, dass der Bau des sicher notwendigen Tschirganttunnels erst durch noch mehr Lkw-Verkehr durch unseren Bezirk finanzierbar wäre.“

Auch die Freiheitlichen können dem ÖVP-Projekt nichts abgewinnen. „Der Scheiteltunnel ist keine Lösung. Eine echte Entlastung könnte nur ein großer Tunnel wie der Gartnerwand- oder der Wannecktunnel bringen, wobei wir den Gartnerwandtunnel bevorzugen. Der Tschirganttunnel aber hat unsere volle Unterstützung“, so FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger.