Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.02.2018


Landtagswahl 2018

Schüler löcherten Politiker mit Fragen

Die Landtagswahl rückt näher. Damit Jugendliche sich von allen Parteien ein Bild machen können, stellten sich acht Politiker den Fragen der Schüler des RG Schwaz. Die Themen gingen den Jungwählern nicht aus.

© FankhauserDie Kandidaten von Grünen, Family, SPÖ, ÖVP, Liste Fritz, Impuls, NEOS und FPÖ standen den Schülern des RG Schwaz Rede und Antwort.Foto: Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Rund 120 Schüler, acht Politiker, zwei Stunden Zeit und jede Menge Fragen – so sah die Podiumsdiskussion zur Landtagswahl im Realgymnasium Schwaz aus. Gespannt verfolgten die Jugendlichen die Antworten der Kandidaten. „Hat er das gerade ernst gemeint?“, flüsterte ein Schüler seinem Nachbarn ins Ohr. Andere blickten verblüfft. Die nächste Kandidatin kam zu Wort. Eine Schülerin runzelte die Stirn. Eine andere nickte verständnisvoll. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigten, dass die jungen Wähler sich ihr eigenes Bild von den Kandidaten machten. Und genau darum ging es bei der Diskussionsrunde.

„Habt ihr Fragen?“, wollte Marina Drljic vom Verein PoBi (Politische Bildung) wissen, der die Podiumsdiskussion organisierte. Zack – schnellten einige Hände nach oben. „Wie wollen Sie leistbares Wohnen für uns zukünftige Studierende ermöglichen?“, fragte eine Schülerin. Ein anderer wollte mehr zu den Studiengebühren wissen.

Diese Frage ging vor allem an Christoph Steiner (FPÖ): „Noch ist nichts fix. Man kann in einer Koalition nicht 100 Prozent seines Wahlprogramms umsetzen.“ Zum leistbaren Wohnen bekrittelte er die sozialen Wohnbauträger: „Da zahlt man 60 Jahre lang Miete und dann gehört einem nichts.“ Johannes Tilg (NEOS) forderte ein Einkommensmonitoring: „Man soll in jungen Jahren günstiger wohnen und wenn man dann mehr verdient, kann man auch mehr zahlen.“ Auch für Kathrin Kaltenhauser (ÖVP) würden Start-up-Wohnungen Sinn machen. „Die 5-Euro-Wohnungen in Schwaz sind ein Schritt in die richtige Richtung. Zuerst braucht es billige Wohnungen für junge Leute und später soll auch Eigentum möglich sein“, sagte sie. Maria Zwölfer (Impuls) möchte leerstehende Gebäude und Wohnungen durch geförderte Sanierungsmaßnahmen in Städten aktivieren. „Es braucht eine Leerstandsabgabe, dann ändert sich das“, sagte zudem Stephanie Jicha (Grüne). Sie fände es auch sinnvoll, Air-bnb-Wohnungen an Studenten zu vermieten. Dass man die Mietzinsbeihilfe erst nach drei Jahren Wohnen in Innsbruck bekommt, bekrittelte Andrea Krumschnabel (Family). Elisabeth Fleischanderl (SPÖ) pocht auf mehr sozialen Wohnbau. Laut Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) fehle es am „politischen Willen, etwas zu tun“. Initiativen und Anträge gebe es genug.

Bei den Studiengebühren will Tilg nachgelagerte Gebühren: „Man soll sie erst zurückzahlen müssen, wenn man arbeitet und es sich leisten kann.“ Haselwanter-Schneider ist gegen Studiengebühren. Genauso wie Fleischanderl: „Das reißt die Kluft zwischen Arm und Reich nur weiter auseinander.“ Die Grünen plädieren für eine Orientierungsphase zu Studienbeginn.

Eine Schülerin fragte, ob Politiker genug verdienen. Eine andere wollte Maßnahmen für Migration, Grenzschutz und Asylverfahren hören. Weiters kamen Fragen zu Integration von Asylwerbern in der Schule, Umweltschutz, gleichgeschlechtliche Ehe und Legalisierung von Cannabis.

Vor allem die Aussage von Steiner sorgte für Unmut bei manchen Schülern. Er bekräftigte die Grenzkontrollen und sagte: „Stellt euch vor, ihr habt keine Haustür und jeder kann ein und aus gehen, wie er will.“ Darauf fragte ein Schüler irritiert, ob denn vor Steiners Haustür auch Bomben fallen würden? Und was er tun würde, wenn es seinen Kindern schlecht gehe und er keine Perspektive hätte. „Die machen ja keinen Spaziergang nach Österreich“, sagte der Schüler kopfschüttelnd. Steiner ruderte zurück und zeigte Verständnis. „Wir brauchen Migration, müssen aber aussuchen können, wen wir brauchen“, sagte er.

Für Haselwanter-Schneider mache das Modell Kanada Sinn: „Die schauen beim Zuzug, wen sie in welchem Job brauchen.“ Wichtig sei es auch, Asylwerber durch Deutschkurse und Arbeit mehr zu beschäftigen. Laut Zwölfer sei in Sachen Migration vor allem eine europäische Lösung wichtig. Zustimmung erhält sie von Tilg. Er schlägt vor, dass sich 1000 europäische Partnerstädte in Nordafrika vernetzen. „Damit sie gar nicht erst flüchten müssen.“ Die EU als Friedensprojekt sieht auch Kaltenhauser, obwohl „die EU zu lange zugeschaut hat“, ohne zu handeln. Für Grenzkontrollen sprach sich Krumschnabel aus und gab zugleich zu bedenken, dass neben der Sprache auch die psychische Gesundheit wichtig für die Integration ist. „Es muss den Menschen gut gehen.“