Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.04.2018


Exklusiv

Primärzentren: Interessenten klopfen an

Sechs Primärversorgungszentren will das Land bis 2021 in die Gänge bringen. Derzeit wird an einem Kriterienkatalog sowie der Standortfrage getüftelt.

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Innsbruck – Es klingt paradox. Während ausgeschriebene Kassenarztplanstellen kaum noch nachzubesetzen sind – so sind beispielsweise drei offene Psychiatriestellen (Hall, Schwaz, Imst) nahezu unvermittelbar und sechs Stellen für Allgemeinmediziner aktuell unbesetzt –, hat die Tiroler Gebietskrankenkasse bereits jetzt die ersten Interessenten für die geplanten, neu zu schaffenden Primärversorgungszentren an der Hand. TGKK-Direktor Arno Melitopulos wertet Letzteres prinzipiell als positives Zeichen. Noch sind diese Zentren nur im neuen Regierungspapier der Landesregierung festgehalten. Sechs an der Zahl sollen bis 2021 errichtet werden, bestätigte gestern Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP). Mehrere Allgemeinmediziner sollen mit diesem Modell gleichberechtigt und unter Beteiligung von Physiotherapeuten sowie Pflegekräften zusammenarbeiten. Das soll die Basisversorgung absichern. Diese ist nicht mehr nur auf dem Land, sondern zunehmend auch in den Ballungsräumen mit einem Fragezeichen hinterlegt.

Die ersten zwei Zentren sollen bereits nach dem Sommer öffnen. In Osttirol sind die Pläne am weitesten fortgeschritten. Land, TGKK und Ärztekammer werken derzeit an einem einheitlichen Kriterienkatalog für die künftige Vergabe dieser Stellen, auch die Struktur (Gruppenpraxen, regionales Netzwerk oder private Krankenanstalt) ist Thema. Zentral wird die räumliche Verteilung. Auch Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) sitzt in der eingerichteten „Landeszielsteuerungskommission“. Die Festlegung der räumlichen Einzugsgebiete werde eine Herausforderung, sagt sie.

Einig sind sich Melitopulos und Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger, dass das Modell für Ärzte attraktiv sein muss. Auch wenn das Gesetz Mindestanforderungen vorsehe, die mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden sein werden. „Wir wollen die Leute ja nicht verjagen“, sagt Melitopulos. (mami)