Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Bezirk Kitzbühel

Vizebürgermeister Peter Pirchl wirft das Handtuch

Knalleffekt in Westendorf: Vizebürgermeister Pirchl legt sein Mandat zurück. Eine gute Zusammenarbeit sei nicht möglich.

© ZOOM.TIROL



Von Harald Angerer

Westendorf – Der Haus­segen hängt schief, sehr schief – die Streitereien im Westendorfer Gemeinderat fordern nun ihr erstes Opfer. Vizebürgermeister Peter Pirchl (Aufwind) wirft nach nur gut zwei Jahren das Handtuch. Das Rücktrittsschreiben ist gestern beim Gemeindeamtsleiter abgegeben worden und ist nach einer Woche gültig. „Es gibt viele Gründe“, holt Pirchl aus.

Er spiele schon länger mit der Überlegung, die Entscheidung sei nicht spontan gefallen. Hauptgrund sei aber die schwierige Zusammenarbeit mit Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR). „Ich als Vizebürgermeister kann nicht mehr mit der Bürgermeisterin zusammenarbeiten. Andere Meinungen als ihre gelten einfach nicht“, sagt Pirchl. Zudem sei ihm schon mehrfach vorgeworfen worden, dass er zu wenig arbeiten würde. Dabei ist er für die Gemeinde im Aufsichtsrat der Bergbahn Westendorf, dort sogar Stellvertreter des Vorsitzenden, und zudem ist er Obmann des Straßenausschusses.

Schon seit der Gemeinderatswahl 2016, als Plieseis Bürgermeisterin wurde, ist die Situation im Gemeinderat eine schwierige. Die Bürgermeisterin hat mit ihrer Liste WIR lediglich fünf Mandate, die drei ÖVP-nahen Listen zusammen zehn, fünf davon entfallen auf die Pirchl-Liste Aufwind. „Wir bekommen Zusagen – und dann ist alles plötzlich wieder anders“, kritisiert Pirchl. Auch der Umgangston Plieseis’ ihm und anderen Gemeinderatsmitgliedern gegenüber sei ein „äußerst rauher“, wie er sagt.

Pirchl spricht von „Dahinwurschteln“ und dass er dies nicht mehr mittragen wolle. „Ich ziehe mich aus allen meinen Funktionen zurück“, sagt er. Was die Zukunft bringt, wisse aber niemand. Er lässt sich damit eine Rückkehr offen. „Aber derzeit ist eine Zusammenarbeit einfach nicht möglich“, betont der Vizebürgermeister.

„Das ist seine Entscheidung“, sagt Bürgermeisterin Annemarie Plieseis auf Anfrage der TT. Überrascht zeigt sie sich, dass eine schlechte Zusammenarbeit mit ihr ein Grund sei. „Es stimmt schon, dass wir nicht immer der gleichen Meinung sind, aber das ist normal so. Ich dachte, er hat einfach zu wenig Zeit. Er ist bei Terminen öfters nicht gekommen“, erklärt sie.

Pirchl ist Listenführer der bäuerlichen Liste Aufwind, diese hatte bei der Gemeinderatswahl 2016 mit 35,3 Prozent die meisten Stimmen und fünf Mandate geholt; Plieseis bekam mit ihrer Liste WIR 31,2 Prozent und erreichte ebenfalls fünf Mandate. Pirchl war aus privaten Gründen nicht zur Bürgermeisterwahl angetreten. Plieseis kam in die Stichwahl, wo der bisherige Bürgermeister Anton Margreiter dann nicht mehr antrat und sie somit Bürgermeisterin wurde.

Nun muss der Gemeinderat bei der nächsten Sitzung über einen neuen Vizebürgermeister entscheiden. „Wir besprechen in der Liste, wen wir nominieren“, sagt Pirchl.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Südtirol-Wahl 2018
Südtirol-Wahl 2018

So hat Südtirol gewählt: SVP-Verluste, Debakel und Überraschungen

Die Südtiroler Landtagswahlen sind geschlagen und die SVP fällt auf einen neuen Tiefststand. Die Lega Nord und das Team Köllensperger sind die großen Sieger. ...

Südtirol-Wahl 2018
Südtirol-Wahl 2018

Zufriedenheit, Frust und Jubel: Die Reaktionen zur Südtirol-Wahl

Nach der Landtagswahl in Südtirol zeigte sich Landeshauptmann Kompatscher trotz der Verluste mit dem Ergebnis zufrieden. Während das Team Köllensperger und d ...

Exklusiv
Exklusiv

112.600 Tiroler gefährdet: Armut und ihre Folgen greifen um sich

Knapp jede siebte Person in Tirol ist von Armut bedroht. Im Schnitt steht ihnen nur ein Haushaltseinkommen von 10.728 Euro im Jahr zur Verfügung. Knapp 15 Pr ...

Exklusiv
Exklusiv

Tiroler Privatklinik Medalp kritisiert Regierung

Privatkrankenanstaltenfonds: Bevorzugung von Wiener Privatklinik verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Bezirk Kufstein
Bezirk Kufstein

Streit um Kindergartengebühr in Thiersee: Land prüft

Die Abteilung Bildung des Landes prüft, ob die Erhöhung der Kindergartengebühr in Thiersee in dieser Form angemessen war.

Weitere Artikel aus der Kategorie »