Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Bezirk Schwaz

Achenseebahn kostet Geld und Nerven

Eine gemeinsame Sitzung der Gemeinderäte von Eben und Achenkirch sollte Licht in die Zukunft der Achenseebahn bringen. Das Resümee: Ohne mittelfristiges Investitionsprogramm wird nichts mehr laufen.

© ZwicknaglAchenkircher Gemeinderätinnen versuchte Bahnvorstand Georg Fuchshuber (rechts) von wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu überzeugen.



Von Walter Zwicknagl

Eben Es ging ans Eingemachte bei der gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte von Eben und Achenkirch am Donnerstagabend. Gegenstand war ein weiterer Zuschuss für die Achenseebahn, die dringend ein Finanzloch in der Höhe von 160.000 Euro stopfen muss. Vor allem wollten etliche Gemeinderäte wissen, wie es überhaupt weitergehen soll.

Achenseebahn-Vorstand Georg Fuchshuber ließ sich daraufhin über den Prozess mit Ex-Vorstand Bernhard Marchi aus. Doch am Prozessinhalt waren die Mandatare weniger interessiert. Und Fuchshuber musste so manche Kritik besonders von Achenkircher Seite einstecken: „Ja hören denn diese Zahlungen gar nicht mehr auf?“, fragte GR Josef Knapp. Ihn wundere es nicht, wenn so weitergewurstelt werde. Und wer sollte das bezahlen, wenn Marchi den Prozess gewinnt, war eine Frage. Ein fehlendes mittelfristiges Investitionsprogramm sei mitschuldig am Dilemma, betonte Fuchshuber. Mit den Worten: „Wir wollen keine Gerichtsverhandlung im gemeinsamen Gemeindeplenum von Eben und Achenkirch erörtern“, beendete BM Josef Hausberger (Eben) Fuchshubers Monolog.

Dann ließ der Bahnvorstand die Katze aus dem Sack: „Am Montag kommt der erste Steuerwagen der Appenzeller Bahn am Jenbacher Bahnhof an. Fünf Garnituren, bestehend aus einem Steuer- und einem Triebwagen, sollen bis Oktober zu günstigen Preisen von der Schweizer Bahn nach Jenbach wechseln“, verkündete Fuchshuber. Wie viel der Einbau des dieselelektrischen Antriebs in die fünf Garnituren für den Nahverkehr koste, war auch auf mehrfache TT-Anfrage nicht zu erfahren. „Die Bahn soll künftig ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur sein und das auch mit Bus und Reisebürotätigkeit“, sagt Fuchshuber. Ohne ein mittelfristiges Investitionsprogramm sei das aber alles Utopie. Allein zwölf Millionen Euro kosten die Ausweiche Fischl und die Generalsanierung der Flachstrecken an den Bahnhöfen Jenbach und Seespitz. Derzeit befasse sich eine Arbeitsgruppe, in die auch das Land eingebunden ist, mit den Finanzen der Bahn zwecks Übergangsfinanzierung. Der vorläufige Plan nach Aussage von BM Hausberger: „Das Land kauft Aktien und gibt sie an die Gemeinden Jenbach (bisher 12,14 %), Achenkirch (5,57 %) und Eben (16,53 %) weiter.“ Da spielen natürlich auch die Außenstände eine wesentliche Rolle.

„Wir hätten uns erwartet, dass wir mit einem langfristigen Konzept konfrontiert werden“, äußerte sich der Ebener GR Klaus Astl. BM Hausberger platzte schließlich der Kragen: „Ich bin einer der Trottel, die im Aufsichtsrat gratis gesessen sind und denen immer gesagt wurde, wie gut alles läuft.“ Und das trotz Prüfung durch Experten, wie er ergänzt.

Auf Hilfe braucht die Bahn trotz Für und Wider nicht verzichten. Genau 11.900 Euro werden aus Achenkirch kommen, in Jenbach ist von einem Betrag um die 23.100 Euro die Rede und in Eben geht es um 35.000 Euro. Der TVB Silberregion hat schon 15.000 Euro bezahlt, vom TVB Achensee kommen 25.000 Euro.

BM Karl Moser (Achenkirch), Amtsleiter Walter Margreiter und BM Sepp Hausberger (beide Eben) bei der Bahnsitzung.
- Zwicknagl