Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Bezirk Landeck

Überraschende Wende bei Projekt Agrarhaus in Sicht

Gordischer Knoten bei umstrittenem Projekt Agrarhaus der Zehentschaft Landeck-Stanz könnte in außerordentlicher Versammlung gelöst werden. Plädoyers für Hackschnitzellager.

© TT / Thomas B?hm



Von Helmut Wenzel

Landeck, Stanz – Drei Stunden heftige Debatten und letztlich doch eine Verständigung beim umstrittenen Projekt Agrarhaus in Landeck-Perfuchsberg: Mit diesem Ergebnis endete die Vollversammlung der Zehentschaft Landeck-Stanz, einer 180 Mitglieder zählenden Agrargemeinschaft, am Donnerstag zwischen 23 und 0 Uhr.

Wie berichtet, klaffen die Meinungen um das geplante Wirtschaftsgebäude weit auseinander. Die Agrarbehörde des Landes hatte sich ebenso mit dem Projekt befasst wie das Landesverwaltungsgericht (LVwG). Trotzdem einigten sich Agrarausschuss und Beschwerdeführer auf eine Kompromissformel – womit der gordische Knoten gelöst werden könnte.

Neben dem aktuellen Projekt, das Obmann Josef Raggl mit Kosten von 310.000 Euro (netto) vorstellte, soll ein zweites Projekt zur Auswahl stehen. Planer Günter Kramarcsik, einfaches Agrarmitglied, erklärte sich bereit, den Alternativvorschlag binnen drei Monaten auszuarbeiten. Wobei alle Vorgaben wie Geräte- und Fuhrparkräume, Büro, Archiv usw. berücksichtigt werden müssten. In einer außerordentlichen Vollversammlung sollen dann beide Projekte „umfassend“ präsentiert werden, anschließend soll abgestimmt werden.

„Auch wenn es eine Mehrheit für die teurere Variante gibt, ist das okay“, erklärte Agrarmitglied Karl Graber. Weil damit auch ein demokratisches Grundprinzip erfüllt werde. Graber und Kramarcsik hatten rechtliche Schritte gegen das ursprüngliche Projekt eingeleitet. Das LVwG wies es wegen mangelnder Kostentransparenz zurück (Erkenntnis vom 25. Jänner 2018).

Die Entscheidung, welches der beiden Projekte umgesetzt wird, soll für den Ausschuss bindend sein. Nicht die Vollversammlung, sondern der 13-köpfige Ausschuss hat laut Statut die Kompetenz, über das Projekt zu entscheiden.

Im Gegenzug erklärten sich die Beschwerdeführer Graber und Kramarcsik bereit, die kürzlich bei der Agrarbehörde eingereichte Aufsichtsbeschwerde zurückzuziehen. Auf weitere Schritte, etwa beim LVwG, werde man ebenfalls verzichten. Ob es zur Abstimmung über zwei Projekte kommt, werde man binnen 14 Tagen entscheiden, sagte Obmann Raggl. Er resümierte: „Diese Wende habe ich zu Beginn der Sitzung nicht erwartet. Leider ist am Thema viel vorbeigeredet worden.“

In der Debatte spielte auch das Thema Hackschnitzellager eine größere Rolle. Kramarcsik hatte diesen Teil des Agrarhauses kritisiert, weil nur wenige Nutzer auf Kosten aller Mitglieder profitieren würden. Lukas Kössler aus Stanz hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für das Produkt Hackschnitzel: „Ich würde das Lager doppelt so groß bauen wie geplant. Hackschnitzel sind bares Geld.“