Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Exklusiv

Haus der Musik: Baukosten liegen 4,7 Mio. € über Plan

Vorläufiger Finanzbericht von Stadt und Land geht von Gesamtkosten für Bau von 62,7 Mio. € aus. Aufteilungsschlüssel ist noch immer nicht geklärt.

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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Lange Zeit konnt­e nur gerätselt werden. Dass bauliche Mehrkosten für das derzeit in Bau befindliche Haus der Musik (HdM) anfallen, ist seit Mitte November bekannt. Seit dieser Zeit liegt den Projektpartnern Stadt Innsbruck und Land Tirol (dritter Partner ist der Bund) auch ein diesbezüglicher Kostenbericht seitens der bauausführenden Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) vor. Einer, der bis dato aber unter Verschluss gehalten wird. Gut unterrichtete Kreise hatten aber bereits damals von Mehrkosten in der Höhe von 4,7 Mio. € gesprochen, die TT berichtete.

Heute wird BM Christine Oppitz-Plörer (FI) im Rahmen einer Pressekonferenz Bilanz über laufende wie abgeschlossene Großprojekte in Innsbruck ziehen. Darunter wohl auch das HdM.

Wie die TT im Vorfeld in Erfahrung bringen konnte, belaufen sich die baulichen Mehrkosten für das Haus der Musik tatsächlich auf die seit damals kolportierten 4,7 Mio. €. In Summe wurde das Gesamtprojekt 2015 mit knapp über 58 Mio. € – inklusive einer Kostentoleranz von zehn Prozent – von den drei Projektpartnern abgesegnet: 25,4 Mio. € von der Stadt, 23,6 Mio. € vom Land und neun Millionen Euro vom Bund. Darin inkludiert waren aber auch knapp 2,4 Mio. € für Denkmäler sowie Ablösekosten „Autoabstellplätze“ – Kosten, die nur die Stadt treffen.

Anstatt der 58 Mio. € stehen im finanziellen Zwischenbericht nun aber 62,7 Mio. € unterm Strich zu Buche. Diese Kostensteigerungen sind zum Gutteil der guten Baukonjunktur und den damit gestiegenen Baupreisen geschuldet. Damit verteuerten sich in Folge auch die einzelnen Gewerke des HdM-Baus.

Mit null werden in dieser Aufstellung allerdings die ursprünglich eingepreisten, wenngleich nur der Stadt zuzurechnenden Ablösekosten „Autoabstellplätze“ bewertet. Dafür gibt es einen Grund: Unter dem Haus der Musik wird es keine Tiefgarage geben, ergo auch keine Pkw-Stellplätze. Auch die dem Neubau gewichenen Stadtsäle samt Kammerspielen hatten keine unterirdischen Parkplätze. Und doch wurde auf Basis früherer finanzieller Planungen dieser Kostenposten miteinkalkuliert. Weil eben die Stellplatzverordnung laut Tiroler Bauordnung besagte Ablöse nach sich zieht, sollten die nötigen Parkplätze entfallen. Da aber die IIG als 100-Prozent-Stadttochter diese rund 1,7 Mio. € ihrer eigenen „Mutter“ überweisen müsste – das Geld also de facto nur von der linken in die rechte Tasche wandert –, wurde im jüngsten Finanzbericht diese Kostenstelle auf null gesetzt.

Über die genaue Aufteilung der 4,7 Mio. € an Mehrkosten verhandeln Stadt und Land indes noch immer. Hier geht es auch um die Frage der Zurechnung von Mehrkosten, die aufgrund baulicher Qualitätssteigerungen entstanden sind. Budgetär würde der Mehrkostenanteil für die Stadt ohnedies erst im Jahre 2019 anfallen, da das Haus der Musik erst in diesem Jahr endabgerechnet werden soll.

In der Baukostenaufstellung nicht enthalten sind die Erstinvestitions- und Anlaufkosten für 2017 und 2018, die alleine für die Stadt in Summe 1,38 Mio. € ausmachen, die TT berichtete. Für das Land ist ein ähnlich hoher Teil zu erwarten. Darin, so heißt es, seien aber auch Betriebskosten inkludiert. Eine Einrechnung in die (baulichen) Gesamtkosten erachten daher weder Stadt noch Land für zulässig.

Die offizielle Eröffnung soll am 6. Oktober stattfinden.