Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.02.2018


Exklusiv

Tirols neue Österreicher

Tirol zählt seit dieser Woche 30 neue Staatsbürger. Einer davon ist „Vorstadtweiber“-Autor Uli Brée. Wählen dürfen die Neuen heute noch nicht.

© APA(Symbolfoto)



Von Liane Pircher

Innsbruck — Insgesamt sind in Österreich die Einbürgerungen im Vorjahr gestiegen. Mehr als 9000 Personen erhielten die österreichische Staatsbürgerschaft. Im Vergleich zum Jahr 2016 nahmen laut Statistik Austria die Einbürgerungen im letzten Jahr um 7,5 Prozent zu (die TT berichtete).

Während in sechs Bundesländern diese Zahl im Jahr 2017 gestiegen ist, ist sie in anderen drei — darunter Tirol mit einem Minus von 9,2 Prozent — gesunken. 521 Menschen bekamen im Jahr 2017 bei einem feierlichen Akt vom Land Tirol die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Die größte Gruppe der Neo-Österreicher in Tirol hatte zuvor die Staatsbürgerschaft von der Türkei (90), gefolgt von Bosnien-Herzegowina (78), Serbien (33) und Kroatien (24). Nachdem das österreichische Staatsbürgerschaftsgesetz kein­e Doppelstaatsbürgerschaft erlaubt, müssen die alten Pässe zurückgegeben werden. Warum es ausgerechnet in Tirol im Vorjahr weniger Einbürgerungen gegeben hat als in den Jahren zuvor, kann keiner so genau begründen. Fakt sei, dass die Zahlen in den letzten Jahren relativ ähnlich waren, so Martin Plunger von der Abteilung für Staatsbürgerschaft beim Land Tirol.

Freut sich, Neo-Österreicher zu sein: Uli Bree.
- privat

Um überhaupt Österreicher werden zu können, müssen einige Rechtsvoraussetzungen stimmen und auch ein Staatsbürgerschaftstest mit Fragen zur Geschichte bestanden werden. Die jüngsten Verleihungen (30) gab es diese Woche — darunter auch ein prominenter Neo-Österreicher, nämlich der in Tirol lebende und in Deutschland geborene Drehbuch-Autor Uli Brée.

Ihm wurde die Staatsbürgerschaft aufgrund außerordentlicher Leistungen, die dem Interesse der Republik dienen, verliehen. Während früher Einbürgerungen von Promis wegen ihrer möglichen Doppelstaatsbürgerschaft teils strittig waren (ein kritisierter Fall war die russische Sopranistin Anna Netrebko, die kein Deutsch sprach), gibt es mittlerweile dazu einen genauen Kriterienkatalog, den das Innenministerium vorgibt. Brée fühlt sich geehrt, die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen bekommen zu haben: „Nun darf ich nicht nur kreativ, sondern auch als Wähler meinen Beitrag leisten." Heute Sonntag dürfen Tirols jüngste Neo-Österreicher bei der Landtagswahl allerdings (noch) nicht wählen. Auch ihre Pässe müssen erst beantragt werden. Wahlberechtigt ist, wer bis zum Stichtag 27. November 2017 Staatsbürger war.