Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.05.2018


Bezirk Schwaz

Gemeinden verkaufen Agrargrund

Fügener baut um 3,3 Mio. € ein Wasserkraftwerk im Finsinggrund und kauft Waldfläche.

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© Dähling



Von Angela Dähling

Fügen – 320.000 Euro hat der Fügener Franz Huber bereits seit 2012 in Pläne für ein privates Wasserkraftwerk im Finsinggrund investiert. Insgesamt plant er, rund 3,3 Mio. Euro für die Umsetzung in die Hand zu nehmen. „Alle nötigen Genehmigungen wie forst-, naturschutz- und wasserschutzrechtliche liegen bereits vor“, informierte VBM Oliver Anker Mittwoch den Fügener Gemeinderat. Dieser hatte sich bereits mit der Causa bei der letzten Sitzung beschäftigt und sollte nun abstimmen, ob Huber der Gemeindegutsagrargemeinschaft Fügen-Fügenberg 240 m² Grund für sein Kraftwerk abkaufen darf. „Die Fügenberger haben ihr Okay bereits gegeben“, erklärte Franz Huber, der vom Publikum aus das Projekt näher erläuterte.

400 kW bis 1,4 Megawatt will er produzieren und bei der Tiwag einspeisen und dafür eine Druckleitung neben einem bestehenden Forstweg errichten. Für die Wegerhaltung (ca. 2,5 km bis zur Kegelbrücke) werde er im Gegenzug auf Bestanddauer des Kraftwerks aufkommen; auch die Kosten von bis zu 40.000 Euro für eine Kabelverlegung, um den gemeindeeigenen Pflanzgarten mit Strom zu versorgen, trage er. „Ich habe meine Aufgaben erfüllt, mehr als genug“, meinte Huber. Einige Gemeinderäte blieben skeptisch. Warum Huber das Kraftwerk um Millionen bauen wolle, obwohl es derzeit nichts bringt, wollte etwa GR Maria Stöckl wissen. „Man bildet sich da halt manchmal was ein. Vielleicht bringt es meinen Kinder was“, meinte Huber. „Das wird mal ein Bombengeschäft. Nur wenige haben die Möglichkeit, so viel zu investieren“, meinte indes GV Manfred Zeller.

Auf die Frage, warum der Grund verkauft werden soll und kein Baurecht vergeben wird, meinte Huber: „Euer Anwalt hielt das für besser, weil es sonst zu kompliziert ist.“ BM Dominik Mainusch bestätigte das. Nach längerer Diskussion, bei der Hubers Bruder GR Alois Huber laut sein Unverständnis über die neuerliche Diskussion kundtat, beschloss der Gemeinderat mehrheitlich (zehn Ja-, zwei Nein-Stimmen, drei Enthaltungen) den Verkauf um 100 Euro/m². Die Gemeinden hätten im Fall eines Verkaufs das Vorkaufsrecht. BM Mainusch betonte, dieser Verkauf von Agrargrund bleibe eine Ausnahme, die u. a. mit öffentlichem Interesse, geringer Grundfläche zu einem hohen Preis und vielen Verpflichtungen des Käufers zu rechtfertigen sei. (ad)

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