Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.01.2018


Landespolitik

Fernpass-Scheiteltunnel: “Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen“

Die ÖVP steht geschlossen hinter Landeshauptmann Günther Platter und dem geplanten Bau des Fernpass-Scheiteltunnels. Es gebe hierzu keine Alternative. Alle anderen Parteien treten dem entschieden entgegen.

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© Mittermayr Helmut



Von Simone Tschol

Biberwier, Nassereith – Die Ankündigung von Landeshauptmann Günther Platter, den Spatenstich für den Fernpass-Scheiteltunnel im Jahr 2021 feiern zu wollen, gleicht einem Stich ins Wespennest. Grüne, Impuls sowie die FPÖ haben Platter dafür bereits scharf kritisiert (die TT berichtete).

„Wir haben lange dafür gekämpft. Auch wenn der Fernpass-Scheiteltunnel nicht alle Verkehrsprobleme lösen wird, ist der präsentierte Plan zur Umsetzung dieses Entlastungsbauwerks ein wichtiger Schritt nach vorne. Besonders wichtig ist auch, dass der Landeshauptmann nicht nur den Bau des Tunnels, sondern auch den Ausbau der Zu- und Ablaufstrecken zugesichert hat“, zeigt sich die Außerferner VP-Bezirksobfrau Sonja Ledl-Rossmann über den von Platter vorgestellten Fahrplan erfreut. Die Kritik sieht sie dem laufenden Wahlkampf geschuldet. „Wenn die Grünen der Bevölkerung weismachen wollen, dass man der enormen Verkehrsbelastung alleine mit Dosiersystemen, neuen Öffi-Tarifen und Park-&-Ride-Anlagen Herr werden kann, dann verkaufen sie die Menschen für dumm. Als Begleitmaßnahmen ja, aber das alleine ist zu wenig“, so Ledl-Rossmann.

Auch alternativen Tunnellösungen kann sie wenig abgewinnen. „Wenn wir jetzt wieder von null beginnen, dann verlieren wir bis zur Umsetzung nicht Jahre, sondern Jahrzehnte. Das kann man den Menschen nicht mehr zumuten. Wir brauchen jetzt eine Entlastung, nicht erst im Jahr 2050. Zudem ist eines klar: Mit einer großen Tunnellösung ist die 7,5-Tonnen-Beschränkung erledigt. Die Schaffung einer neuen Transitroute quer durch den Bezirk wäre damit nicht mehr zu verhindern“, gibt Sonja Ledl-Rossmann zu bedenken. Der Bezirk dürfe sich jetzt nicht auseinanderdividieren lassen: „Wenn wir uns nicht einig sind, wird das Geld woanders investiert. Andere warten nur darauf, ihre Projekte nach vorne reihen zu können.“ Nachdem der Zeitplan für den Fernpass-Scheiteltunnel feststehe, müssten nun alle Kräfte für die Umsetzung des Tschirganttunnels gebündelt werden. „Denn“, so Ledl-Rossmann, „eine wirkungsvolle Entlastung ist nur in Kombination der beiden Bauwerke möglich.“

Dem schließt sich auch VP-Nationalrat Dominik Schrott an: „Die Verkehrsbelastung der Bevölkerung im Oberland ist seit Langem unerträglich.“ Um einen ununterbrochenen Verkehrsfluss zwischen dem Zentralraum Reutte und dem Inntal zu gewährleisten, sei eine ganzheitliche Lösung unerlässlich. „Deshalb müssen jetzt auch alle Anstrengungen unternommen werden, um den Tschirganttunnel im Rahmenplan des Verkehrsministeriums vorzureihen“, so der Oberländer Nationalratsabgeordnete, der sich als neu gewähltes Mitglied des Verkehrsausschusses im Parlament dafür einsetzen will.

Schrott: „Das Land nimmt sehr viel Geld in die Hand, um eine der akutesten Stauzonen zu entschärfen.“ Entlang des Gurgltals und der Mieminger Straße werde der Scheiteltunnel aber keine spürbare Entlastung bringen. „Hier gibt es zum Tschirganttunnel keine Alternative.“

Während die ÖVP geschlossen hinter dem Fernpass-Scheiteltunnel und dem Tschirganttunnel steht, formiert sich in anderen Parteien breiter Widerstand – vor allem in Sachen Scheiteltunnel. Grüne, Impuls und FPÖ können dem Projekt nichts abgewinnen und haben dies auch bereits öffentlich kundgetan. Auch für die SPÖ im Bezirk Reutte ist der Fernpass-Scheiteltunnel keine Lösung. Diese würde nur noch mehr Verkehr, Lärm und Luftverschmutzung ins Außerfern bringen. „Unser Hauptziel ist und bleibt das Bahntunnelprojekt zwischen dem Ehrwalder Becken und dem Inntal“, betont Stefan Zaggl, SPÖ-Bezirksvorsitzender und Landtagsspitzenkandidat im Außerfern. Auf Initiative der SPÖ hat der Tiroler Landtag 2017 eine Machbarkeitsstudie für eine solche Bahntrasse ins Inntal beschlossen. „Die Ergebnisse sollten abgewartet werden, bevor große Ankündigungen getroffen werden“, so Zaggl.

Auch die Liste Fritz zieht eine Lösung auf Schienen vor. „Der Verkehr durch die Dörfer des Außerferns ist ein Riesenproblem. Die Fernpassstrategie von ÖVP und Grünen war eine reine Augenauswischerei, verbessert hat sich nichts“, prangert der Heiterwanger Liste-Fritz-Bezirksspitzenkandidat Hermann Fasser an. Ihm sei eine direkte Zugverbindung von Reutte ins Inntal ein Herzensanliegen. „Auch nach Kempten, Garmisch und Ulm gehört die Zugverbindung ausgebaut“, erklärt Fasser.