Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Landespolitik

Jäger: „Wolf keine gefährdete Art“

Die Naturschutzorganisation WWF pocht auf die Abhaltung eines Wolfsgipfels.

© Getty Images/iStockphotoNach Ansicht der Jägerschaft erfüllt der Wolf in Europa nicht mehr die Kriterien einer gefährdeten Tierart.Foto: iStock



Innsbruck, Wien – Der Wolf ist aus Sicht der österreichischen Jäger keine vom Aussterben bedrohte Tierart mehr. Das macht der Jäger-Dachverband „Jagd Österreich“ in einem gestern veröffentlichten Positionspapier klar. Die Vermehrungsrate der Wölfe – etwa die des Rudels am Truppenübungsplatz Allentsteig in Niederösterreich – liege geschätzt bei über 30 Prozent. Angesichts von 30.000 Wölfen in Europa – 18.000 Tiere in Mitteleuropa ohne Russland und Ukraine – sei keines der Kriterien für gefährdete Tierarten erfüllt.

Solange das Wildtier „Wolf“ nicht reguliert bzw. bejagt werden dürfe, sei dessen Rückkehr in die österreichische Kulturlandschaft nur indirekt ein Thema für die Jäger hierzulande, heißt es in dem Papier. Allerdings, so die Jägerschaft, droht das vermehrte Aufkommen des Wolfs in Österreich wesentliche Interessen der Jägerschaft zu beeinträchtigen: Seit etwa zweieinhalb Jahren sei ein enormer Anstieg der Wolfspopulation sowie der Wolfsrisse von Weide- und Wildtieren zu registrieren. Die Jägerschaft fordert daher eine Überarbeitung des Wolfsmanagement-Plans 2012 sowie die Reaktivierung der „Länderübergreifenden Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf“. Nur so könne eine regionale und überregionale wildökologische Raumplanung sowie eine objektivierte Management-Position für Wolfsvorkommen in Österreich erarbeitet und verankert werden.

Es müsse unter anderem sichergestellt werden, dass sämtliche Schäden bzw. Kosten für Prävention durch die öffentliche Hand gedeckt werden. „Jagd Österreich“ fordert zudem eine Ergänzung des Wildtiermanagements um Wölfe, analog zum Modell der Rotwildbewirtschaftung, sowie die Schaffung von „Wolffreihaltezonen“.

Die Naturschutzorganisation WWF fordert angesichts der Positionen der Jägerschaft von Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), einen Wolfsgipfel auf Bundesebene einzuberufen. Die vom Dachverband verlangte Aufwertung der bestehenden Koordinierungsstelle für Braunbär, Luchs und Wolf (KOST) dürfe nicht nur kosmetischer Natur sein, weil es sich derzeit nur um eine reine Informationsplattform ohne Ressourcen und Entscheidungsgewalt handle. Diese neue Koordinationsstelle des Umweltministeriums müsse strukturell gestärkt sowie personell und finanziell ausreichend ausgestattet werden. „Es braucht höhere Förderungen für Präventionsmaßnahmen und Entschädigungen sowie deutlich mehr Information, Forschung und Beratung. Auch die Bundesländer sind hier gefordert“, bekräftigt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. (TT, np)