Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


Reutte

Fake-Video stellt Reuttener Bundesrat Stefan Zaggl bloß

Die erste Rede im Bundesrat misslang dem Reuttener Stefan Zaggl gründlich. Ein Mitarbeiter der Landes-FPÖ verbreitet nun einen Zusammenschnitt als „Willkommen Österreich“-Häme.

© Stefan Leiner (Mitarbeiter der Landes-FPÖ) hat eine von ihm produzierte Version der Rede von BR Stefan Zaggl (SPÖ) „Willkommen Österreich“ untergejubelt und auf seiner Facebook-Seite publiziert.Screenshot: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Wien, Innsbruck – Seine erste Rede war nicht bahnbrechend. Das gesteht Bundesrat Stefan Zaggl freimütig ein: „Ich habe gestottert, die Zwischenrufe brachten mich völlig aus dem Konzept.“ Der Reuttener SPÖ-Politiker verlor in den vorbereiteten Zeilen die Orientierung, suchte laut stöhnend den Anknüpfungspunkt. So manches Satz­ende passte nicht zum Anfang. „Ja das ist leider passiert, aber das motiviert mich jetzt umso mehr, schnell hineinzufinden. Ich werde bald besser werden, das verspreche ich“, sagt Zaggl. Nur wenige Stunden nach dem Auftritt des Neo-Bundesrates verbreitete sich rasend schnell ein Kurzvideo dazu im Netz. Darin waren die beiden Kabarettisten Stermann/Grissemann zu sehen, wie sie in ihrer Sendung „Willkommen Österreich“ bekannt pointiert das politische Waterloo des Außerferners ausschlachteten – sollte der Videokonsument glauben. Denn der Schein trog. Alles war von einem Mitarbeiter der Landesgeschäftsstelle der FPÖ Tirol zusammengefügt worden. Dirk Stermann und Christoph Grissemann hatten nichts damit zu tun. Seit der Rede Stefan Zaggls im Bundesrat hatte es keine einzige Sendung von „Willkommen Österreich“ gegeben.

Beim Vergleich mit der in der ORF-TVthek einsehbaren Originalrede Zaggls fällt zudem auf, dass ein besonderer Lapsus, der ihm nur einmal unterlaufen war, wiederholt abgespielt wird, um den peinlichen Eindruck zu verstärken.

Der FPÖ-Tirol-Landesgeschäftsstellen-Mitarbeiter Stefan Leiner (Bereich soziale Medien) hat das Video hergestellt und unter seinem privaten Facebook-Account veröffentlicht. Allein auf Leiners Seite wurde das Video 22-mal geteilt und erhielt 2697 Likes. Inzwischen verbreitet es sich über WhatsApp im gesamten Netz.

Leiner, bei Zaggls Rede selbst in Wien, schrieb auf Facebook: „Ein wahres rhetorisches Schmankerl haben wir diese Woche von unseren Freunden der SPÖ im Bundesrat geschenkt bekommen.“ Er räumt auf TT -Anfrage freimütig ein, das Fake-Video hergestellt und „Willkommen Österreich“ vorgespannt zu haben, „damit der Satire-Kontext klarwird. Da war nichts Böswilliges dabei.“ Beim Schneiden des Trailers habe er sich eher an der ZDF-Satiresendung „heute-show“ orientiert und gewisse „Momente“ verstärkt herausgearbeitet. Für die Herstellung des Videos habe er keine halbe Stunde benötigt und im Anspann Namen herausgeschnitten, damit die Täuschung nicht sofort auffällt.

„Die Sendung wurde am 17. April ausgestrahlt und damals Christoph Leitl aufs Korn genommen“, erklärt der seit vielen Jahren für „Willkommen Österreich“ zuständige ORF-Redakteur Florian Kehrer. In ihm schlagen nach Ansicht des Kurzfilmchens zwei Herzen: „Das ist nicht schön, was da gemacht wurde. Manipulation, Verfremdung, Fälschung. Das wird sich die Rechtsabteilung des ORF noch genauer ansehen. Andererseits wäre Bundesrat Zaggl nach so einem Auftritt geradezu prädestiniert dafür, ein Opfer von uns zu werden – wäre er prominenter. Bei diesen vielen Hoppalas muss er einem schon leidtun.“ Kehrer erklärt auch, dass ihm auf Grund des Sendeprofils von „Willkommen Österreich“ eine wahre Entrüstung nicht wirklich zustehe.




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