Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.06.2018


Bezirk Imst

Haiming: 500 Jahre altes Zeugnis der Waalwirtschaft

© GlatzlJohann Glatzl vor dem Haiminger „Toalhäusl“, das nun im Höfemuseum Kramsach steht.



Seit der vergangenen Gemeinderatssitzung unterstützt auch die Gemeinde Haiming die Bemühungen der Tiroler Waalgruppe um die Anerkennung der „Oberländer Berieselungsbewässerung" als immaterielles Unesco-Kulturgut. Dazu werden die alten Bewässerungssysteme zunächst einmal dokumentiert. Und schließlich gibt es auch das Ziel, wie in Südtirol die Waalwege auch touristisch zu nützen. Vorläufig, so erklärte BM Josef Leitner, entstehen daraus der Gemeinde selbst keine Verbindlichkeiten.

Dass sich Haiming nun auch in dieser Frage engagiert, freut auch Johann Glatzl. Der Landwirt ist nicht nur ein Hüter der modernen Bewässerungsanlagen in der Obstbaugemeinde, sondern beschäftigt sich als Obmann der Tiroler Mühlenfreunde auch mit der langen Geschichte der Wassernutzung in der Gemeinde. „Ein wirkliches Kulturerbe, das wohl viele Haiminger nicht mehr kennen", erklärt Glatzl, ist dabei das so genannte „Toalhäusl".

Den alten Steinbau sucht man in Haiming vergebens: Das „Toalhäusl" steht nämlich seit mehr als 20 Jahren im Höfemuseum in Kramsach.

Das „Toalhäusl" war „das Herzstück der Haiminger und Silzer Bewässerungsanlagen", beschreibt Glatzl. Es war von 1539 bis 1949 in Betrieb und verlor erst die Funktion durch den Neubau des Wasserstollens. „Der Haiminger Waal scheint erstmals 1504 auf", sagt der engagierte Haiminger Waal-Forscher. Das 1539 in Betrieb genommene Gebäude selbst hatte die Funktion, das Wasser des gemeinsamen „Tragwaales" aus der Brunau in zwei Teile für Silz und einen Teil für Haiming aufzuteilen. Eine Steinplatte mit drei Löchern, die jeweils einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern hatten, sorgte für diese Aufgabe. Diese durchaus ausgeklügelte Technik erklärte Glatzl auch der Tiroler Waalgruppe, die im Frühjahr Haiming besuchte.

Geändert hatte sich alles im Jahr 1949. Da wurde ein neuer Bewässerungsstollen durch den Amberg getrieben. Heute ist der „Teilkasten" bei Ötztal-Bahnhof ein recht unscheinbarer Betonbauteil mit zwei Absperrschiebern. (pascal)




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