Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.01.2018


Exklusiv

„Schwarz-Grün hat gute Arbeit für Tirol geleistet“

Bauernbundchef und Agrarreferent Josef Geisler wird beim heutigen Landesbauernrat den mächtigsten ÖVP-Bund auf die Landtagswahl einschwören.

© Thomas MurauerBauernbundobmann Josef Geisler hofft erneut auf sechs Abgeordnete aus dem bäuerlichen Bereich.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Innerhalb der Tiroler Volkspartei ist die Mobilisierungskraft des Bauernbunds von den anderen Teilorganisationen gefürchtet. Doch ohne die 18.000 Bauernbundmitglieder und noch einmal 18.000 Jungbauern läuft für die ÖVP bei den Wahlen nichts. Lässt der Bauernbund aus, schaut es für die Volkspartei ebenfalls nicht gut aus. Allein bei der Nationalratswahl am 15. Oktober erhielten die bäuerlichen Kandidaten 34.519 der insgesamt 71.123 Vorzugsstimmen. Der Landesbauernrat, das höchste Gremium des Bauernbunds, will heute einmal mehr Geschlossenheit demonstrieren und die Weichen für die Landtagswahl stellen.

Trotzdem: Offen gibt Bauernbundobmann und Agrarreferent LHStv. Josef Geisler zu, dass die Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung von Ex-Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter in der neuen Bundesregierung groß sei. „Aber auch so ist die Politik, damit müssen wir leben.“ Jetzt trete eben Elisabeth Köstinger in die Fußstapfen Rupprechters. Ziel des Bauernbunds sei es, am 25. Februar wieder sechs Abgeordnete in der ÖVP-Riege und damit im Landtag zu stellen, betont Geisler. „Wir sind ein gutes Team.“ Er selbst strebt natürlich ein Regierungsamt an und ist bei Landeshauptmann Günther Platter so gut wie gesetzt.

Und wie soll es nach der Landtagswahl mit der Regierung weitergehen, im Bauernbund tendieren doch viele Mitglieder zu einem Wechsel zu Schwarz-Blau? Geisler sieht das nicht so eindeutig: „Es ist alles offen, aber natürlich hat es gerade beim Thema Naturschutz Spannungen mit den Grünen gegeben.“ Die schwarz-grüne Landesregierung habe allerdings gute Arbeit für Tirol geleistet, fügt der Bauernbundobmann hinzu. „Am Ende des Tages geht es darum, wer unser Programm inhaltlich am besten mittragen kann.“

Im Vorfeld des heutigen Landesbauernrats lassen hochrangige Bauernbündler jedoch mit harscher Kritik an den Tiroler Freiheitlichen aufhorchen. „Auch die Freiheitlichen – die sich auch gerne als Bauernvertreter ausgeben – haben oftmals gegen die Interessen von Tirols Bauern gestimmt“, kritisiert etwa der Breitenbacher Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Alois Margreiter in der Bauernzeitung .

Für Geisler ist der Bauernbund letztlich nicht nur die Interessenvertretung für die Landwirtschaft, sondern für den ländlichen Raum. „Wir werden mittlerweile als Sprachrohr für die peripheren Regionen wahrgenommen.“ Das werde auch die zentrale Botschaft im Wahlkampf sein. „Die Landwirtschaft ist sozusagen die Drehscheibe für den ländlichen Raum.“

Was erwartet sich Geisler von der neuen Landwirtschaftsministerin? „Die Regionalität muss noch stärker hervorgestrichen werden. Gleichzeitig benötigt es weiter die Projektförderungen, um Perspektiven zu schaffen, und mehr Geld für tiergerechte Haltungsformen.“ Die Bauern werden heute gespannt auf Köstingers Antworten sein. Die Ministerin wird erstmals am Landesbauernrat in Tirol teil nehmen.