Letztes Update am So, 06.05.2018 19:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck-Wahl

Für Oppitz-Plörer wurde zweite Stichwahl zum Fiasko

Die achtjährige Amtszeit von Christine Oppitz-Plörer als Innsbrucker Bürgermeisterin fand am Sonntag ein jähes Ende.

© Rudy De MoorChristine Oppitz-Plörer vermochte es nicht, einen Amtsbonus aufzubauen.



Innsbruck - Für die amtierende Innsbrucker Stadtchefin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) ist die zweite Bürgermeisterstichwahl ihrer Karriere zum Fiasko geworden. Die 49-Jährige unterlag am Sonntag ihrem grünen Herausforderer Georg Willi. Damit fand eine achtjährige Amtszeit ein jähes Ende. Die studierte Volkswirtin, die der Stadtpolitik erhalten bleiben will, muss sich jetzt neu orientieren.

Sieg gegen Platzgummer 2012

Bei ihrer ersten Wiederwahl 2012 - nachdem sie das Amt zwei Jahre zuvor nach dem krankheitsbedingten Rückzug ihrer Vorgängerin Hilde Zach übernommen hatte - hatte Oppitz-Plörer noch in einem „hausinternen“ Match gegen den Kandidaten der „Schwesterpartei“ ÖVP, Christoph Platzgummer, reüssiert. Damals wurde sie in der Stichwahl mit rund 56 Prozent der Stimmen bestätigt, nachdem sie im ersten Durchgang 31,3 Prozent auf sich vereinen konnte und als erste in der Direktwahl über die Ziellinie ging.

Die Auseinandersetzung mit Platzgummer, respektive mit der Schwesterpartei ÖVP, diente der davor als farblos geltenden Oppitz-Plörer durchaus, ihre Konturen als Stadtchefin zu schärfen. Dass die Volkspartei unter Landeschef Günther Platter jedoch wenige Wochen vor der Wahl den ehemaligen FI-Vizebürgermeister Platzgummer aus dem Hut zauberte und gegen sie ins Rennen schickte, wertete die studierte Volkswirtin als Fehdehandschuh, den sie auch aufnahm. Was folgte waren zum Teil öffentlich ausgetragene Konflikte mit Platter und die Gründung von „Vorwärts Tirol“ als bürgerliche Alternative vor der Landtagswahl 2013 gemeinsam mit der ehemaligen VP-Landesrätin Anna Hosp. Aus den dann folgenden innerparteilichen Grabenkämpfen von „Vorwärts“ hielt sich Oppitz-Plörer so gut es ging heraus, wodurch sie diese Episode öffentlich auch relativ unbeschadet überstand. Mittlerweile verbesserte sich das Verhältnis zu Platter, und damit auch jenes zwischen Stadt und Land.

Kein Amtsbonus mehr

Im abgelaufenen Wahlkampf kehrte die amtierende Stadtchefin und ihre Liste Für Innsbruck vor allem die Faktoren „Verlässlichkeit und Stabilität“ hervor. Sie als Bürgermeisterin und ihre Gruppierung Für Innsbruck seien die „goldene Mitte“ zwischen „links-grün“ und „rechts-blau“, lautete die Selbstzuschreibung. Einen Amtsbonus aufzubauen, gelang der 49-Jährigen aber dennoch nicht. Die häufigste Kritik machte sich an ihrem Führungsstil fest. Der Stadtchefin wurde wiederholt mangelnde Bürgerbeteiligung vorgeworfen.

Zur Person:

Christine Oppitz-Plörer wurde am 7. Juni 1968 geboren und ist Mutter zweier erwachsener Kinder. 1993 absolvierte sie das Studium der Volkswirtschaft. Anschließend war sie bei den damaligen Tiroler Landeskrankenanstalten im Vorstandsbereich mit der Zuständigkeit für Bau, Technik und Finanzen tätig. 2000 kandidierte die gebürtige Innsbruckerin erstmals auf der Liste Für Innsbruck und zog in den Gemeinderat ein. V

on Dezember 2002 bis Juni 2009 war sie Stadträtin für die Bereiche Erziehung, Bildung, Gesellschaft, Kinder- und Jugendbetreuung, Familie, Frauen und Seniorinnen. Im Juni 2009 wurde sie Vizebürgermeisterin der Landeshauptstadt. Am 8. März 2010 folgte sie Hilde Zach als Bürgermeisterin nach. Bei den Gemeinderatswahlen 2012, bei der es zum ersten Mal ein Direktwahl des Stadtoberhauptes gab, wurde sie wiedergewählt.