Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.02.2018


Exklusiv

Bischof mahnt zu Respekt im Wahlkampf

Im Fastenhirtenbrief fordert Glettler respektvollen Um-gang mit weltanschaulicher und politischer Pluralität.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler TageHermann Glettler half gestern beim Benefiz–Suppenessen in Innsbruck als Kellner aus



Innsbruck – Es ist der erste Fastenhirtenbrief von Diözesanbischof Hermann Glettler. Und wegen der bevorstehenden Wahlen appelliert der Oberhirte der Diözese Innsbruck eindringlich, die Grenzen im Wahlkampf und generell in der Politik nicht zu überschreiten. „Versuchen wir respektvoll mit der weltanschaulichen und politischen Pluralität umzugehen“, mahnt der Bischof. Anlässlich der Wahlen am 25. Februar möchte er aber auch „mit Dankbarkeit auf jene Personen hinweisen, die in unserem Land und in unseren Gemeinden politische Verantwortung übernehmen“.

Glettler nimmt nicht nur die Politik, sondern genauso die Bevölkerung in die Pflicht, auf jene, „die es in ihrem Leben schwer haben und aus eigenen Kräften ihr Leben nicht meistern können“, zu achten. „Die Sorge um das Gemeinwohl und die aktive Mitgestaltung des Zusammenlebens sind ein Auftrag an alle Bürger und Bürgerinnen und darf nicht in der Manier von verwöhnten Konsumenten an die offizielle Politik delegiert werden.“ In diesem Zusammenhang streicht der Bischof die unterschiedlichen Vereine hervor, die einen ganz wesentlichen Beitrag zum gelingenden des Miteinander in Tirol leisten würden.

„Versuchen wir respektvoll mit der weltanschaulichen und politischen Pluralität umzugehen.“ Hermann Glettler. (Diözesanbischof)
- Foto Rudy De Moor / TT

Sein Hirtenbrief enthält darüber hinaus ein Ausrufezeichen an die wiederverheirateten Geschiedenen. Für 2019 kündigt Glettler bereits eine breite Initiative an. „Ich habe angeregt, dass wir in der Fastenzeit 2019 mit dem Projekt ,Neu beginnen!‘ starten. Es ist das Angebot einer regelmäßigen Begleitung für alle, die in einer zweiten Ehe leben oder nach der Scheidung allein geblieben sind.“ Viele, die den Bruch einer Beziehung oder das Scheitern ihrer Ehe hinter sich hätten, würden sich in einer solchen Situation von der Kirche verstoßen „oder zumindest sanktioniert“ fühlen. Glettler bittet darum, diesen Menschen in Zukunft ein noch deutlicheres Signal geben, „dass sie in der Mitte unserer Kirche ihren Platz haben“.

Für Menschen, besonders Frauen, die aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt wurden, setzt sich seit mittlerweile 60 Jahren auch die „Aktion Familienfasttag“ der Katholischen Frauenbewegung ein. Beim traditionellen Benefiz–Suppenessen vor dem Innsbrucker Stadtturm war der Andrang gestern groß. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ließen sich die Spendenveranstaltung nicht entgehen. Bischof Glettler, der als Kellner aushalf und Suppen verteilte, lobte die Wohltätigkeitsveranstaltung: „Es ist eine Super-Suppen-Initiative, die uns vor Augen führen soll, dass die Gesellschaft kein Einheitsbrei ist, sondern vom Miteinander getragen ist.“

Die in Innsbruck und den anderen Tiroler Bezirken dieser Tage gesammelten Spenden kommen heuer besonders dem Projekt „Vamos Mujer“ zugute. Dieses setzt sich in dem noch stark vom Machismo durchsetzen Kolumbien für eine Veränderung des gesellschaftlichen Bildes der Frau ein. „Ein Leben in Würde heißt ein Leben ohne jede Form der Gewalt“, sagte Ana-Maria Berrio Ramirez, Mitarbeiterin von „Vamos Mujer“. In dem südamerikanischen Land gehört Gewalt gegen Frauen noch immer zum Alltag. (pn, bfk)


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