Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.04.2018


Innsbruck-Land

Kolsasser Ortschef blieb Entlastung verwehrt

BM Hansjörg Gartlacher aus Kolsass muss morgen die Jahresrechnung erneut vorlegen. Laut Opposition ist zu spät über Überschreitungen informiert worden. Gartlacher räumt das ein – alles sei jedoch budgetär gedeckt.



Kolsass – Knalleffekt in der jüngsten Sitzung des Kolsasser Gemeinderates: BM Hansjörg Gartlacher (Bürgermeisterliste) blieb beim Beschluss der Jahresrechnung 2017 die Entlastung versagt. Die Abstimmung, die auf Antrag der SPÖ geheim stattfand, endete mit 6:6 – neben den drei Gemeinderäten der SPÖ und jenem der FPÖ sprachen sich somit auch zwei Mandatare der Bürgermeisterliste gegen die Entlastung aus.

Der Abschluss sei rechnerisch in Ordnung, heißt es seitens der Opposition, die „politische Vorgangsweise im Vorfeld“ steht aber in der Kritik: Bei Um- und Zubauarbeiten am Feuerwehrhaus (das am 27. April offiziell eingeweiht wird) sowie am Fußballplatz sei es zu Kostenüberschreitungen gekommen, über die Gartlacher den Gemeinderat nicht zeitgerecht informiert habe. Erst im Zuge der Budgeterstellung im Dezember habe man von den Überschreitungen – die laut Baukostenaufschlüsselung teils schon im Juli bekannt gewesen seien – erfahren. „Laut Tiroler Gemeindeordnung müssten diese aber sofort kommuniziert werden“, meint GR Josef Weinseisen (FPÖ). „Es braucht eine konstruktive Zusammenarbeit – schließlich kommen schon die nächsten großen Projekte auf uns zu.“

„Für uns geht es um Transparenz in der Darstellung, nicht um persönliche Befindlichkeiten“, stellt GV Verena Schgaguller (SPÖ) klar.

BM Gartlacher räumt ein, dass er bei den Budgetüberschreitungen „nicht rechtzeitig informiert“ habe. Beim Feuerwehrhaus habe man einen „zu niedrigen Budgetansatz“ gewählt. Aber sämtliche Verteuerungen seien begründbar und belegt und über zusätzliche Förderungen budgetär abgedeckt, betont Gartlacher. Mehr wolle er vor dem nächsten Gemeinderat am morgigen Donnerstag nicht sagen. Einziger Tagesordnungspunkt der kurzfristig einberufenen Sitzung: die neuerliche Vorlage der Jahresrechnung.

Die Opposition rechnet damit, dass es diesmal eine Mehrheit für die Entlastung gibt – auch weil Gartlacher die Möglichkeit habe, für die Abstimmung (bei der er selbst als Rechnungsleger ja die Sitzung verlassen muss) einen Ersatzgemeinderat zu nominieren.

Neben der Jahresrechnung beschäftigte den Kolsasser Gemeinderat auch eine wichtige Personalangelegenheit: Amtsleiter Christian Lechner hat nach annährend 18 Jahren seinen Rückzug erklärt, die Kündigung wird mit Monatsende rechtskräftig. Der Posten wurde bereits offiziell ausgeschrieben. Es habe sich „kurzfristig eine berufliche Möglichkeit ergeben“, so Lechner zur TT, mit Mitte 40 sei es „Zeit, nochmals durchzustarten“. Schon vor zwei Jahren habe er über eine berufliche Veränderung nachgedacht. Mutmaßungen, wonach Unstimmigkeiten mit dem Bürgermeister mitgespielt haben sollen, weist Lechner klar zurück: Man solle „keine Streitigkeiten hineininterpretieren“, er hege „keinen Groll“ – und bleibe auch wie bisher Gemeinderat der Bürgermeisterliste. (md)